Review zu "The Blackwell Legacy" und "Blackwell Unbound"

Mit „The Blackwell Legacy“ (2006) und „Blackwell Unbound“ (2007) haben Wadjet Eye Games unter der Leitung von Dave Gilbert den Grundstein für eine interessante Adventurereihe gelegt, die den Untertitel „A Supernatural Mystery“ trägt. Entwickelt wird die Reihe auf dem Adventure Game Studio (AGS) und ist derzeit nur in englischer Sprache erhältlich. Dieses Review beschäftigt sich mit beiden bereits erschienenen Teilen, da sich diese in ihrer Machart sehr ähnlich sind.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kann als Downloadversion oder optional auch als CD-Version über die Website der Entwickler bezogen werden. Die Installation verlief völlig problemlos und es wurden 240MB für den ersten Teil und weitere 205MB für den zweiten Teil der Reihe auf die Festplatte installiert. Eine kurze Beschreibung mit den wichtigsten Informationen zum Spiel findet sich in einer einfachen Textdatei. Im Optionsmenü können die Sprachausgabe, die Untertitel, die automatische Spieleinführung sowie die Making-Of-Kommentare von Dave Gilbert (mehr dazu später) aktiviert werden. Über einen weiteren Menüpunkt gelangt man zum Bonusmaterial, das allerdings erst im Spielverlauf bzw. über ein spezielles Kennwort in den Credits freigeschalten wird.

Story und Hintergründe

Rahmen der Reihe ist das Erbe bzw. das Schicksal der Blackwell-Familie, deren weibliche Mitglieder bereits seit mehreren Generationen eine ganz besondere Aufgabe zu erfüllen haben. Unter der spirituellen Führung des Geistes von Joey Mallone, der ihnen ab einem gewissen Zeitpunkt ihres Lebens erscheint, müssen sie die umherirrenden Geister verstorbener Menschen aus dieser Welt geleiten. Der Einstieg in die spannende Geschichte erfolgt mit Rosangela Blackwell, die gerade die Asche ihrer verstorbenen Tante Lauren von der Brooklyn-Bridge in New York streut. Tante Lauren lag bereits viele Jahre im Koma, aber für Rosangela war sie die einzige verbleibende Bezugsperson, nachdem ihre Eltern sehr früh verstorben waren. Als Rosangela den Arzt aufsuchte, der ihre Tante in den vielen Jahren des Komas behandelte, erfährt sie, dass es offensichtlich ein mysteriöses Geheimnis gab, welches Tante Lauren mit in den Tod nahm. In den Briefen, die ihr Tante Lauren hinterließ, findet Rosangela weitere Hinweise und ist besorgt. Schon bald sollte Rosangela – nach einem Anfall von heftigen Kopfschmerzen – selber feststellen, welches dunkle Geheimnis es war, das ihre Tante ins Koma fallen ließ und ihre Großmutter Patricia vor vielen Jahren in den Wahnsinn trieb …

Im ersten Teil liegt der Schwerpunkt auf der Einführung in die Rahmengeschichte rund um die Blackwell-Familie, was sich sehr interessant darstellt. Rosangela erforscht die Vergangenheit ihrer Familie und macht auch schon bald Joey Mallones Bekanntschaft. Der zweite Teil flacht dann in Bezug auf die Spannung etwas ab, da es darin mehr darum geht, in sogenannten „Fällen“ die Geister verstorbener Menschen mit ihrem eigenen Tod zu konfrontieren und aus dieser Welt zu führen. Interessant ist dabei, dass dieser zweite Teil als eine Art Prequel umgesetzt ist und darin ein neuer Hauptcharakter in den Vordergrund rückt. Es wird darin im Detail aber deutlich weniger auf die Rahmengeschichte eingegangen, trotzdem besteht natürlich ein klarer Bezug zur Gesamtstory. Eigentlich besteht der zweite Teil der Reihe laut Aussage von Dave Gilbert aus Rückblende-Material, welches für den dritten Teil „The Blackwell Convergence“ (noch nicht veröffentlicht) erstellt wurde, dann aber im Spiel nicht zum Einsatz kam, weil es einfach den Rahmen des geplanten Umfanges sprengte. Da die Reihe auf das Erscheinen in mehreren Episoden ausgelegt ist, wird sich natürlich erst nach und nach ein Gesamtbild abzeichnen. Die Geschichte hat auf jeden Fall viel Potential, vieles blieb bisher noch offen und lässt auf weitere spannende Episoden hoffen, die hoffentlich wirklich auch die Rahmenstory noch weiter vertiefen.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Zugegeben, die niedrig aufgelöste und dadurch sehr pixelige Grafik mag anfangs durchaus etwas anschreckend wirken, aber eine niedrige Auflösung muss nicht unbedingt eine schlechte Grafik bedeuten. Gerade dieses Adventure ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurden die Locations und auch die Charaktere geschaffen, wirklich schön, was hier mit Hilfe weniger Bildpunkte alles dargestellt wird. Auch die Animationen der Charaktere sind gut gelungen, besonders die Bewegungen von Rosangela Blackwell wirken sehr gut. Während den Dialogen werden Close-Up´s der gerade sprechenden Charaktere gezeigt, in denen verschiedene Gesichtsausdrücke – passend zur jeweiligen Situation – dargestellt werden. Leider sind diese Großaufnahmen der Charaktere nur im ersten Teil vorhanden und fehlen im zweiten Teil, der in Sachen Grafik generell nicht an den ersten Teil herankommt, gänzlich.


Das Spiel bietet durchgehend Sprachausgaben, die qualitativ alle im Bereich gut bis sehr gut liegen. Besonders beim ersten Teil haben sich zwar gelegentlich noch kleine Störgeräusche eingeschlichen, was aber nicht weiter schlimm ist. Die Besetzung der Stimmen ist gelungen, besonders die Stimme von Rosangela Blackwell (gesprochen von Sande Chen) ist optimal gewählt und sehr ansprechend. Generell sind alle Sprachausgaben sehr deutlich und ohne starke Akzente gesprochen, sodass man mit etwas Englischkenntnissen kein Problem haben sollte, den Spielverlauf zu verfolgen. Im Notfall helfen ja auch noch die optionalen Untertitel im Spiel. In Sachen Musik können gleich beide Teile der Reihe voll punkten, obwohl die Musik jeweils aus einer anderen Feder stammt und entsprechend deutliche Unterschiede aufweist. Die Musik ist stimmungsvoll, abwechslungsreich und passend zu den Locations bzw. zur Handlung. Besonders im zweiten Teil stellt der Soundtrack fast schon ein kleines Highlight dar.

Gameplay

Gesteuert wird im Spiel mit einem reinen Point&Click-Interface, wobei im zweiten Teil sogar zwischen zwei Charakteren gewechselt werden kann. Für Genre-Einsteiger gibt es eine komfortable Hilfefunktion, die im Spielverlauf Schritt für Schritt alles Wissenswerte zur Steuerung und zum Gameplay erklärt. Diese Funktion kann bei Bedarf im Optionsmenü aktiviert werden. Ein besonderes Element im Gameplay ist die aktive Einbindung des Notizbuches, in dem automatisch alle gesammelten Informationen festgehalten werden. Durch das Kombinieren von 2 gesammelten Informationen können Widersprüche oder Zusammenhänge erkannt werden, welche dann wieder zu neuen Gesprächsthemen oder Aktionsmöglichkeiten führen. Das Inventar wird bei Bedarf am oberen Bildschirmrand eingeblendet, von wo aus man auch das komfortable Speicher- und Lademenü aufrufen kann. Der Schwierigkeitsgrad des Spieles liegt klar im Bereich „einfach“ und die Spieldauer für beide Teile zusammen beträgt etwa 7 Stunden. Ein ganz besonderes Feature sind die Making-Of-Kommentare von Dave Gilbert, die optional eingeschalten werden können. Dadurch werden im Spielverlauf immer wieder gesprochene Erläuterungen und Hintergrundinformationen zum Spiel eingestreut. Dies ist hochinteressant und teils auch wirklich amüsant. Alleine dieses Feature rechtfertigt, das Spiel mindestens ein zweites Mal durchzuspielen. Zudem gibt es noch sehr viel Bonusmaterial, das nach dem Durchspielen freigeschalten wird. Die nötigen Codewörter dazu werden in den Credits am Spielende ausgegeben. Finden sich im ersten Teil als Bonus nur einige Outtakes der Sprachaufnahmen zum Spiel, so bietet der zweite Teil zusätzlich noch Konzeptzeichnungen, extra Musikstücke, Kommentare der Entwickler und Regieanweisungen zu den Sprachaufnahmen.


Zusammenfassung

Bereits die beiden ersten Teile der Blackwell-Reihe sind gelungene Adventures und lassen auf eine interessante Fortführung hoffen. Im Zuge des ersten Teiles wird man in die spannende Geschichte um die Blackwell-Familie eingeführt, deren weibliche Mitglieder seit mehreren Generationen die Aufgabe haben, die Geister verstorbener Menschen aus dieser Welt zu führen. Jede dieser „Überführungen“ ist sozusagen ein eigener Fall und der zweite Teil der Reihe setzt auch den Schwerpunkt auf diese Fälle. Leider kommt der zweite Teil dadurch inhaltlich auch nicht ganz an den ersten Teil heran. Die Grafik beider Teile wirkt durch die niedrige Auflösung zwar sehr pixelig, ist aber trotzdem sehr detailreich und liebevoll gestaltet, man sollte sich also von der Auflösung nicht abschrecken lassen, schließlich ist es nicht unbedingt und alleine die Grafik, die gute Adventures ausmacht. In Bezug auf die Musik und Sprachausgaben sind beide Teile ausgesprochen hochwertig. Das Spiel ist derzeit nur in englischer Sprache verfügbar, aber alle Dialoge sind sehr deutlich gesprochen und mit etwas Englischkenntnissen sehr gut zu verfolgen. Zudem gibt es auch noch englische Untertitel. Zusätzlich aufgewertet wird das Spiel durch die integrierte Spieleinführung, umfangreiches Bonusmaterial und die Making-Of-Kommentare von Dave Gilbert, die optional aktiviert werden können und immer wieder in den Spielverlauf eingestreut werden. Beide Teile haben ein reines Point&Click-Interface und liegen in Bezug auf den Schwierigkeitsgrad im einfachen Bereich. Die Spieldauer für den ersten Teil beträgt etwa 4 Stunden und für den zweiten Teil nochmals etwa 3 Stunden, wobei beide Teile technisch absolut einwandfrei liefen. Wer etwas Englischkenntnisse mitbringt, sollte sich von der pixeligen Grafik nicht abschrecken lassen und sich diese tolle Reihe nicht entgehen lassen.

English Summary

Already the first two episodes of the Blackwell series are well done adventure games, which made me looking forward to an interesting continuation of the story. The first episode introduces the legacy of the Blackwell family, whose female members are chosen since generations to help the souls of passed away people leaving this world. Each “guidance” could be considered as a separate case, telling an individual story on each person. The second episode is focusing on such cases and unfortunately cannot reach the depth of the first episode in terms of story telling. The graphics in both episodes are very lovingly done and rich in details, even at the quite low resolution applied for the game. As for the music and voice-overs both episodes are of very high standard, with many lovely tunes. Currently the game is only available in English language, however the speech is very clear and easy to be understood with some basic command of English. Further there are also English subtitles available in the game. Some other great features are the integrated game tutorial, extensive bonus material and the interesting making-of comments of Dave Gilbert, which can be activated optionally and are well embedded to the gameplay. Both episodes have a pure point&click interface and the overall level of difficulty is no too high at all, which results apx. 4 hours of gameplay for the first episode and about another 3 hours for the second episode to finish. The game was working well, without any technical problems. Don´t let yourself get scared off by the low resolution graphics, you would miss a great adventure game series.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Wadjet Eye Games
Publisher Wadjet Eye Games
Plattform/Platform PC (CD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating  
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich