Review zu "Dracula: Origin"

Mit der Sherlock Holmes Reihe haben die Entwickler Frogwares gezeigt, dass sie besonders in Sachen Grafik und Rätsel sehr gute Adventures erschaffen können. Leider fehlten bisher jedoch immer die Atmosphäre und eine Story mit Tiefgang, wodurch die Spiele nicht wirklich zu fesseln vermochten. Mit ihrem neuen Titel „Dracula: Origin“ und einer Geschichte basierend auf Bram Stokers Dracula hätten die Entwickler jetzt zumindest eine gute Grundlage dafür, sich in diesem Punkt zu beweisen. Dieses Review wird aufzeigen, ob dieses enorme Potential letztendlich auch wirklich genutzt wurde. Freigegeben ist das Spiel ab 12 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einer Kartonhülle mit Klappdeckel, welche eine DVD-Box mit der Spiel-DVD und einem kleinen Handbuch beinhaltet. Auf ca. 20 Seiten werden darin alle wichtigen Infos zum Spiel vermittelt und für Einsteiger gibt es eine Lösungshilfe über die ersten zehn Minuten des Spieles. Die Installation verlief problemlos und so wurden knapp 2GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Über das Hauptmenü gelangt man in die umfangreichen Optionen, welche insbesondere für die Grafik umfangreiche Einstellmöglichkeiten bieten. Bei einem System im Rahmen der angegebenen Systemanforderungen kann durchaus die maximale Grafikqualität eingestellt werden und das Spiel läuft trotzdem flüssig. Beim Spielstart, aber auch im späteren Spielverlauf (z.B. speichern/laden), wird auf die Spiel-DVD im Laufwerk zugegriffen, welche darum dort verbleiben sollte.

Story und Rätsel

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Abraham van Helsing und die Geschichte startet mit einem erschütternden Brief von Jonathan Harker, einem Freund und Schüler. Daraus geht hervor, dass Harker den Grafen Dracula in seinem Schloss in Transsylvanien aufspüren konnte und dort endgültig vernichten wollte, dabei aber wohl selber den Tod fand. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Offensichtlich hat Dracula ein Bild von Mina, der Verlobten von Jonathan Harker, gesehen und möchte in einem dunklen Ritual seine eigene, längst verstorbene, Geliebte wieder zum Leben erwecken und ihr dazu als sterbliche Hülle den Körper von Mina überlassen. Dracula und seine Diener könnten bereits in London sein und Abraham van Helsing darf keine Zeit verlieren und muss Dracula ausfindig machen, um das Ritual zu verhindern, das Leben von Mina zu retten und Dracula zu vernichten …



Obwohl das Thema schon oftmals umgesetzt wurde, gibt das Werk von Bram Stoker immer noch eine hervorragende Vorlage für ein Adventure mit viel Atmosphäre und einer spannenden Story. In dieser Umsetzung konnte das Potential aber leider nicht voll ausgeschöpft werden und so erscheint die Handlung insgesamt ohne Tiefgang, belanglos, eher wie die Rahmenhandlung für eine Rätselsammlung. Weder die Story selber, noch die Charaktere hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. Sicherlich ist der Handlung mit ihren verschiedenen Schauplätzen interessant und abenteuerlich, aber eine besonders dichte Atmosphäre oder gar Gruselstimmung kommen leider kaum auf. Wie schon gesagt erscheint das Thema eher wie ein Rahmen für viele Rätsel, die sicher eine Stärke von Frogwares sind und mit denen im Spiel auch nicht gespart wurde. Insbesondere Objekt- und Inventarrätsel gilt es viele zu lösen, aber auch einige Logikrätsel sind zu bewältigen. Obwohl die einfachen Rätsel überwiegen, ist der Schwierigkeitsgrad insgesamt als „mittel“ einzustufen, da insbesondere die Logikaufgaben teilweise doch etwas anspruchsvoller sind. Bei manchen Aufgaben gibt es leider nur unzureichende Hinweise und so könnte der Einstieg etwas schwer fallen. Wirklich unlogisch oder unfair ist aber keine der Aufgaben.



Grafik, Sound und Sprachausgabe

Die grafische Gestaltung ist zweifelsohne das Highlight dieses Spieles, in der Frogwares wieder eine ihre Stärken ausspielen. Diesmal wurde allerdings auf 2D-Hintergründe mit 3D-Charakteren gesetzt, was eine goldrichtige Entscheidung war. Die Hintergründe sind sehr hoch aufgelöst und extrem detailreich. Auch Hintergrundanimationen sind vorhanden, allerdings hätte das Spiel davon sicherlich noch deutlich mehr vertragen können, um manche der Locations etwas mehr zu beleben. Schön umgesetzt wurde auch die Animation der Charaktere und Tiere, die sich sehr natürlich bewegen. Lediglich beim Aufnehmen von Objekten wurden keine besonderen Animationen eingebunden. Aufgelockert wird der Spielverlauf gelegentlich durch absolut hochwertige Cutscenes, von denen man in der Anzahl sicherlich gerne noch ein paar mehr gesehen hätte. Musikalisch bietet das Spiel zwar in sich stimmige und anspruchsvolle Musikstücke, von denen es aber über die Spieldauer hinweg einfach zu wenige gibt, sodass sie sich zu oft wiederholen. Die Sprachausgaben sind soweit in Ordnung, allerdings keineswegs herausragend. Besonders die Aussagen bzw. die Betonungen des Hauptakteurs wirken manchmal fast etwas lächerlich und nicht stimmig mit dem Charakter, den man hinter Abraham van Helsing erwartet.




Gameplay

Gesteuert wird aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem sehr einfachen und komfortablen Point&Click-Interface. Durch den Mauscursor wird über einem Hotspot die jeweilige Interaktionsmöglichkeit angezeigt, die dann mit einem Linksklick aktiviert werden kann. Leider kann die Spielfigur nur gehen und nicht laufen, dafür kann über einen Doppelklick eine Location aber schnell verlassen werden. Wer nicht gerne nach Hotspots sucht, der kann sich diese über die Hotspot-Taste (Leertaste) anzeigen lassen. Mit einem Rechtsklick gelangt man in das Inventar bzw. in die Dokumentenmappen, wo Berichte, Gespräche und sonstige Dokumente automatisch abgelegt werden. Generell muss man oftmals auf diese Aufzeichnungen zurückgreifen, um diverse Rätsel im Spiel lösen zu können. Im Inventar werden alle gesammelten Objekte sehr übersichtlich verwaltet und schön dabei ist auch, dass das Inventar immer wieder automatisch entrümpelt wird, sodass man eigentlich nie unnötig viele Gegenstände überblicken muss. Die Speicher- und Ladefunktion ist gelungen und es gibt unbegrenzt Speicherplätze. Insgesamt bietet das Adventure eine Spieldauer von etwa 14-18 Stunden, mitunter stark abhängig davon, wie einem die Logikrätsel liegen. Technisch lief das Spiel absolut einwandfrei und ist somit in dieser Hinsicht vorbildlich.




Zusammenfassung

Leider haben es Frogwares auch diesmal nicht geschafft, mit tiefgehender Story und dichter Atmosphäre zu überzeugen, obwohl das Werk von Bram Stoker dazu eigentlich eine hervorragende Grundlage geboten hätte. Vielmehr haben die Entwickler wieder auf die Rätsel gesetzt, welche für sich gesehen sicherlich sehr gut sind und viel Abwechslung bieten. Das Highlight des Spieles sind zweifelsohne die hochaufgelösten und detailreichen Hintergrundgrafiken, die lediglich etwas mehr Animationen vertragen hätten. Auch die Charakteranimation und die gelegentlichen Cutscenes sind sehr ansprechend. Bei der Hintergrundmusik hätte man sich in der Anzahl etwas mehr der ansonsten sehr guten Musikstücke wünschen können. Die Sprachausgaben sind soweit in Ordnung, aber nicht herausragend. Bei komfortablem Gameplay kann man sich auf eine Spieldauer von etwa 14-18 Stunden einstellen, stark abhängig davon, wie einem die Logikrätsel liegen. Technisch lief das Spiel absolut einwandfrei.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Frogwares
Publisher Deep Silver
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks