Review zu "The Blackwell Convergence"

Mit dieser dritten Episode findet die Blackwell-Reihe nach 2 Jahren nun lange erwartet seine Fortsetzung. Im Mittelpunkt der Handlung stehen wieder Rosangela Blackwell und ihr spiritueller Führer Joey Mallone, welche gemeinsam die umherirrenden Geister verstorbener Menschen aus dieser Welt geleiten sollen. Dabei erkennen sie schnell Zusammenhänge zwischen den tragischen Todesumständen und Geschichten ihrer aktuellen Fälle und müssen der Angelegenheit auf den Grund gehen, wodurch sie schon bald auf eine alte Bekannte treffen. Hinsichtlich der Technik wurde auch bei dieser Episode auf das bewährte Adventure Game Studio (AGS) gesetzt. Das Spiel kommt mit einem umfangreichen Soundtrack und hat englische Sprachausgaben.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kann über die Homepage der Entwickler als Download bezogen werden, ist aber optional und gegen Aufpreis dort auch auf CD-ROM erhältlich. Bei der Downloadversion erhält man eine Installationsdatei mit etwa 157MB, die im Zuge der Installation ca. 316MB an Daten auf die Festplatte installiert. Eine kurze Beschreibung mit den wichtigsten Informationen zum Spiel findet sich danach in Form einer einfachen Textdatei im Programmverzeichnis. Weitere Details zur Spielsteuerung können dann auch im Optionsmenü über „Help“ aufgerufen werden. Zudem verfügt das Spiel über eine integrierte Spieleinführung, die sich automatisch in der ersten Szene des Spieles meldet und dort ggf. auch deaktiviert werden kann. Ebenfalls im Optionsmenü können die Sprachausgaben und Untertitel, beide in Englisch, ausgewählt werden. Zudem bietet das Spiel wieder umfangreiche Audiokommentare von Dave Gilbert, dem Kopf des Entwicklerteams. Diese Kommentare können auch im Optionsmenü aktiviert werden, allerdings ist es sehr empfehlenswert, das Spiel beim ersten Durchlauf ohne diese Kommentare zu spielen. Allerdings sollte man sich diese interessanten Hintergrundinfos auf keinen Fall entgehen lassen und dies rechtfertigt es, das Spiel mindestens noch ein zweites Mal durchzuspielen. Natürlich enthält auch diese Episode wieder reichlich Bonusmaterial, diesmal aber nicht mehr ganz so einfach zu finden. Ich möchte nichts vorwegnehmen, rate aber dazu, die Credits am Ende des Spieles aufmerksam zu verfolgen.

Story und Rätsel

Etwa 6 Monate ist es bereits her, dass Rosangela Blackwell (oder kurz Rosa) von der Bestimmung ihrer Familie und somit auch ihre eigenen erfahren hatte. Die weiblichen Mitglieder der Blackwell-Familie haben die Aufgabe, den umherwandernden Seelen verstorbener Menschen zu helfen, ihren Frieden zu finden und diese Welt endgültig zu verlassen. Ihr ständiger Begleiter seitdem ist Joey Mallone, ein Geist und ihr spiritueller Wegweiser. Die Handlung beginnt mit dem Geist eines gescheiterten Geschäftsmannes, der vor dem Fenster seines zwischenzeitlich leergeräumten Büros schwebt und sich das Leben nehmen will. Rosangela und Joey schreiten ein und überzeugen den armen Mann schließlich, dass er bereits tot ist, wodurch dieser doch noch seinen Frieden findet und aus dieser Welt geführt werden kann. Dieser Einstieg wurde von den Entwicklern sehr bedacht eingesetzt, da es Einsteigern in die Blackwell-Reihe gleich die Beziehung zwischen Rosangela und Joey (auch hinsichtlich des Gameplays) näher bringt. Für Kenner der Blackwell-Reihe hingegen dient dieser Einstieg in die Story sozusagen als direkter Übergang zum Tagesgeschäft, um schnell wieder in die Welt von Rosangela und Joey einzutauchen. Grundsätzlich ist es auf jeden Fall empfehlenswert, die ersten beiden Teile der Reihe zuvor gespielt zu haben, allerdings auch kein absolutes Muss, um diese Episode problemlos durchspielen zu können.

In ihren weiteren Fällen geht es dann etwa um einen verstorbenen Schauspieler oder einen Künstler, der anscheinend Selbstmord beging. Bald schon müssen Rosangela und Joey erkennen, dass es Zusammenhänge zwischen allen aktuellen Fällen gibt. Durch das Ableben dieser armen Personen hatte offensichtlich indirekt immer eine bestimmte Investmentfirma profitiert. Es dauert auch nicht lange und die beiden kommen dem schrecklichen Geheimnis hinter den Todesfällen auf die Spur. Eindeutig ist auch diese Episode wieder sehr story- und somit dialoglastig. Knackige Rätselherausforderungen sucht man vergeblich und man kann das Spiel eher als interaktive Geschichte einstufen, die jedoch trotzdem viel Spielvergnügen bietet. Besonders die vielen (optionalen) Dialoge zwischen Rosangela und Joey sollte man sich nicht entgehen lassen, schon alleine wegen der Kommentare und dem Wortwitz von Joey. Hauptsächlich hat der Spieler investigative Aufgaben zu absolvieren, was in erster Line durch Gespräche mit anderen Charakteren geschieht, in denen auch Gesprächsthemen aus dem automatisch mitgeführten Notizbuch eingeflochten werden können. Wenn man alle Dialoge voll ausschöpft und die Locations sorgfältig untersucht, kann man eine unterhaltsame Spieldauer von knapp 4 Stunden erwarten.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Obwohl die relativ niedrige Auflösung von 640x480 Bildpunkten beibehalten wurde, zeigt die dritte Episode trotzdem eine deutliche Verbesserung in den Grafiken. Hauptgrund dafür ist eine deutlich weichere Darstellung der 2D-Hintergründe und damit verbunden haben die Bilder auch flüssigere Farbübergänge. Die Locations wirken wärmer und nicht mehr so pixelig wie in den ersten beiden Episoden, was man unschwer erkennen kann, wenn man die Screenshots vergleicht. Die Detailanimationen (Vergrößerung des Kopfes) sind wieder sehr gut gelungen, passen zum Inhalt der Dialoge und gefallen insgesamt noch besser als in der ersten Episode. Ein kleiner Schwachpunkt sind hier nur die gelegentlichen, leichten Farbunterschiede zwischen den Spielfiguren und deren vergrößerten Köpfen. Bei Joey fehlt zudem seine Krawatte in der Vergrößerung und er wirkt dort auch wesentlich jünger, als er in anderen Bildern, etwa auch dem Hintergrundbild im Hauptmenü, erscheint. Insgesamt aber ist die grafische Gestaltung dank der liebevollen Umsetzung und trotz der relativ niedrigen Auflösung wieder sehr ansprechend gelungen und vermag einfach zu gefallen. Wer Interesse an Artwork-Bildern und Fotos der Vorlagen für die Locations hat, sollte unbedingt Ausschau nach dem Bonusmaterial im Spiel halten …

Ein wahres Highlight ist der von Thomas Regin beigesteuerte Soundtrack, der im Spiel insgesamt 19 verschiedene Titel umfasst. Der komplette Soundtrack kann übrigens auch separat erworben werden und bietet dann sogar noch 3 Bonustitel. Die abwechslungsreichen Musikstücke haben teilweise Jazz-Einflüsse mit melancholischer Färbung, die perfekt mit der Story und den teils verregneten Locations im Spiel harmonieren und die Atmosphäre unterstreichen. Besonders toll anzuhören sind auch die Stücke mit echten Saxophon-Einlagen. Zudem bietet das Spiel am Ende den gesungenen Titel „I Can See Into Forever“ von Sammy Allen featuring Hypnogaja. Nicht nur der Soundtrack, sondern auch die Sprachausgaben sind von hervorragender Qualität und es gibt keine negativen Ausnahmen. Alle Sprecher sind handverlesen und arbeiteten ganz offensichtlich mit vollstem Engagement. Allen voran Rebecca Whittaker (Rosangela) und Abe Goldfarb (Joey) in den Hauptrollen. Was natürlich sofort auffiel, war die veränderte stimmliche Besetzung von Rosangela, die in der ersten Episode noch mit der markanten Stimme von Sande Chen gesprochen wurde. Grundsätzlich ist so ein Wechsel in den Stimmen natürlich nicht unbedingt erfreulich, weil man ja auch die Stimme als Teil der Person wahrnimmt und sich einprägt. In diesem Fall kann man aber ein Auge zudrücken, da sich die Persönlichkeit von Rosangela im Vergleich zu der ersten Episode klar entwickelt hat, so wirkt sie nicht mehr so sozial unbeholfen. Ihre „neue“ Stimme verleiht dieser Tatsache zusätzlich Ausdruck und in diesem Sinne war die wohl personalbedingte Auswahl für eine Neubesetzung sicherlich ein guter Griff.

Gameplay

Gesteuert wird das Spiel wieder aus der 3rd-Person-Perspektive mit einer reinen Point&Click-Steuerung, wobei diesmal frei zwischen Rosangela und Joey hin- und hergeschalten werden kann, da manchen Aufgaben gemeinsam gelöst werden müssen. Alle wichtigen Stichworte aus Dialogen werden automatisch im Notizbuch von Rosangela mitgeschrieben und können als Gesprächsthemen in neue Dialoge aufgenommen werden. Leider gibt es im Spiel nicht sonderlich viele Gegenstände zu finden und anzuwenden, darum ist das Inventar am oberen Bildschirmrand auch eher nebensächlich. Dafür müssen mehrere Fakten über Internetrecherche auf dem Computer in der Wohnung von Rosangela ermittelt werden. Dabei stößt man auch auf die private Homepage von Rosangela, die man unbedingt auch mal im „realen“ Internet besuchen sollte. Wer übrigens immer schon mal wissen wollte, welchen Status man als Entwickler von Computerspielen erreichen kann, sollte im Spiel mal nach „Dave Gilbert“ (g)oogeln. Wie gesagt, der Schwerpunkt des Spieles liegt beim Zusammentragen von Informationen, was primär über die Dialoge erfolgt, wodurch es im Gameplay keine Besonderheiten zu berichten gibt.


Zusammenfassung

Mit „The Blackwell Convergence“ hat die Blackwell-Reihe eine gute Fortsetzung gefunden, die besonders hinsichtlich der Grafik eine deutliche Verbesserung bringt. Die Hintergründe sind wesentlich weicher mit flüssigeren Farbübergängen und wirken nicht mehr so extrem pixelig wie in den ersten beiden Episoden. Auch die melancholische Story ist wieder spannend, wo die zunächst einzelnen Schicksale mehrerer verstorbener Menschen schon bald eine Verbindung aufweisen und einen größeren Zusammenhang darstellen. Unterstützt wird die Atmosphäre vom hervorragenden Soundtrack, der insgesamt 19 abwechslungsreiche Stücke umfasst und deutliche Jazz-Einflüsse hat. Auch die englischen Sprachausgaben sind von ausgezeichneter Qualität, sehr klar gesprochen und somit einfach zu verstehen. Zudem hat man die Möglichkeit, sich Untertitel einblenden zu lassen. Das Spiel legt wieder Hauptaugenmerk auf die Story und bietet entsprechend auch viele (teils optionale) Dialoge. Im Gegenzug kommen natürlich knackige Rätselaufgaben deutlich zu kurz und man könnte das Spiel eher als interaktive Geschichte einstufen, was aber keineswegs negativ zu werten ist. Wenn man alle Dialoge voll ausschöpft und die Locations gründlich untersucht, kann man von einer unterhaltungsreichen Spieldauer von knapp 4 Stunden ausgehen. Natürlich enthält das Spiel auch wieder interessante Audiokommentare von Dave Gilbert und zudem reichlich Bonusmaterial, welches diesmal aber etwas besser im Spiel versteckt wurde. Der tolle Soundtrack von Thomas Regin ist übrigens auch separat erhältlich und bietet sogar 3 Bonussongs.

English Summary

With „The Blackwell Convergence“ the Blackwell series found a successful continuation, which mainly improved in terms of graphics. The backgrounds are smoother with softer color transitions and therefore appear less pixeled, compared to the first two episodes. The story again is interesting and very atmospheric, where the fates of some single persons passed away recently soon turn out to have some connection, which Rosangela and Joey have to figure out. The melancholic setting is well supported by the outstanding game soundtrack, which provides total 19 songs with big variety, many of them having some jazz influence and saxophone playing. The voice-acting and therefore the English voice-overs are of high quality and very clear, so they are easy to be understood also by non native speakers. Further there is the option for subtitles available in the game. The game is focusing on the story and so there are many (optional) dialogues to listen through. For that reason there are no hard puzzles in the game and the overall level of difficulty is quite low. The game feels more like an interactive story, which is not a bad thing at all. Exhausting all dialogues (also with Joey) and carefully examining all locations it takes about 4 well entertaining hours to complete the game. Of course the game again contains audio commentary from Dave Gilbert, so you have to play the game at least two times in order not to miss anything. Further there is quite some bonus material available, however, this time well hidden in the game (reading the credits helps). By the way, the great soundtrack is also separately available, including 3 bonus songs.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Wadjet Eye Games
Publisher Wadjet Eye Games
Plattform/Platform PC (DOWNLOAD,CD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating  
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich