Review zu "So Blonde"

Nicht zuletzt durch die Beteiligung von Steve Ince, der an Adventureklassikern wie „Beneath a Steel Sky“ oder „Baphomets Fluch“ mitwirkte, hat dieses Adventure schon im Vorfeld viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Im Mittelpunkt steht die Blondine Sunny Blonde, die auf eine abgelegene Insel verschlagen wird und sich dort durchschlagen muss, was natürlich jede Menge an Spaß verspricht. Entwickelt wurde das Adventure von Wizarbox unter Verwendung der Ogre-Engine. Dieser Test berücksichtigt den Patch v1.01, der kurz nach der Veröffentlichung des Spieles erschienen ist. Freigegeben ist das Adventure ab 12 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einem farbenfroh gestalteten Karton mit Klappdeckel, der eine DVD-Box enthält. Darin findet man als kleine Zugabe neben der Spiel-DVD und dem Handbuch noch ein Poster von Sunny Blonde im A3-Format. Das bunt bebilderte und schön gestaltete Handbuch vermittelt auf knapp 40 Seiten sehr ausführlich alle wichtigen Infos zum Spiel. Für Adventureeinsteiger gibt darin es auch eine Anleitung für die ersten Spielminuten. Die Installation des Spieles und des Patches 1.01 verliefen völlig problemlos und so wurden etwa 2,88GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Beim Start des Spieles wird zunächst die DVD im Laufwerk überprüft und dann können die grundlegenden Optionen der Grafik-Engine eingestellt werden (Grafikkarte, Antialiasing, Vsync, Texturqualität und Bildformat). Im eigentlichen Hauptmenü des Spieles können später dann nur mehr die diversen Lautstärken und Gameplay-Optionen eingestellt werden.

Story und Rätsel

Die 17-jährige Sunny Blonde, ihres Zeichens eine Blondine, befindet sich auf einer Karibik-Kreuzfahrt mit ihren Eltern. Mitten während eines kleinen Urlaubsflirts schlägt plötzlich ein Blitz im Schiff ein und Sunny geht dabei über Bord. Einige Zeit später wacht Sunny an einem wunderschönen Sandstrand auf und zunächst kann sie nicht einordnen, was geschehen war. Naiv wie sie ist, denkt sie letztendlich aber einfach, sich in einem karibischen Urlaubressort zu befinden und macht sich auf die Suche nach ihren Eltern. Ihre Gedanken drehen sich dabei schon um eine schöne Hotelanlage mit allem Komfort und vielen Shops, in denen sie einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nachgehen kann. Bald schon trifft sie auf erste Personen auf der Insel, allerdings sind viele von ihnen irgendwie doch seltsam gekleidet und überhaupt, warum gibt es hier Piratenschiffe? Tolles Animationsprogramm denkt sich Sunny und erforscht weiter die Insel, aber weder ihre Eltern noch ein Hotel kann sie finden. Immer tiefer taucht Sunny in die Geheimnisse dieser Insel und deren angeblichen Fluch ein, bis sie irgendwann doch begreifen muss, sich wirklich nicht in einem Urlaubsressort zu befinden. Was bleibt ihr nun also anderes übrig, als sich mit der Situation abzufinden und zusammen mit den Inselbewohnern eine Möglichkeit zu finden, die Insel von dem Fluch zu befreien und so eventuell einen Weg nach Hause zu finden …


Diese Umstände bringen natürlich viele Herausforderungen und Aufgaben für Sunny mit sich, was zu vielen witzigen Situationen im Spielverlauf führt, wobei man sich vieler Blondinen-Klischees bedient, ohne dabei aber geschmacklos zu werden. Der Humor steht ganz klar im Vordergrund und funktioniert auch einwandfrei. An vielen Stellen gibt es auch witzige Anspielungen auf andere Adventures, Filme oder Fernsehserien. Darunter zum Beispiel Sam&Max, Titanic, Lost und natürlich Monkey Island. Letzteres war zweifelsohne eine große Inspiration für dieses Adventure, was alleine schon die Optik des Spieles bestätigt und auch überhaupt nicht schadet. Obwohl die Story insgesamt gesehen keinen wirklichen Tiefgang hat, so sieht man zumindest doch eine klare Entwicklung bei Sunny Blonde, die sich sehr gut zu helfen lernt und auch ein großes Herz dabei zeigt, den Inselbewohnern zu helfen. Für den Spieler gibt es reichlich Aufgaben und Rätsel zu bewältigen, zumeist inventar- oder objektbezogene Rätsel, bei denen der Schwierigkeitsgrad im Bereich einfach bis mittelschwer liegt. Aufgelockert wird das Spiel zudem durch mehrere Minispiele, die sich sehr gut einfügen und überhaupt nicht schwer zu bewältigen sind. Der gesamte Spielverlauf ist nicht streng linear und so hat der Spieler bestimmte Freiheiten in der Reihenfolge der Aufgabenbearbeitung. Leider wird ein unbeschwerter Spielfluss jedoch durch grundlegende Schwächen im Spielaufbau verhindert. An vielen Stellen ist nicht klar ersichtlich, an welcher Stelle im Spiel es nun weitergeht und durch die vielen Locations ist ermüdende Laufarbeit angesagt. Oftmals hilft auch nur endloses Ausprobieren, um an Schlüsselstellen weiter zu kommen.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Ohne Zweifel ist die grafische Gestaltung das absolute Highlight dieses Spieles. Viele liebevoll handgezeichnete Locations stecken voller farbenfroher Details und auch die integrierten Hintergrundanimationen sind wunderschön. Zudem gibt es im Spiel einen Wechsel zwischen Tag und Nacht, was grafisch auch sehr ansprechend umgesetzt wurde. Generell sieht man, besonders in der grafischen Gestaltung, einen starken Einschlag von „Monkey Island“, wovon das Spiel aber nur profitieren kann. Etwas schwächer im Vergleich zu den Hintergrundgrafiken ist die Umsetzung der Charaktere, die zwar grundsätzlich einwandfrei animiert sind, aber noch mehr Details vertragen hätten, insbesondere bei machen Interaktionen. Aufgelockert wird der Spielverlauf durch mehrere Zwischensequenzen (Videos), die in teilanimierten Comic-Strips die Handlung vorantreiben. Diese Sequenzen passen eigentlich sehr gut zum Comic-Stil des Spieles. Klar wären auch vollanimierte Sequenzen schön gewesen, aber auch diese Comic-Strips haben durchaus ihren Reiz. Musikalisch ist das Spiel eher spartanisch bestückt, da wird leider nicht viel Abwechslung geboten und entsprechend wiederholen sich die musikalischen Themen, welche für sich ganz nett anzuhören sind. Anders hingegen sind die umfangreichen Sprachausgaben, die allesamt von ausgezeichneter Qualität sind und hervorragend zu den Charakteren passen. Viele bekannte Namen finden sich in der Liste der deutschen Sprecher und das macht sich auch bezahlt.


Gameplay

Gesteuert werden Sunny und gelegentlich auch zwei weitere Charaktere aus der 3rd-Person-Perspektive mit einer klassischen Point&Click-Steuerung, wobei die Interaktionsmöglichkeiten (gehen, betrachten, nehmen/benutzen, sprechen) durch einen Rechtsklick auf einen der unzähligen Hotspots im Spiel angezeigt werden. Die Tastatur kommt nur an wenigen Stellen und in sehr geringem Umfang zum Einsatz, nämlich meistens dann, wenn eines der vielen Minispiele ansteht. Aber keine Angst, es handelt sich dabei nur um kurze Einlagen, die sehr einfach zu bewältigen sind und wenn man wirklich überhaupt keine Lust dazu hat, können diese Minispiele auch direkt übersprungen wird, ohne dass diese eine Auswirkung auf den Spielverlauf hat. Grundsätzlich sind die Minispiele sehr passend eingesetzt und lockern den gesamten Spielverlauf deutlich auf. Wem diese Spiele übrigens Spaß bereitet haben, der kann sie über den Abschnitt „Bonus“ im Hauptmenü beliebig oft erneut spielen. Das Inventar befindet sich am unteren Bildschirmrand und im Spielverlauf wird Sunny so einige Gegenstände finden, die natürlich bei den vielen Objekt- und Inventarrätseln zum Einsatz kommen. Darüber hinaus gibt es im Spiel noch 4 Bonusgegenstände zu ergattern, die am Ende darüber entscheiden, wieviele verschiedene Endsequenzen im Spiel freigeschalten werden. Wer nicht gerne die Locations nach allen Hotspots absucht oder mal festhängt, kann auf die Hotspot-Taste zurückgreifen, die alle Hotspots anzeigt (zwar nicht immer an der exakt richtigen Stelle, aber den Zweck durchaus erfüllend). Besonders an einer Stelle im Spiel ist diese Funktion enorm hilfreich, da es einen sehr wichtigen Gegenstand gibt, der verdeckt ist und sonst eigentlich eher nur durch einen Zufallstreffer gefunden werden kann, was übrigens im Gameplay nicht so günstig ist und unnötig aufhält.

Da man oftmals keine konkreten Anhaltspunkte bekommt, an welcher Stelle es im Spiel weitergeht, kommen ermüdende Laufwege hinzu, was die eigentlich humorvolle und lockere Atmosphäre etwas trübt. Erschwerend kommt hinzu, dass bei jedem Szenenwechsel ein Ladebildschirm kommt und doch immer einige Sekunden gewartet werden muss. Völlig unverständlich dabei ist auch, warum es nicht zumindest eine Kartenfunktion gibt, obwohl man sich im Spiel eigentlich sogar eine Karte anzeigen lassen kann? Durch diese Schwächen auch im Gameplay wird die Spieldauer unnötig nach oben geschraubt, sodass die 20-25 Stunden Spieldauer in diesem Fall eigentlich nicht so positiv zu werten sind. Technisch lief das Spiel zufriedenstellend aber nicht völlig problemlos, da zwei komplette Abstürze bzw. Aufhänger des Spieles den Spielspaß etwas trübten. Aus diesem Grund sollte regelmäßig gespeichert werden, wobei zu erwähnen ist, dass es auch eine praktische Schnellspeicher-Funktion gibt.


Zusammenfassung

Mit „So Blonde“ ist Steve Ince und dem Team von Wizarbox ein grundsätzlich ansprechendes und humorvolles Adventure gelungen, welches jedoch an Schwächen im Spielaufbau und Gameplay leidet. Oftmals wird dem Spieler keine klare Richtung vorgegeben und es muss durch geduldiges Probieren und Absuchen der vielen Locations die nächste Schlüsselstelle gefunden werden. Erschwert wird dies durch das Fehlen einer Kartenfunktion und die teilweise längeren Ladezeiten zwischen den einzelnen Locations. Dadurch kommt man schnell auf eine Spieldauer von 20 Stunden und mehr, von denen man aber viele Stunden nur durch die Gegend gelaufen ist. Grundsätzlich hätte eine kürzere Spieldauer durch einen besseren Spielaufbau und Verbesserungen im Gameplay dem Spiel wesentlich bessere Noten bescheren können. Glänzen kann das Spiel hingegen mit seiner grafischen Gestaltung, die klar von Monkey Island inspiriert wurde, wovon das Spiel aber nur profitieren kann. Viele unterschiedliche, handgezeichnete Locations strotzen nur so vor Details und die Hintergrundanimationen machen den tollen Eindruck komplett. Auch die Animation der Charaktere ist nicht schlecht, obwohl hier noch Spielraum für Verbesserungen gegeben ist. Musikstücke wurden leider eher sparsam eingesetzt, dafür kann das Spiel mit hervorragenden und optimal passenden Sprechern punkten. Zusammenfassend ist „So Blonde“ ein gutes und empfehlenswertes Adventurespiel, das durch etwas mehr Bedacht der Entwickler beim Spielaufbau und Gameplay durchaus auch ein echter Adventure-Hit hätte werden können.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Wizarbox
Publisher dtp/ANACONDA / Game Homepage
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks mit Patch v1.01 getestet