Review zu "Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper"

Es ist ein interessanter Ansatz, die historisch belegten Hintergründe der Mordserie von “Jack the Ripper” aus dem Jahre 1888 mit der fiktiven Figur des Sherlock Holmes in einer Geschichte zu vereinen. Sowohl hinsichtlich der Zeit als auch des Ortes ihres Wirkens, nämlich London, ist das Aufeinandertreffen der beiden Charaktere durchaus stimmig. Umgesetzt wurde dieses bisher wohl blutigste Adventure rund um Sherlock Holmes wieder in bewährter 3D-Engine, wie auch schon die Vorgänger. Neu hinzugekommen ist die freie Wahl der Spielperspektive, man kann dadurch im Spiel jederzeit zwischen 1st-Person oder 3rd-Person wechseln. Freigegeben ist das Spiel ab 12 Jahren laut USK, hingegen erst ab 16 Jahren entsprechend der PEGI, wobei die die letztere Freigabe angemessener erscheint.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Adventure kommt in einem flachen Karton mit Klappdeckel, der eine DVD-Box beinhaltet. Darin befinden sich die Spiel-DVD und das gedruckte Handbuch. Als Zugabe zur limitierten Erstauflage des Spieles hat der Publisher noch eine DVD mit drei Episoden der Britischen Fernsehserie „The Adventures of Sherlock Holmes“ beigelegt, die durchaus sehenswert sind, besonders im Originalton. Das Handbuch zum Spiel beschreibt auf 27 Seiten ausführlich die Steuerung sowie das Gameplay und beinhaltet darüber hinaus auch noch einige Hintergrundinformationen zur Romanfigur Shelock Holmes und zu den Morden von „Jack the Ripper“. Die Installation der ca. 1,83GB an Daten auf die Festplatte verlief reibungslos. Beim Start des Spieles wird die DVD im Laufwerk überprüft. Im späteren Spielverlauf wird auch beim Speichern bzw. Laden auf die DVD zugegriffen und sie sollte daher unbedingt im Laufwerk gelassen werden. Hat man die DVD nämlich aus Versehen entfernt oder ausgeworfen, hängt sich das Spiel beim Aufruf des Speicher/Lade-Dialoges auf und kann nur über den Taskmanager beendet werden. Das Optionsmenü bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten, insbesondere für die Grafik. Nachdem das Spiel optional auch über die Tastatur gesteuert werden kann, gibt es auch eine einstellbare Tabelle für die Tastenbelegungen in den Optionen.

Story und Rätsel

Die grausamen Prostituierten-Morde von Jack the Ripper im Londoner Bezirk Whitechapel, die sich sehr nahe an den historisch belegten Begebenheiten bewegen, bestimmen primär die Story. Die Ermittlungsarbeiten von Sherlock Holmes und Dr. Watson bauen sich sozusagen um diese belegten Morde herum auf, was natürlich kleine Einschränkungen in der Entfaltung der besonderen Fähigkeiten und eigentlichen Methoden der Romanfigur Sherlock Holmes mit sich bringt. Unabhängig davon ist der Fall zweifelsohne interessant, wenngleich nicht extrem spannend, zumindest in den ersten zwei Dritteln der Spieldauer von etwa 15-20 Stunden. Erst im letzten Abschnitt des Spieles, wo sich die Beweise verdichten und Jack the Ripper kurz vor seiner Verhaftung scheint, kommt dann doch Spannung im Spiel auf. Da Sherlock Holmes nicht im Auftrag der Polizei agiert, ist er eigentlich nicht gerne an den Schauplätzen gesehen. Aus diesem Grund kann er auch nicht unmittelbar nach den Morden ermitteln, sondern muss sich die Mordschauplätze und Opfer anhand diverser Aufzeichnungen vor seinem geistigen Auge veranschaulichen. Folglich bekommt der Spieler auch nicht die verstümmelten Leichen zu sehen, sondern nur Zeichnungen mit Andeutungen der Verletzungen. Dies war mitunter sicherlich ausschlaggebend für eine USK12-Einstufung in Deutschland. Trotzdem vermittelt das Spiel grausame und verstörende Inhalte, nicht unbedingt nur in optischer Form, und darum wäre eine Einstufung ab mindestens 16 Jahren (wie bei der PEGI gehandhabt) meiner Meinung nach wohl angebrachter gewesen.

Im Zuge seiner Ermittlungen trägt Holmes einige Indizien und Fakten zusammen, die anhand einer Tafel in Verbindung gebracht werden müssen, um die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Darum muss man wirklich aufmerksam den Spielverlauf verfolgen und die diversen Dokumente studieren, um hier gezielt agieren zu können. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, über Versuch&Irrtum zu den richtigen Schlüssen zu gelangen, aber das ist ja wohl nicht Sinn der Sache. Darüber hinaus müssen auch manche Anhaltspunkte in Form von kleinen Experimenten nachgestellt und verifiziert werden. So etwa die Auswirkung von Schnitten mit verschiedenen Messern auf Schweineköpfen, um Rückschlüsse über die Auswirkungen auf den menschlichen Körper zu erlangen. Rätseltechnisch bietet das Spiel viel Abwechslung und abgesehen von Dialogrätseln sind alle wichtigen Rätseltypen vorhanden. Dies oftmals aber auf Kosten einer guten Integration der Rätsel in den Spielverlauf. Viele der Rätsel bzw. Aufgaben wirken aufgesetzt, wie etwa das Separieren von Parfums nach guten und schlechten Duftnoten im Auftrag einer Bordellbesitzerin. Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel ist insgesamt mit Bereich „mittel“ anzusiedeln und wirklich harte oder gar unfaire Aufgaben gibt es nicht zu bewältigen. Obwohl die Handlung an manchen Stellen nicht immer logisch ganz nachvollziehbar ist, so ist der Gesamteindruck der Story doch gut und erfreulich ist auch die Tatsache, dass es ein stimmiges und klares Ende des Falles gibt. Gegen Ende des Spieles gibt es übrigens auch einen Verweis auf „Der Hund der Baskervilles“. Vielleicht schon ein Ausblick auf eine der nächsten Folgen der Sherlock Holmes Reihe ?

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Die verschiedenen Locations in London, insbesondere die schmutzige und düstere Gegend Whitechapel, wurden in der 3D-Engine ansprechend umgesetzt, strotzen aber nicht unbedingt vor Details. Die Beleuchtungseffekte und diversen kleineren Hintergrundanimationen sind stimmig. Im Gegensatz zum vorangehenden Teil der Sherlock Holmes Adventures, sind diesmal die Straßen Londons deutlich belebter. Einige Personen, zumeist düstere Gestalten, Straßenhändler oder Prostituierte, tummeln sich in den Gassen von Whitechapel. Trotzdem ist die Anzahl dieser Statisten immernoch überschaubar und wenn man ihnen folgt, erkennt man schnell die vorgegebenen Runden, die sie in den Locations laufen. So trifft man oftmals auf die gleichen Charaktere und es kam einmal sogar vor, dass an einer Location eine Person gleich zweimal vorhanden war, exakt gleich gekleidet und nebeneinander gehend. Vielleicht waren das ja auch eineiige Zwillinge, die sich einfach gleich gekleidet hatten. Aber Scherz beiseite, die Wiederholung der Charaktere fällt einfach auf, ist aber auf der anderen Seite nicht wirklich dramatisch. Der Aufwand und auch die Systemanforderungen wären davon abgesehen unangemessen hoch, um hier hunderte verschiedener Charaktere an den Locations herumlaufen zu lassen. Ohne großen Aufwand besser gelöst werden hätte hingegen die Platzierung der Händler und Musikanten auf den Straßen können, die jeweils feste Positionen einnehmen und nicht durch die Locations wandern. Allerdings wechseln deren Positionen immer wieder und so kann es passieren, dass man eben noch eine Blumenverkäuferin vor sich hatte, sich nur kurz umsieht und plötzlich vor einem Orgelspieler steht. Diese Wechsel sollten nur stattfinden, wenn man eine Location komplett wechselt oder weit genug entfernt ist, sodass der zeitliche Rahmen für das Verschwinden bzw. Erscheinen eines Händlers oder Musikers realistisch erscheint. Die Animation der 3D-Charaktere, sowohl der spielbaren als auch der nicht spielbaren (NPC), erscheint insgesamt etwas steif, ist ansonsten aber einwandfrei. Etwas ungewöhnlich ist der Wechsel des Grafikstils. Grundsätzlich ist das Spiel ja in 3D umgesetzt, aber bei der Darstellung der Opfer wird auf comic-ähnliche Zeichnungen zurückgegriffen und an einer anderer Stelle wurde ein leicht überarbeitetes Foto in das Spiel integriert, alles zusammen irgendwie nicht ganz stimmig. Soundtechnisch bietet das Spiel dezente Hintergrundmusik, teilweise schon aus dem letzten Spiel bekannt. Die Lokalisierung und die deutschen Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität.


Gameplay

Im linearen Spielverlauf müssen abwechselnd Sherlock Holmes oder Dr. Watson gesteuert werden, wahlweise aus der 3rd-Person oder der 1st-Person-Perspektive. Dies ist eine interessante Neuerung, da man fast beliebig die Perspektive wechseln kann und sich so die jeweils bevorzugte Variante aussuchen kann. Passend dazu bietet das Spiel optional auch eine Tastatursteuerung (WASD), kann aber ebenso mit reinem Point&Click-Interface gesteuert werden. Hier gibt es sicherlich unterschiedliche Vorlieben, aber ich persönlich habe die 1st-Person-Perspektive im Spiel bevorzugt, da sich diese besser zum eingehenden Untersuchen der Locations eignet, man besser in das Spielgeschehen eintauchen kann und auch die Performance des Spieles spürbar besser war. Für Genre-Einsteiger bietet das Spiel in den ersten Szenen ein kleines Tutorial, welches zusätzlich zum Handbuch in die Handhabung des Spieles einführt. Bereits untersuchte Hotspots werden über die entsprechende Farbe des Mauscursors signalisiert, wodurch man einen besseren Überblick behält. Wenn man nicht alle Locations nach Hotspots absuchen möchte oder mal festhängt, können über die Hotspot-Taste alle Hotspots angezeigt werden. Manche Gegenstände im Spiel werden übrigens erst sichtbar bzw. können erst aufgenommen werden, wenn sie wirklich benötigt werden. Viele Informationen erhält man über die teils umfangreichen Dialoge, die allerdings nicht verschachtelt sind. Je nach dem Fortschritt im Spielverlauf, können aus einer Liste bestimmte Schlagwörter ausgesucht werden, über die dann gesprochen wird, bevor man wieder zu dieser Themenauswahl zurückgelangt. Um sich schneller zwischen den einzelnen Locations bewegen zu können, bietet das Spiel auch eine Karte. Ein wünschenswertes Feature wäre hier noch die Anzeiger der eigenen Position gewesen, was besonders beim ersten Erforschen der Gassen von Whitechapel durchaus hilfreich gewesen wäre. Über die rechte Maustaste gelangt man in die „Tasche“ von Sherlock Holmes, in der sich neben dem Inventar noch folgende wichtige Funktionen befinden: Mitschrift der Dialoge, Dokumente, Notizen und Tools zum Herleiten von Zusammenhängen bzw. Tathergängen.


Zusammenfassung

Auch mit diesem Abenteuer von Sherlock Holmes, diesmal auf der Jagd nach Jack the Ripper, ist Frogwares wieder ein ansprechendes Adventure gelungen, dass sich im Vergleich zu den letzten Teilen durchaus etwas verbessert hat, insbesondere durch Erweiterungen im Gameplay und den freien Wechsel der Spielperspektive. Die Story, in welcher die fiktive Romanfigur Sherlock Holmes in einem Kriminalfall mit historisch belegten Hintergründen ermittelt, ist stimmig und durchwegs interessant, wird allerdings erst im letzten Spielabschnitt wirklich spannend. Nach einer Spieldauer von etwa 15-20 Stunden mit linearem Spielverlauf findet der Fall dann eine absolut nachvollziehbare und somit auch zufriedenstellende Auflösung. Rätseltechnisch sind fast alle wichtigen Rätseltypen ausgewogen vorhanden und der Schwierigkeitsgrad liegt im mittleren Bereich. Leider wirken manche Rätsel jedoch etwas aufgesetzt und fast schon krampfhaft in den Spielverlauf eingebettet. Ein interessantes Feature sind die Tafeln zum Verknüpfen von Fakten und Festhalten von zeitlichen Abläufen. Über diese Tools müssen die Tathergänge und Verbindungen zwischen den Morden aufgezeigt werden. Dies erfordert natürlich ein aufmerksames Verfolgen des Spielverlaufes bzw. ein sorgfältiges Studieren der Dokumente, um zielgerichtet Schlüsse ziehen zu können. Allerdings muss angemerkt werden, dass an dieser Stelle auch mit der Trial&Error-Methode gearbeitet werden kann, sollte einem ein Hinweis mal entgangen sein. Grafisch bietet das Spiel gewohnte 3D-Locations in ansprechender Umsetzung, die wahlweise aus der 3rd-Person oder der 1st-Person-Perspektive erkundet werden können. Das Spiel kann grundsätzlich über ein reines Point&Click-Interface bedient werden, erlaubt optional aber auch eine Steuerung über die Tastatur. Damit werden praktisch alle Vorlieben bezüglich der Perspektive bzw. der Steuerung abgedeckt und gerade für 3D-Adventures ist dies sicherlich wegweisend. Soundtechnisch bietet das Spiel dezente Hintergrundmusik und gelungene Sprachausgaben im Rahmen einer einwandfreien Lokalisierung. Insgesamt ist das Spiel besonders für Anhänger von investigativen Adventures und natürlich für Fans von Sherlock Holmes empfehlenswert.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Frogwares
Publisher Koch Media
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person & 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click (optional Tastatur)
Altersfreigabe/Rating USK12/PEGI16
Anmerkungen/Remarks