Review zu "Three Cards To Midnight"

Mit diesem Titel, einer Mischung aus Wimmelbildspiel und Adventure, melden sich Aaron Connors und Chris Jones, die kreativen Köpfe hinter der "Tex Murphy"-Reihe, wieder zurück. Allerdings hat dieses neue Spielkonzept wenig mit diesen höchst erfolgreichen Adventures von damals gemeinsam. Der Schwerpunkt liegt klar auf den Elementen von Casual Games, nur mit teilweise etwas anspruchsvolleren Aufgaben und dem Ziel einer wirklich spannenden Story. Die Erwartungen an ein Spiel, hinter dem solch in der Adventureszene bekannte Namen stecken, sind natürlich hoch …

Verpackung, Handbuch und Installation

Getestet wurde das Spiel in der Download-Version mit einer Größe von etwa 220MB. Annähernd gleich viel Platz nahm das Spiel dann auch nach der reibungslosen Installation auf der Festplatte ein. Ein separates Handbuch, etwa in Form eines PDF-Files, ist leider nicht vorhanden, allerdings gibt es im Spiel selber ausführliche Anweisungen, die über das Hauptmenü aufgerufen werden können. Eine Auswahl für Spieloptionen ist nicht vorhanden und entsprechen besteht auch keine Möglichkeit, sich Untertitel im Spiel zu aktivieren. Weiters fällt auf, dass sich das Spiel zwar im Vollbildmodus startet, dabei aber nicht automatisch die Auflösung einstellt und den ganzen Bildschirm nutzt. Darum sollte man vor dem Start des Spieles selber die Bildschirmauflösung unter Windows auf 1024x768 einstellen. Wenn man ein neues Spiel startet, muss man zunächst ein kleines Spielerprofil mit seinem Namen anlegen und dabei den Schwierigkeitsgrad des Spieles (easy, challenge, gamer) anlegen. Die jeweilige Bedeutung ist im Auswahlmenü nochmals genau beschrieben. Die getätigte Auswahl kann übrigens im Spielverlauf nicht mehr geändert werden. Man müsste dazu ein neues Profil anlegen und das Spiel wieder neu beginnen.

Story und Rätsel

Das letzte Ereignis, an welches sich Jess Silloway erinnert, ist das Dinner mit ihrem Freund Daniel, der sie anlässlich ihres 30. Geburtstages ausgeführt hat. Am nächsten Morgen fliegt sie auf die Florida Keys, um dort den Geburtstag mit ihren Eltern auf deren Yacht zu feiern. Eigentlich ist im Leben von Jess alles in Ordnung, aber plötzlich fühlt sie sich irgendwie bedrückt und unwohl. Ist es nur eine kleine Midlife-Crisis oder steckt doch etwas anderes dahinter? Von einem Moment auf den anderen findet sich Jess in einem verschwommenen Raum zusammen mit einem fremden Mann wieder, der auf sie einredet und ihr zu erklären versucht, dass etwas mit ihr geschehen sei und sie ihr Gedächtnis für die letzten Tage oder gar Wochen verloren habe. Er bietet seine Hilfe an und will Jess dabei unterstützen, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen. Anhand von Tarot-Karten, die nach und nach Erinnerungen wecken sollen, tauchen die beiden in die verworrene und düstere Vergangenheit von Jess ein …


Insgesamt werden im Spielverlauf 21 Tarot-Karten abgearbeitet, die in 7 Kapitel mit jeweils 3 Karten aufgeteilt sind. Das zusätzliche 8. Kapitel ist sozusagen das große Finale. Obwohl die Story durchaus spannend und atmosphärisch ist, gelingt es nicht, den Spieler voll in das Spielgeschehen zu integrieren und somit in die Handlung eintauchen zu lassen. Die Verbindung zum Storyinhalt bilden nur sogenannte Schlüsselwörter, die in der Handlung auftauchen. Im Prinzip versteckt sich dazu hinter jeder Tarot-Karte eine abgewandelte Art eines Wimmelbildspieles, bei dem alle Gegenstände angeklickt werden müssen, die in Verbindung zu den jeweiligen Schlüsselwörtern stehen. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene Aufgaben und Rätsel zu lösen, meistens als Abschluss eines Kapitels. Der Schwierigkeitsgrad dieser Rätsel liegt im Bereich einfach bis mittelschwer und teilweise doch etwas über dem Level von anderen Wimmelbild-Spielen. Immer wenn man die richtigen Gegenstände zu einem Schlüsselwort gefunden bzw. ein Rätsel gelöst hat, wird die Geschichte anhand von kleinen Videoclips weitererzählt. Am Ende der Story und somit dies Spieles gibt es nochmals eine wichtige Entscheidung des Spielers und in Abhängigkeit davon werden die alternativen Enden des Spiels getriggert. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dieses Spiel über die etwa 6-8 Stunden Spieldauer durchaus eine spannende Story zu bieten hat, aber durch die fehlenden Interaktionsmöglichkeiten wird der Spieler nicht direkt eingebunden und kann somit nicht wirklich in die Handlung eintauchen.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Hinsichtlich der Grafik präsentiert sich das Spiel eher spartanisch. Die zu durchsuchenden Locations sind praktisch statisch und nur mit minimalen Hintergrundanimationen versehen. Es gibt im Spiel insgesamt 20 Locations, die allerdings jeweils nur eine Bildschirmseite einnehmen. Die etwa 80 vorgerenderten Videoclips für den Storyverlauf sind von akzeptabler Qualität, aber keineswegs herausragend. Davon abgesehen sind die Videos hinsichtlich des Bildformates mit einer Auflösung von nur 600x220 relativ klein. Besser zeigt sich das Spiel in Bezug auf den Sound. Verschiedene kleine musikalische Themen unterstützen die Atmosphäre und Spannung der Story. Auch die Englischen Sprachausgaben sind, zumindest was die Sprecher angeht, gut gelungen. Die Tonqualität ist wahrscheinlich aufgrund einer starken Komprimierung nicht immer optimal. An machen Stellen im Spiel wurden die Stimmen auch bewusst verzerrt, allerdings derart übertrieben, dass man sie kaum noch verstehen kann. Ansonsten wird in sehr deutlichem Englisch gesprochen und man kann trotz der fehlenden Untertitel den Verlauf problemlos verfolgen.

Gameplay

Gesteuert wird das Spiel fast ausschließlich über die Maus. Wie bei Wimmelbildspielen üblich, müssen die gefundenen Gegenstände auf dem Bildschirm einfach angeklickt werden. Der Unterschied bei diesem Spiel ist die Tatsache, dass nur zu den aktuellen Schlüsselwörtern passende Gegenstände oder Begriffe ausgesucht werden dürfen, ansonsten wird dies als Fehler gewertet. Wenn man einmal keine passenden Gegenstände mehr finden kann, gibt es einen „Hint“-Button, der weitere Gegenstände im Bild hervorhebt. Allerdings bewirken sowohl das Nutzen dieser Hilfe als auch das Auswählen von unpassenden Gegenständen den Abzug von Punkten. Wenn man eine gewisse Schwelle überschritten hat, muss das aktuelle Wimmelbild sogar wiederholt werden. Diese Schwellen sind abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad. Bei den wenigen Rätseln im Spiel besteht die Möglichkeit, diese zu überspringen, was allerdings auch Punktabzüge zur Folge hat. Der Spielstand wird im aktiven Profil automatisch gespeichert und entsprechend kann nicht manuell gespeichert werden. Insgesamt gesehen ist das Gameplay eher eintönig und nur die spannende Geschichte bewegt den Spieler dazu, sich weiter durch das Spiel zu klicken.


Zusammenfassung

Three Cards To Midnight tendiert eindeutig zum Casual Game, das sich mit Adventure-Elementen schmücken möchte. Letztere sind aber abgesehen von einer durchaus guten Story und ein paar zumindest etwas anspruchsvollen Rätseln kaum vorhanden. Somit werden sich nur wenige Adventurefans für dieses Spiel begeistern lassen und die Hoffnungen in diesem Lager wurden wohl etwas enttäuscht, obwohl das Spiel natürlich niemals als reines Adventure angepriesen wurde, das muss man klar anmerken. Fraglich ist aber auch, ob reine Casual Gamer mit dem Spiel klar kommen werden und ob es nicht besser ist, sich als Entwickler klar auf eine Gruppe von Spielern festzulegen. Grafisch präsentiert sich das Spiel eher spartanisch mit fast statischen Locations. Die etwa 80 vorgerenderten Videosequenzen sind von akzeptabler Qualität, aber mit einer Auflösung von nur 600x220 etwas klein geraten. Positiv aufgefallen sind die verschiedenen Musikstücke bzw. Ambient-Sounds, welche die Story stimmig untermalen. Die Englischen Sprachausgaben gehen soweit in Ordnung, nur die Tonqualität leidet manchmal unter der starken Komprimierung. Insgesamt bietet das Spiel bei einer Spieldauer von etwa 6-8 Stunden trotz spannender Story ein eher durchwachsenes und eintöniges Spielvergnügen, weil der Spieler aufgrund fehlender Interaktionsmöglichkeiten nicht wirklich in das Spielgeschehen und die tragische Geschichte von Jess Silloway eintauchen kann.

English Summary

Three Cards to Midnight basically is a “hidden objects” casual game, which includes or at least tries to include some adventure game elements, like an interesting story and puzzles. The story definitely is thrilling and so far well told; however, the player does not get immersed to the game, as there are not enough possibilities for interactions. Also the few puzzles available in the game are not very demanding and not really embedded to the story. The overall gameplay is rather monotonous, dividing the game into 7 blocks of each 3 hidden objects locations and solving one puzzle for completing a chapter, before starting the next chapter based on the same gameplay principle. Most adventure gamers will not enjoy playing this mixture of casual game and adventure game. Even though this game was not introduced or released as classical point&click adventure game, adventure fans still might be disappointed, having different expectations, thinking of the names Aaron Connors und Chris Jones as the creative team behind this game. As for the graphics, the game is fair to middling. The 20 hidden objects locations are quite static, containing only a few very simple background animations. The apx. 80 pre-rendered video sequences are of acceptable quality, but with a resolution of 600x220 quite small in size. The musical scores and ambient sounds are working well and supporting the atmosphere of the story. The game provides full English language voice-overs, which are of good quality. There are no subtitles available. It takes about 6-8 hours to complete the game and see one of the multiple endings. Unfortunately the overall gameplay is quite monotonous and there are not enough possibilities for interactions. Therefore the player does not really get immersed to the game and story of Jess Silloway.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Big Finish Games
Publisher Big Finish Games
Plattform/Platform PC (DOWNLOAD)
Perspektive/Perspective 1st-Person / Wimmelbildspiel
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating keine Angabe
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich