Review zu "Alter Ego"

Nach erfolgreichen Titeln wie Black Mirror, Nibiru und Reprobates ist dies das neueste Adventure der tschechischen Entwickler Future Games. Vom düsteren Setting her gleicht das Spiel wohl Black Mirror, es bleibt aber die Frage, ob es sich auch im Gesamteindruck letztlich damit messen kann. Die Verpackung verspricht knackige Aufgaben und Rätsel in einer spannenden Detektivgeschichte mit Horror-Elementen, die sich an 80 Schauplätzen und mit kinoreifen Zwischensequenzen präsentieren soll. Freigegeben ist dieses 3rd-Person-Adventure ab 12 Jahren laut USK-Kennzeichnung.

Verpackung, Handbuch und Installation

Ein Kartonschuber mit Klappdeckel beinhaltet eine DVD-Box, in der sich die Spiel-DVD und ein kleines Handbuch befinden. Dieses vermittelt auf etwa 15 Seiten neben einer Storyeinleitung und einer Vorstellung der beiden spielbaren Charaktere alle wichtigen Informationen zur Handhabung des Spieles. Die Installation des Spieles verlief problemlos und es wurden gut 2GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Beim Start des Spieles wird zwecks Kopierschutz die DVD im Laufwerk überprüft. Bevor man in das eigentliche Hauptmenü gelangt, kann man in einem vorgeschaltenen Einstiegsmenü die Einstellungen der Grafikengine vornehmen. Dabei lassen sich die Auflösung, die Shader-Stufe, das Antialiasing, der Vollbildmodus und die vertikale Synchronisation einstellen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich beim Einstellen der Shader-Stufe auf den Wert 0 im Spiel erhebliche Grafikfehler zeigten. Da das Spiel durchaus anspruchsvoll hinsichtlich der Grafik- und Rechenleistung ist, sollte man hier durch ein paar Versuche die optimalen Einstellungen ermitteln. Es zeigte sich nämlich, dass bei zu hohen Grafikeinstellungen der Mauszeiger sehr träge wurde und auch die Sprachausgaben nicht mehr einwandfrei klangen. Weitere Optionen für das Spiel können dann im eigentlichen Hauptmenü vorgenommen werden. Darunter findet man die Einstellungen für Untertitel, Schatten, Mausgeschwindigkeit und Lautstärken. Ebenfalls über das Hauptmenü gelangt man zu einer Bildschirmseite mit Infos zur Spielsteuerung. Ein Fehler in der aktuellen Version bereitet Schwierigkeiten beim (ersten) Laden eines alten Spielstandes. Nähere Infos zu diesem Thema finden sich im Abschnitt Gameplay.

Story und Rätsel

Alter Ego spielt im Jahre 1894 in der südenglischen Hafenstadt Plymouth. Die Story beginnt zunächst mit zwei separaten Handlungssträngen. Der Spieler schlüpft dabei abwechselnd in die Rollen des Gauners Timothy Moor und des Kriminalbeamten Detective Briscol, deren Wege sich erst später kreuzen sollten. An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass im Handbuch und auf der Spielverpackung von Detective Bristol die Rede ist, im Spiel selber dann aber der Name Detective Briscol zum Einsatz kommt. Leider ein erstes Anzeichen für die schwächelnde Lokalisierung des Spieles. In der Rolle des Timothy Moor befindet man sich auf der Flucht vor der Polizei und muss sich zu einem nächtlichen Treffen mit seinem Kumpel Brian am Friedhof der Stadt durchschlagen, um einen neuen Coup zu besprechen. Die beiden werden am Friedhof aber gestört und müssen flüchten. Genau aber diese Ereignisse am Friedhof bilden die Verbindung zum zweiten und eigentlich gewichtigeren Handlungsstrang. In der Person des gerade neu in Plymouth angekommenen Detective Briscol muss man in einer mysteriösen Reihe von Morden ermitteln. Im Mittelpunkt dabei steht zunächst der von der Bevölkerung verabscheute Sir William, dem als „die weiße Bestie“ nachgesagt wird, grausame Morde begangen zu haben. Allerdings ist Sir William kürzlich verstorben und wurde erst gestern in der Familiengruft am Friedhof beigesetzt, sollte aber noch keine Ruhe finden. Detective Briscol wird nämlich vom örtlichen Priester dringend zum Friedhof gebeten, um die Schändung eben dieser Familiengruft, die sich wohl in der letzten Nacht zugetragen haben muss, zu untersuchen. Als der Detective jedoch feststellt, dass Sir William aus seinem Sarg verschwunden ist und kurz darauf ganz in der Nähe noch die Leiche des Totengräbers findet, nährt dies die Spekulationen über ein grausiges Geheimnis …


Die Erzählweise mit den zwei verschiedenen Charakteren in den separaten Handlungssträngen ist ein sehr interessanter Ansatz. Erst im Kopf des Spielers vereinen sich die Eindrücke aus beiden Handlungssträngen, beeinflusst oder gar voreingenommen durch die Schaudergeschichten, welche die Bevölkerung und Presse verbreiten und laut denen Sir William als blutrünstiges Scheusal sein Unwesen treiben muss. Letztendlich führt die spannende Geschichte in einem linearen Verlauf dann doch zu einem schlüssigen, wenngleich für den Spieler nicht unbedingt zufriedenstellenden, Ende und kommt dabei auch ganz ohne übernatürliche und nicht nachvollziehbare Storyelemente aus. Ist der Spieler im ersten Drittel des Spieles noch mit den vielen neuen Eindrücken beschäftigt, flacht die Spannung im mittleren Teil deutlich ab, um dann im letzten Viertel nochmals richtig an Fahrt aufzunehmen, was fast schon zu viel des Guten ist, da das Ende etwas überstürzt herbeigeführt wirkt. Rätseltechnisch wird der Spieler leider kaum gefordert und der Schwierigkeitsgrad ist durchwegs als einfach zu bezeichnen. Es überwiegen die Inventar- bzw. Objekträtsel gefolgt von dialogbasierenden Aufgaben, wobei die Rätseldichte insgesamt nicht übertrieben hoch ist. Sonstige Herausforderungen, wie etwa Logikaufgaben, Schieberätsel, Actionsequenzen oder zeitabhängige Aufgaben sind nicht vorhanden. Man kann sich über die Spieldauer von etwa 8-10 Stunden also zurücklehnen und sich in aller Ruhe seinen Untersuchungen hingeben, ohne dabei unter Druck zu geraten. Gegen Ende des Spieles kann man durch eine unüberlegte Aktion sterben, was aber nicht weiter schlimm ist, da man automatisch unmittelbar auf den Moment vor der falschen Aktion zurückgesetzt wird.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel mit grundsätzlich sehr schön gestalteten Hintergründen, die allerdings wesentlich mehr Animationen bzw. Lichteffekte vertragen hätten und so etwas zu statisch wirken. Im Vergleich zu Black Mirror wirkt dieses Spiel in dieser Hinsicht also eher spartanisch. Auch die Anzahl der Schauplätze ist nicht ganz so groß, wie die Verpackung mit der Angabe „80 Schauplätze in der Stadt Plymouth und Umgebung“ vermittelt. Es handelt sich eher um 80 verschiedene Einzelansichten, die sich aber auf nur wenige tatsächliche Schauplätze verteilen. Aufgelockert wird der Spielverlauf durch den Einbau von gelegentlichen, vorgerenderten Zwischensequenzen, die in ihrer Qualität absolut einwandfrei sind. Die Animation der Charaktere ist eher durchschnittlich gelungen und es wirken alle Bewegungen etwas steif. Dafür hat man sich aber bemüht, auch besondere Aktionen, wie etwa das Klettern über einen Zaun, durchgehend zu animieren. Ein gravierendes Manko ist die fehlende Lippensynchronität zu den Sprachausgaben. Die Charaktere bewegen ganz unmotiviert ihren Mund, oftmals sogar obwohl sie gar nicht sprechen. Ein weiterer Schwachpunkt bezüglich der Charaktere sind erhebliche Grafikfehler die auftraten, wenn man in den Optionen die Shader-Stufe auf den Wert 0 stellte. An manchen Stellen versanken die Charaktere dadurch im Hintergrund oder umgekehrt waren Charaktere, die eigentlich vom Hintergrund (teilweise) verdeckt sein sollten, voll sichtbar. Soundtechnisch ist das Spiel mit stimmigen Hintergrundgeräuschen und gelegentlich eingespielter, dezenter Musik durchaus ansprechend. Die Sprachausgaben an sich sind von guter Qualität und auch die Sprecher sind passend besetzt. Allerdings hatte es an mehreren Stellen den Eindruck, dass die Sprecher kaum mit dem Kontext des Spieles vertraut waren. In Verbindung mit der generell nicht unbedingt herausragenden Lokalisierung bewirkte dies an mancher Stelle im Spiel etwas Stirnrunzeln. Zudem ist aufgefallen, dass oftmals die Untertitel vom gesprochenen Text stark abwichen. Bei Telefonaten fehlten die Sprachausgaben des Gegenübers komplett und stattdessen sah man nur Platzhaltertexte in den Untertiteln.


Gameplay

Gesteuert werden die beiden Charaktere aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem reinen Point&Click-Interface, das einfach und effizient ist. Bereits betrachtete bzw. bearbeitete und im weiteren Spielverlauf dadurch nicht mehr wichtige Hotspots verschwinden automatisch, was ein praktisches Feature ist. Generell sind die Hotspots sehr einfach auszumachen, trotzdem kann man sich bei Bedarf mit den Hotspottasten „F1“ und „E“ Hilfestellung geben lassen. An zumindest einer Stelle im Spiel gab es einen kleinen Fehler, wo ein Hotspot immer noch angezeigt wurde, obwohl das zuvor dort befindliche Objekt bereits von einem der Charaktere entfernt wurde. Wendet man ein passendes Inventarobjekt über einem Hotspot oder einem anderen Inventargegenstand an, so fängt das Objekt leicht zu leuchten an, wodurch man sich so einige Klicks einsparen kann. Das in der Regel nicht sonderlich prall gefüllte Inventar befindet sich am unteren Rand des Bildschirmes. Insgesamt ist das Gameplay teilweise etwas eintönig, da die besonderen Herausforderungen oder knackigen Rätsel fehlen. Leider hat sich im Hauptmenü ein Fehler bezüglich des Ladens von Spielständen eingeschlichen. Nachdem man das Spiel gestartet hat und einen alten Spielstand zum Laden angeklickt hat, verbleibt man im Hauptmenü, ohne dass der Spielstand geladen wurde. Erst ein erneutes Laden des Spielstandes führt zunächst zur an dieser Stelle unsinnigen Abfrage „Neues Spiel starten?“ und erst dann zum eigentlichen Spielstand zurück. Darüber hinaus ist der Umgang mit dem Speicher-/Lademenü etwas umständlich, da man immer ganz nach unten zum letzten Spielstand scrollen muss. Um das Spiel uneingeschränkt genießen zu können, empfiehlt es sich, auf den ersten Patch zu warten, der hoffentlich die diversen Fehlerchen behebt.


Zusammenfassung

Alter Ego erzählt in zwei zunächst parallelen Handlungssträngen mit linearem Verlauf eine spannende Detektiv- bzw. teilweise Gruselgeschichte, die letztendlich zu einem schlüssigen Ende kommt, ohne dabei übernatürliche und nicht nachvollziehbare Storyelemente in Anspruch zu nehmen. Grafisch präsentiert sich das Spiel mit schön gestalteten Hintergrundgrafiken und vorgerenderten Videosequenzen, schwächelt aber hinsichtlich der Hintergrund- und Charakteranimationen. Darüber hinaus zeigten sich bei einer bestimmten Grafikeinstellung erhebliche Grafikfehler. Die gelegentlich eingespielten Hintergrundgeräusche und die dezente Musik sind stimmig und tragen zur Atmosphäre bei. Auch die Sprecher an sich sind gut ausgewählt, allerdings hat es an mehreren Stellen den Eindruck, dass die Sprecher nicht mit dem Kontext vertraut waren. Zudem gibt es keinerlei Lippensynchronität bei den Sprachausgaben. Generell muss auch angemerkt werden, dass die Lokalisierung nicht unbedingt herausragend ist, was viele kleine Unstimmigkeiten belegen. Die spielerische und rätseltechnische Herausforderung ist nicht sonderlich hoch und so erlebt man nach ca. 8-10 Stunden Spielzeit bereits das Ende der Geschichte. Insgesamt gesehen ist Alter Ego ein durchaus spielenswertes Adventure, das aber weit von der Qualität eines „Black Mirror“ entfernt ist. Um das Spiel ohne die diversen kleinen Fehlerchen voll genießen zu können, empfiehlt es sich, den ersten Patch abzuwarten.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Future Games
Publisher bitComposer Games
Plattform/Platform DVD(CD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks keine