Review zu "Black Sails – Das Geisterschiff"

Nach humorvollen Adventures wie Ankh oder Jack Keane wagten sich die Entwickler von Deck13 nun mal an einen ernsteren Titel mit düsterer und beklemmender Atmosphäre. Die Angaben auf der Verpackung des Spieles versprechen eine cineastische Präsentation mit aufwändigen 3D-Grafiken, einen packenden Soundtrack und dazu die Synchronstimmen bekannter Hollywood-Schauspieler. Technisch umgesetzt wurde das Spiel wieder auf dem bewährten PINA3-System von Deck13 in Verbindung mit OGRE3D und PhysX. Freigegeben ist das Adventure ab 12 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Verpackt ist Black Sails in einem flachen Karton mit Klappdeckel, welcher die DVD-Box mit der Spiel-CD und dem Handbuch beinhaltet. Schon ein Blick auf die Daten der Spiel-CD (nur rund 350MB ohne die DirectX-Bibliotheken) lässt vermuten, dass dieses Spiel nicht sonderlich üppig ausgefallen ist, was den Umfang und somit die Spieldauer angeht. Zunächst aber ein Blick in das gedruckte Handbuch, welches auf 14 Seiten ausführlich alle wichtigen Infos zum Spiel vermittelt. Die Installation des Adventures verlief reibungslos und es wurden knapp 600MB an Daten auf die Festplatte übertragen bzw. dorthin entpackt. Beim Start des Spieles wird noch kurz die CD im Laufwerk überprüft, bevor man in das Hauptmenü gelangt, das mit atmosphärischer Musik bereits auf das Abenteuer einstimmt. In den Spieloptionen lassen sich bei Bedarf die Auflösung, das Antialiasing, die Gammakorrektur, die verschiedenen Lautstärken, die Untertitel sowie die optionale Hotspot-Hilfe einstellen. Trotz sehr hoher Grafikeinstellungen lief das Spiel angenehm flüssig, also ruhig zuerst mal mit höheren Einstellungen ausprobieren, reduzieren kann man immer noch.

Story und Rätsel

Black Sails erzählt die Geschichte von Anna und Lex, die im Januar 1884 als einzige den Untergang eines Schiffes überleben. Fast schon hoffnungslos treiben sie – ein Stück Holz fest umklammernd – stundenlang auf hoher See, als sie am Horizont ein Segelschiff im Nebel erblicken. In der Hoffnung auf Hilfe steuern sie auf das Schiff zu und schaffen es, an Bord zu gelangen. Zu ihrem Entsetzen müssen sie jedoch feststellen, dass dieses große Segelschiff menschenleer ist und bald schon werden sie Zeugen und Teil eines düsteren Geheimnisses …

Das Adventure versteht es hervorragend, eine spannende Geschichte in düsterer Atmosphäre zu vermitteln und spart dabei nicht mit Gruselelementen und kleinen Schreckmomenten. In der Rolle von Anna muss der Spieler das verlassene Schiff erkunden und erfährt so, teilweise auch innerhalb spielbarer Visionen, was wirklich mit der Mannschaft geschah. Dabei hat der Spieler verschiedenste Rätsel zu lösen, die überwiegend objekt-, inventar- und dialogbasierend sind und sich sehr gut in den Spielverlauf einbetten. Der Schwierigkeitsgrad dieser Rätsel liegt durchgehend im Bereich „einfach“ und es gibt keine unlogischen oder unfairen Aufgaben zu lösen. Grundsätzlich ist der Storyverlauf linear, lediglich am Ende entscheiden verschiedene Dialogoptionen über den Ausgang der Geschichte. Der größte Wermutstropfen ist die extrem kurze Spieldauer von nur 4 Stunden für erfahrene Adventurespieler. Allerdings muss festgehalten werden, dass sich das Spiel zumindest über diese 4 Stunden als hervorragendes Adventure präsentiert.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Basierend auf der bewährten Grafik-Engine OGRE bietet das Spiel gelungene 3D-Grafiken, bei der sowohl die Hintergründe als auch die Charaktere grundsätzlich gefallen, allerdings hätten die Charaktere hinsichtlich der Gesichtsausdrücke durchaus noch etwas mehr Feinarbeit vertragen. Weiters werden viele der Animationen bei besonderen Tätigkeiten mit Schwarzblenden umgangen. Das Intro des Spieles besteht aus einer schön gestalteten Abfolge von gezeichneten Bildern, die teilweise auch animiert sind. Im weiteren Spielverlauf wird dann voll auf die 3D-Darstellung gesetzt, in der auch die Zwischensequenzen und tollen Kamerafahrten umgesetzt wurden, wobei die Kamerafahrten teilweise nicht unerheblich als Hinweise zur Lösung von Rätseln dienen. Soundtechnisch überzeugt das Spiel mit stimmiger Hintergrundmusik und einer tollen Geräuschkulisse, die einen wesentlichen Teil der Atmosphäre ausmacht. Weiters hervorzuheben sind die hervorragenden Sprachausgaben, die exakt die jeweilige Situation und Stimmung der Charaktere wiedergeben. Zumindest an einer Stelle fehlte leider eine Sprachausgabe und es wurde in den Untertiteln der Fehlercode „MISSING: 0x4C539794“ ausgegeben, aber das ist ein unerheblicher Fehler, der sicherlich mit einem Patch zu beheben ist.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem reinen Point&Click-Interface, wobei alle Aktionen über die linke Maustaste gesteuert werden. Über den jeweiligen Hotspots zeigt der Mauscursor die mögliche Interaktionsmöglichkeit. Die Hotspots sind einfach auszumachen und wenn man trotzdem mal nicht weiterkommt, dann kann man sich über die optionale Hotspot-Hilfe alle Hotspots im aktuellen Bild anzeigen lassen. Als weitere Unterstützung für den Spieler führt das Spiel auch automatisch eine Liste über offene und erledigte Aufgaben. Da der Schwierigkeitsgrad des Spielers allerdings nicht besonders hoch und der nächste nötige Schritt eigentlich immer klar ist, wird man diese Hilfefunktionen kaum in Anspruch nehmen müssen. Das Speichern und Laden der Spielstände ist übersichtlich gestaltet und sehr einfach zu handhaben, lediglich eine Schnellspeicherfunktion wäre noch wünschenswert gewesen. Technisch lief das Spiel abgesehen von einem einmaligen, kompletten Aufhänger absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Mit Black Sails haben die Entwickler von Deck13 nach humorvolleren Spielen wie Ankh oder Jack Keane den Schritt hin zu einem ernsten Setting gewagt und dies sehr ansprechend umgesetzt. Die spannende und düstere Geschichte erzählt von Anna und Lex, die als einzige Überlebende eines Schiffsunterganges an Bord eines menschenleer auf dem Ozean treibenden Segelschiffes gehen. Optisch bietet das Spiel detailreich gestaltete Locations in flüssiger 3D-Grafik und auch die Charaktere gefallen durchaus gut, hätten aber noch etwas mehr Feinschliff besonders bei den Gesichtsanimationen vertragen. Soundtechnisch unterstützt die eindrucksvoll umgesetzte Geräuschkulisse die beklemmende Atmosphäre an Bord des verlassenen Schiffes, aber auch die Musikstücke sind stimmig und tragen ihren Teil dazu bei. Hervorragend gelungen sind die Sprachausgaben, die allesamt nahezu perfekt die Stimmung der Charaktere in den jeweiligen Situationen vermitteln. Die Aufgaben für den Spieler bestehen überwiegend aus Objekt-, Inventar- und Dialogrätseln, wobei sich der Schwierigkeitsgrad durchgehend im Bereich „einfach“ bewegt, wodurch sich das Spiel auch bestens für Genreeinsteiger anbietet. Ein großer Wermutstropfen und zugleich der schwerwiegendste Kritikpunkt am Spiel ist die extrem kurze Spieldauer von nur 4 Stunden für erfahrene Adventurespieler. Während dieser kurzen Spieldauer präsentiert sich Black Sails jedoch als hervorragendes Adventure, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Deck13
Publisher Astragon
Plattform/Platform PC (CD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks keine