Review zu "Rhiannon – Geister der Vergangenheit"

Ursprünglich trug die deutschsprachige Version des Spieles den Titel „Rhiannon – Fluch der vier Zweige“, aber im Zuge der Veröffentlichung der Premium Edition des Adventures wurde der Titel auf „Rhiannon – Geister der Vergangenheit“ geändert. Für diese Premium Edition wurde das Spiel überarbeitet und mit diversen Komfort- und Hilfefunktionen versehen. Entwickelt wurde das 1st-Person-Adventure von den Arberth Studios und verspricht zumindest auf der Verpackung spannende Grusel-Atmosphäre und eine mystische Story mit mehreren Wendungen.

Verpackung, Handbuch und Installation

Als Verpackung dient ein Karton mit Klappdeckel, der eine DVD-Box mit der Spiel-DVD und dem gedruckten Handbuch beinhaltet. Letzteres vermittelt neben den Hintergründen zur Story ausführlich auch alle wichtigen Infos zur Installation und zur Steuerung des Spieles. Die Installation verlief problemlos und es wurden etwa 905MB an Daten auf die Festplatte übertragen. Laut Handbuch benötigt das Spiel DirectX 9.0c und wenn man diese Software nicht installiert hat, muss man sich diese Software auf der Homepage von Microsoft selber besorgen. Beim Starten des Spiels erscheint ein kleines Menü für die Einstellung der Grafik- bzw. Soundkarte, was für die verwendete Wintermute-Engine eigentlich typisch ist. Im Hauptmenü des Spieles gibt es abgesehen von der Lautstärke dann auch keine weiteren Optionen mehr.

Story und Rätsel

Die Story des Spieles basiert auf dem „Mabinogion“, einer Sammlung von Walisischen Legenden, die sich in vier verschiedene Zweige aufteilen (darum hatte das Spiel ursprünglich auch den Titel „Fluch der vier Zweige“). Die im Spiel erzählte Geschichte dreht sich um eine Frau namens Rhiannon, die einst auf dem Anwesen „Ty Pryderi“ lebte. Inzwischen sind viele Jahre vergangen und das Anwesen hat meistens leer gestanden. Als aber die junge Familie Sullivan mit ihrer 15-jährigen Tochter Rhiannon dort einzieht, regt sich eine uralte und böse Kraft wieder. Rhiannon wird von schrecklichen Träumen und Visionen heimgesucht und befürchtet, bald ihren Verstand zu verlieren. Ihre Eltern bemerken nichts Ungewöhnliches und es dauert lange, bis sie endlich verstehen, dass es Rhiannon wirklich schlecht geht und sie hier weg muss. Während der Abwesenheit der Familie soll der Housesitter Chris auf das Haus aufpassen, in dessen Rolle der Spieler schlüpft. Schon ein Brief der Familie deutet an, dass etwas mit dem Anwesen nicht stimmt und nach ersten mysteriösen Ereignissen beschließt Chris, dem Treiben auf den Grund zu gehen. Bald schon findet er Hinweise darauf, dass in den Jahren davor auch zwei andere Frauen mit dem Namen Rhiannon hier lebten, jedoch unter ungeklärten und rätselhaften Umständen den Tod fanden …

In der Rolle von Chris muss der Spieler nun das Anwesen durchsuchen und Hinweise auf das dunkle Geheimnis zu finden, um am Ende den Fluch zu brechen. Hauptaufgabe dabei sind das Auffinden von bestimmten Gegenständen, das Studieren von Dokumenten und die richtige Anwendung magischer Gegenstände. Der Schwierigkeitsgrad des Spieles ist durchaus anspruchsvoll, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass viele Rätsel sehr abstrakt und nicht immer wirklich naheliegend oder logisch sind. Zudem benötigt man sehr viel Geduld beim wiederholten Durchsuchen des Anwesens, wobei man sich stets merken sollte, wo man bestimmte Gegenstände gesehen hat, da man diese erst aufnehmen kann, wenn man sie im Spiel benötigt. Dies erzwingt unnötige Laufarbeit und dafür gibt es bereits bessere Ansätze (beispielsweise das Merken eines Gegenstandes in Form eines Inventareintrages). Grundsätzlich ist die Story durchaus interessant und bietet viel Potential, das aber nicht annähernd ausgeschöpft wurde. Das Spiel vermittelt leider kaum Spannung und auch sehr wenig Atmosphäre, zumindest aber genug, um den Spieler zu motivieren, die anstehenden Aufgaben anzugehen. Trotzdem gibt es hier wesentlich bessere Vertreter (z.B. „Scratches“ oder „Barrow Hill“), die wirklich für Gänsehaut und eine dichte Atmosphäre sorgen. Aufgrund der anspruchsvollen und nicht immer ganz klaren Aufgaben sollte man von einer Spieldauer von mindestens 15 Stunden aufwärts ausgehen, was für manche Spieler durchaus zu einer Geduldsprobe werden könnte.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel eher durchschnittlich, mit veralteter Technik und starren Ansichten aus der 1st-Person-Perspektive. Zudem wirken die Locations sehr leblos, da sie kaum Hintergrundanimationen beinhalten. Abgesehen von wenigen Geistern gibt es keine Charaktere und folglich auch keine zu beurteilenden Charakteranimationen im Spiel. Vereinzelte im Spielverlauf eingebaute Zwischensequenzen sind primär aus den Locations gerenderte Videos und auch nicht unbedingt berauschend. Die größte Schwachstelle des Spieles ist jedoch der Sound. Dieses ausschlaggebende Instrument zum Erzeugen von Spannung, selbst wenn es nur gelegentliche Geräusche sind, bleibt in diesem Spiel praktisch ungenutzt. Zwar sind gelegentlich Musikstücke und Geräusche vorhanden, die aber praktisch keine Wirkung oder gar Atmosphäre erzielen. Da man im Spiel auf keine (lebenden) Charaktere trifft, gibt es keine Dialoge und entsprechend auch keine Sprachausgaben. Lediglich in der Einleitung und am Ende des Spieles werden Schriftstücke von zwei Sprechen in einwandfreier Qualität vorgetragen.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 1st-Person-Perspektive, wobei man sich in Sprüngen zwischen den Orten mit starrer Ansicht bewegt. Schon relativ früh im Spiel kann man den Großteil der Locations betreten und zur schnelleren Navigation bietet das Spiel eine Kartenfunktion. Haupttätigkeit im Spiel ist das Aufsuchen, Sammeln und Anwenden von Gegenständen, wozu es am oberen Bildschirmrand ein stets prall gefülltes Inventar gibt. Das Spiel besteht aus 5 Kapiteln, die im Prinzip immer nach einem ähnlichen Schema ablaufen. Ein Schriftstück mit der übergeordneten Aufgabe ausfindig machen, alle für die Aufgabe benötigten Gegenstände finden und diese dann für den Abschluss korrekt kombinieren. Als roter Faden dient dabei ein kleines Journal, in dem die aktuellen Aufgaben automatisch eingetragen und nach der Erledigung durchgestrichen werden. Etwas unpraktisch ist dabei nur, dass man beim Öffnen dieses Journals immer auf der ersten Seite landet und zunächst wieder über alle bereits erfüllten Aufgaben blättern muss. Ebenfalls ungünstig ist die Platzierung des Buttons für das Spielmenü, der sich etwas zu nah am Scoll-Icon für das Inventar befindet. Dadurch landet man mehrmals ungewollt im Spielmenü. Apropos Spielmenü, dort befindet sich auch die Speicher- und Ladefunktion. Natürlich sollte man gelegentlich den aktuellen Spielstand abspeichern, allerdings wird auch dies zur Geduldsprobe. Je weiter man im Spielverlauf vorangekommen ist, desto länger dauert das Abspeichern. Gegen Ende des Spieles sogar mehr als 6 Minuten (wohlgemerkt Minuten, nicht Sekunden). Dies aber auf einem System, das deutlich über den auf der Verpackung angegebenen Systemanforderungen liegt.


Zusammenfassung

Das Adventure “Rhiannon – Geister der Vergangenheit“ hat mit den Legenden aus dem „Mabinogion“ eigentlich eine hervorragende Grundlage für ein spannendes und atmosphärisches Adventure. Leider kann dieses enorme Potential aber nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft werden und unterm Strich bliebt ein durchschnittliches 1st-Person-Adventure ohne Spannung und mit wenig Atmosphäre. Besonders der Sound, ein ausschlaggebendes Instrument zum Erzeugen von Spannung, wurde kaum eingesetzt und auch grafisch präsentiert sich das Spiel durchschnittlich, mit veralteter Technik. Zumindest die Rätsel sind anspruchsvoll, wenngleich etwas zu abstrakt und nicht immer logisch. Über die Spieldauer von 15 Stunden aufwärts können die Aufgaben durchaus auch zur Geduldsprobe werden. So aber kommen zumindest geduldige Rätselfans, die weniger Wert auf Spannung oder eine gute Inszenierung legen, auf ihre Kosten. Technisch lief das Spiel einwandfrei, lediglich die Dauer beim Abspeichern (mehrere Minuten) erscheint extrem hoch.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Arberth Studios
Publisher Prime Games / bhv
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks keine