Review zu "Baron Wittard"

Der vollständige Name dieses 1st-Person-Adventures von Wax Lyrical Games ist „Baron Wittard - Das dunkle Geheimnis von Utopia“ (Originaltitel „Baron Wittard - Nemesis of Ragnarok“). Die Verpackung verspricht ein gruseliges Adventure mit packendem Plot, überraschenden Wendungen und nicht-linearem Gameplay. Ob das Spiel diesen Angaben gerecht wird, soll unser Review klären. Publisher des Spieles ist Iceberg Interactive, der das Adventure voll lokalisiert im deutschsprachigen Raum veröffentlicht hat. Freigegeben ist das Spiel ab 12 Jahren laut USK-Kennzeichnung.

Verpackung, Handbuch und Installation

Verpackt ist das Spiel in einer einfachen DVD-Box, in der sich die Spiel-DVD und das gedruckte Handbuch befinden. Letzteres vermittelt auf etwa 14 Seiten ausführlich alle nötigen Informationen zur Installation, zur Story und zur Spielsteuerung. Insgesamt ca. 2,38GB an Daten wurden im Zuge der reibungslos verlaufenden Installation auf die Festplatte übertragen. Dabei muss auch eine Serialnummer eingegeben werden, die auf der Rückseite des Handbuches abgedruckt ist. In den Spieloptionen ist neben der Aktivierung der Untertitel noch die Drehgeschwindigkeit (360°-Rundumblick) einstellbar. Das Spiel benötigt den „DX Studio Player“, der automatisch mit den Spiel installiert wird. Leider wird dieser dann bei der De-Installation des Spieles nicht mehr automatisch entfernt und muss manuell de-installiert werden.

Story und Rätsel

Das Setting für das Adventure bildet das verlassene und zunehmend verfallende Bauwerk „Utopia“ des exzentrischen Architekten Baron Horatio Wittard, der inzwischen leider verstorben ist. Aufgrund statischer Mängel konnte dieses gigantische Bauwerk mit unzähligen Appartements, eigenem Schwimmbad, Museum, Restaurant, Freizeitanlagen, Kinderparadies, Krankenstation uvm. nicht mehr eröffnet werden. Zudem ranken sich verschiedene Gerüchte um das Gebäude, in denen das Verschwinden von Menschen in Zusammenhang damit gebracht wird. In der Rolle einer jungen Reporterin dringt man in das eigentlich abgeschlossene Gebäude ein, um Bilder für eine Reportage zu machen. Bald schon gerät man in Kontakt mit dem Geist von Baron Wittard, der durch ein geheimnisvolles Amulett spricht und Anweisungen gibt, um ein unheilvolles Ereignis zu verhindern. Dazu erhält man den Auftrag, im Bauwerk insgesamt 10 verschiedene Runensteine ausfindig zu machen und mit den jeweils geeigneten Geräten, die Baron Wittard selbst gebaut und dort hinterlassen hat, in Energie umzuwandeln. Damit schafft man die Grundlage, dem bösen Treiben eines im Gebäude gefangenen Lichtwesens ein Ende zu setzen. Im Prinzip besteht das Spiel aus dem Durchsuchen des Gebäudes und dem Lösen von verschiedenen Rätseln, deren Schwierigkeitsgrad sich durchaus im mittleren bis teilweise sogar anspruchsvollen Bereich befindet. Zwar sind die Rätsel abwechslungsreich, aber überwiegend sehr einfallslos, mit vielen bekannten Aufgaben (z.B. Türme von Hanoi oder Schieberätsel). Da sich über das gesamte Gebäude verstreut und teilweise ohne offensichtlichen Zusammenhang Hinweise finden, empfiehlt es sich, stets Papier und Bleistift für Notizen bei der Hand zu haben. Leider werden das Lösen der Rätsel und die Geduld des Spielers letztendlich nicht ausreichend belohnt, da das Spiel keinerlei Spannung oder überraschende Momente bietet. Insgesamt ist das Spiel mehr eine Rätselsammlung und versprüht über die Spieldauer von etwa 15 Stunden kaum Atmosphäre oder gar Gruselstimmung.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Die grafische Gestaltung des Spieles ist durchaus gelungen und ansprechend, wenngleich nicht herausragend. Die weich scrollenden 360°-Rundumsichten gefallen gut und sind detailreich vorgerendert, hätten aber mit Hintergrundanimationen noch besser wirken können. Eingeleitet wird das Spiel von einer Videosequenz, in der in Realfilm die Anfahrt zu Utopia gezeigt wird. Auch das Outro des Spiels ist als Realfilm umgesetzt, sonstige nennenswerte Zwischensequenzen gibt es im Spiel jedoch nicht. Soundtechnisch bietet das Spiel gute Hintergrundmusik und Soundeffekte, die alleine allerdings nicht für die nötige Atmosphäre sorgen können. Die gelegentlichen Sprachausgaben sind von guter Qualität. Schade eigentlich, dass trotz ansprechender Grafiken und stimmigem Sound das Spiel keine dichte Atmosphäre vermitteln kann. Mit einer besseren Story, kleinen Zwischensequenzen und Überraschungseffekten hätte man mit Sicherheit noch viel mehr aus dem Material machen können. Hier zeigt sich die mangelnde Erfahrung der Entwickler, andererseits gäbe es eigentlich mehrere sehr gute Adventures mit ähnlichem Setting als Vorbild.

Gameplay

Als Spieler in der Rolle einer jungen Reporterin durchwandert man die verschiedenen Bereiche und Räume von Utopia aus der 1st-Person-Perspektive, wobei man sich immer in Sprüngen von Punkt zu Punkt bewegt. Dort hat man dann jeweils eine 360°-Rundumsicht und kann den Blick auch nach oben oder unten richten. Die Drehgeschwindigkeit dafür ist übrigens in den Spieloptionen individuell einstellbar. Über die rechte Maustaste kann zudem der Steuerungsmodus gewechselt werden. Es gibt dabei einen starren Mauscursor, der immer fest in der Bildschirmmitte verbleibt und jede Bewegung der Maus hat eine direkte Drehbewegung zur Folge. Dieser Modus eignet sich zum Erkunden neuer Räume. Im zweiten möglichen Modus wird der Mauscursor gelöst und kann direkt mit der Maus bewegt werden, was sich für die Interaktion mit Hotspots und dem Inventar anbietet. Etwas unglücklich dabei ist, dass sich der Mauscursor im Vergleich zum normalen Aussehen über Hotspots kaum ändert, was unnötig zusätzliche Aufmerksamkeit fordert. Das Inventar findet sich am unteren Bildschirmrand, ist aber praktisch fast überflüssig, da es abgesehen vom Amulett und den 10 Runensteinen kaum etwas einzusammeln bzw. anzuwenden gibt. Zur schnelleren Navigation bietet das Spiel eine komfortable Kartenfunktion, über die man direkt zwischen den verschiedenen Räumen in Utopia wechseln kann, sofern man diese bereits erkundet hat. Laut der Beschreibung auf der Verpackung hat das Spiel ein nicht-lineares Gameplay, was jedoch nur so zu verstehen ist, dass man die Rätsel nicht in fester Reihenfolge lösen muss. Abhängig von der letzten Aktion im Spiel gibt es dann zwei unterschiedliche Endsequenzen, die sich primär aber nur über den gesprochenen Text unterscheiden. Generell wird der Spieler zu wenig geführt und durchsucht manchmal eher planlos die Locations, was die Spieldauer unnötig in die Höhe treibt. Der aktuelle Spielstand kann jederzeit abgespeichert werden, allerdings stehen dazu insgesamt nur 8 Speicherslots zur Verfügung.


Zusammenfassung

Das 1st-Person-Adventure „Baron Wittard - Das dunkle Geheimnis von Utopia“ ist ein eher durchwachsenes Spiel und man erkennt klar, dass den Entwicklern Wax Lyrical Games noch deutlich an Erfahrung fehlt. Besonders hinsichtlich der Story und Atmosphäre präsentiert sich der Titel sehr schwach und verkommt eher zu einer interaktiven Rätselsammlung mit abwechslungsreichen, teilweise anspruchsvollen, aber insgesamt einfallslosen Rätseln ohne Innovationen. Einen „packenden Plot mit überraschenden Wendungen“ sucht man vergeblich. Lediglich hinsichtlich Grafik und Sound zeigt sich das Spiel durchaus ansprechend, allerdings schaffen es diese Elemente alleine nicht, für die nötige Atmosphäre zu sorgen. Somit verbringt man die ca. 15 Stunden Spieldauer damit, die verschiedenen Rätsel zu suchen und zu lösen, ohne dabei großartig etwas zu erleben. Genre-Einsteigern ist von diesem Titel eher abzuraten und nur hartgesottene Rätselfans werden vielleicht etwas Gefallen an dem Spiel finden.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Wax Lyrical Games
Publisher Iceberg Interactive
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks keine