Review zu "The Rockin’ Dead"

Für die Entwickler Grasland Production ist das Adventuregenre kein Neuland, da sie neben weiteren Titeln schon bei Adventures wie „Bazooka Sue“ oder „Chewy - Esc from F5“ beteiligt waren. Ihr neuestes Werk „The Rockin’ Dead“ ist auch ein klassisches Point&Click-Adventure, allerdings mit 3D-Anaglyph-Technik (3D-Brille), was es bei Adventures bisher noch nicht gab und einen besonderen Anreiz darstellt. Zum Spielen wird übrigens keine besondere Hardware benötigt. Publisher für das Spiel ist bitComposer Games und der Titel ist ab 12 Jahren (USK) freigegeben.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einer DVD-Box, in der sich neben der Spiel-DVD und dem gedruckten Handbuch auch die Anaglyph-3D-Brille befindet. Es handelt sich dabei um eine Brille mit Farbfolien in rot/cyan, mit der das räumliche Empfinden der Spielwelt ohne zusätzliche Hardware möglich wird. Natürlich kann das Spiel auch in herkömmlicher 2D-Ansicht gespielt werden, aber das Spielerlebnis dabei kommt nicht annähernd an das in der 3D-Anaglyph-Darstellung heran. Weitere Details zu dieser Technik finden sich im Handbuch, das auf etwa 22 Seiten sehr ausführlich und schön bebildert alle wichtigen Informationen zum Spiel vermittelt. Die Installation des Spieles verlief problemlos und es wurden etwa 4,75GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Es empfiehlt sich auch dringend, gleich den aktuellsten Patch zum Spiel zu installieren, da es schon kurz nach der Veröffentlichung des Spieles einen Patch mit wesentlichen Verbesserungen im Gameplay gab. Dieses Review bezieht sich entsprechend auf die gepatchte Version 1.01 des Spieles. Leider funktionierte das Spiel auf unserem Testsystem (WindowsXP) nicht sofort einwandfrei und es kam zum harten Absturz (blue screen) bei jedem Spielstart (unmittelbar nach dem Abspielen der Firmenlogos). Das Problem konnte durch das Deaktivieren der Hardware-Beschleunigung für den Sound (Systemsteuerung) umgangen werden. Danach lief das Spiel dann technisch absolut einwandfrei. Im Optionsmenü des Spieles können neben verschiedenen Lautstärken auch umfangreiche Grafikdetails eingestellt werden, darunter Brechungseffekte, Blooming, Reflektionen, Partikel, Wassereffekte, Lichteffekte und die Brennweite für den Anaglyph-3D-Modus. Letzterer kann in den Optionen, aber ich direkt im Spiel zu jedem Zeitpunkt beliebig ein- und ausgeschalten werden. Wenn man im Hauptmenü mal länger keine Aktion ausführt, startet automatisch eine Slideshow mit verschiedenen Artworks und 3D-Bildern, abhängig davon, in welchem Modus (2D/3D) man sich gerade befindet. Diese Slideshows sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Zusätzlich zu dieser netten Zugabe, findet sich auf der Spiel-DVD noch ein Ordner mit Extras, der Wallpaper, Bildschirmschoner und eine 3D-Slideshow beinhaltet.

Story und Rätsel

In „The Rockin’ Dead“ schlüpft der Spieler in die Rolle von Alyssa, die Bandleaderin der Girl-Rockband „Deadly Lullabyes“ ist. Zusammen mit ihren Bandkolleginnen Cassandra und Sahara macht sie sich im kleinen Tourbus der Band auf den Weg zum Festival „Creator´s Creation“, das nach ihrem letzten Hit benannt ist und auf dem die Mädels als Headliner auftreten dürfen. Leider läuft nicht alles wie geplant, denn bei der Anreise geraten sie in einen schweren Sturm und können den Tourbus kaum auf der engen Bergstraße halten. Kurz nach einem langen, dunklen Tunnel passiert es dann, Alyssa kommt von der Straße ab und knallt mit dem Bus gegen einen Baum. Kurz vor dem Unfall glaubt sie ein tanzendes Skelett auf der Straße gesehen zu haben, wodurch es erst zu dem Unfall kam. Nach einiger Zeit in Ohnmacht erwacht Alyssa, muss aber feststellen, dass ihre Bandkolleginnen Cassandra und Sahara spurlos verschwunden sind. Alyssa hat keine andere Wahl und macht sich auf die Suche nach ihren Kolleginnen, um kurz darauf einen alten Friedhof zu entdecken, auf dem sich quicklebendige Skelette, Zombies und andere Monster herumtreiben, die überwiegend freundlich gestimmt sind und offenbar voll auf Rockmusik abfahren …

Der Titel versteht sich keinesfalls als bierernstes Gruseladventure, sondern vielmehr als ein humorvolles Adventure in B-Movie-Manier mit rockigem Setting, das lockere und nicht allzu anspruchsvolle Unterhaltung bietet. Die phantasievolle Spielwelt und sympathischen Charaktere laden dazu ein, sich die zahlreichen Rätsel und Aufgaben im Spiel zu Gemüte zu führen. Überwiegend findet man inventar- und objektbasierte Rätsel, sie sich allesamt gut in den Spielverlauf einfügen. Durch sehr viele aufnehmbare Gegenstände (einige davon auch nutzlos, also „Rote Heringe“) und viele Locations wird der Spieler durchaus etwas gefordert, allerdings bleibt der Schwierigkeitsgrad zumindest für erfahrene Adventurespieler klar im einfachen Bereich. Für Spieler mit etwas weniger Erfahrung bietet das Spiel komfortable Hilfefunktionen, mehr dazu im Abschnitt „Gameplay“. Über die Spieldauer von etwa 8-10 Stunden bietet das Spiel humorvolle und lockere Unterhaltung, bei der man völlig unbeschwert in eine phantasievolle Spielwelt abtauchen kann.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch besticht das Adventure natürlich mit der 3D-Anaglyph-Technik, die verblüffend gut funktioniert und einen beim Erkunden der zahlreichen Locations immer wieder in Erstaunen versetzt. Die dazu benötigte 3D-Brille (rot/cyan) wird direkt mit dem Spiel mitgeliefert und es ist sonst keine besondere Hardware dafür nötig. Die liebevoll und detailreich gestalteten Hintergründe erhalten mit dieser Technik eine in Adventures noch nie gesehene räumliche Tiefe und auch viele der Hintergrundanimationen, wie beispielsweise Insektenschwärme oder vorbeiziehende Vögel, kommen durch diesen Effekt hervorragend zur Geltung. Ein kleiner Nachteil dieser Technik ist die Tatsache, dass durch die Farbfilter in der 3D-Brille die Hintergründe nicht mehr so farbenfroh wirken, aber das nimmt man angesichts des tollen 3D-Erlebnisses gerne in Kauf. Davon abgesehen besteht auch die Möglichkeit, das Spiel in herkömmlicher 2D-Ansicht zu spielen, worunter aber das Spielerlebnis deutlich leidet. Eine Umschaltung zwischen 2D und 3D ist jederzeit und direkt im Spielinterface möglich. Die Animation der Charaktere ist soweit in Ordnung, aber sicherlich technisch noch ausbaufähig. Aufgelockert wird der Spielverlauf durch viele, teilweise auch umfangreichere Zwischensequenzen in Form von kleinen Filmen, allerdings ohne 3D-Effekt. Soundtechnisch bietet das Spiel entsprechend dem Setting abwechslungsreiche Rockmusik, die sehr gut gefällt. Da sich die Story teilweise auf den Text des Songs „Creator´s Creation“ bezieht, wäre das Sahnehäubchen in der Schlusssequenz natürlich noch ein echter Song gewesen. Die Hintergrundgeräusche an den verschiedenen Locations sind stimmig und tragen gut zur Atmosphäre bei. Auch die Sprachausgaben sind sehr gut, insbesondere die Rolle von Alyssa, die mit der deutschen Synchronstimme von Angelina Jolie hervorragend besetzt ist. Schade nur, dass praktisch keine Lippensynchronität vorhanden ist. Insgesamt aber kann das Spiel hinsichtlich Grafik und Sound weitestgehend überzeugen.


Gameplay

Gesteuert wird Alyssa aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem einfachen Point&Click-Interface. Über Hotspots wird durch ein großes Icon die jeweils mögliche Aktion angezeigt und zum Auffinden der zahlreichen Hotspots kann jederzeit die Hotspottaste herangezogen werden. Nachdem es im Spiel ungewöhnlich viele Gegenstände (auch diverse rote Heringe) einzusammeln gibt, ist das Inventar schon nach kurzer Zeit prall gefüllt, was auch gut so ist. Da hilft die komfortable Anzeige, welche Gegenstände miteinander kombiniert werden können. Man nimmt dazu einen Gegenstand auf und bewegt ihn einfach über die anderen Gegenstände im Inventar. Sobald sich kombinierbare Gegenstände treffen, wird dies angezeigt, wodurch man sich viele unnötige Klicks erspart. Das Inventar am unteren Bildschirmrand kann beliebig ein- und ausgeblendet werden. Dabei muss man aber beachten, dass sich an den verschiedenen Locations oftmals Hotspots hinter dem Inventarbalken befinden können, die man eventuell übersieht, wenn man das Inventar permanent eingeblendet lässt. Im rechten oberen Bildschirmbereich befindet sich noch eine Zoomfunktion, mit der man in die Locations hineinzoomen kann. Praktischen nutzen im Spiel hat diese Funktion jedoch kaum oder anders gesagt, man kann das Spiel auch ohne diese Funktion durchspielen. Sollte man trotz des eher niedrigen Schwierigkeitsgrades trotzdem mal im Spiel festhängen, kann die komfortable Hilfefunktion aufgerufen werden, die kontextabhängig mehrstufige Hilfetexte anbietet. Da das Adventure viele, teils weitläufige Locations bietet, ist es ein deutlicher Schwachpunkt, dass die Spielfigur sich relativ langsam bewegt und es keine Funktionen wie laufen oder schnelles Verlassen einer Location gibt. Nachdem die Entwickler relativ schnell nach dem Erscheinen des Spieles schon einen ersten Patch mit nachhaltigen Verbesserungen zum Gameplay angeboten haben kann man davon ausgehen, dass in Kürze auch dieser Schwachpunkt beseitigt sein wird. Im Spielverlauf öffnen sich zwar an verschiedenen Stellen kleine Portale, über die man zumindest etwas schneller zwischen manchen Bereichen wechseln kann, aber das löst den zuvor erwähnten Schwachpunkt nur eingeschränkt. Der aktuelle Spielstand kann auf 30 verfügbaren Speicherplätzen sehr komfortabel abgelegt werden. Davon abgesehen gibt es auch noch eine Autosave-Funktion.


Zusammenfassung

Mit „The Rockin’ Dead“ wird dem Spieler ein humorvolles Adventure mit lockerer und nicht allzu anspruchsvoller Unterhaltung geboten, bei der man völlig unbeschwert für etwa 8-10 Stunden in eine phantasievolle Spielwelt abtauchen kann. Grafisch besticht das Spiel mit liebevoller Gestaltung und natürlich der 3D-Anaglyph-Technik, die verblüffend gut funktioniert und einen beim Erkunden der zahlreichen Locations immer wieder in Erstaunen versetzt. Aufgelockert wird der Spielverlauf durch viele, teilweise auch umfangreichere Zwischensequenzen in Form von kleinen Filmen. Soundtechnisch bietet das Adventure abwechslungsreiche Rockmusik, stimmige Hintergrundgeräusche und sehr gute Sprachausgaben, darunter die deutsche Synchronstimme von Angelina Jolie für Alyssa. Rätseltechnisch überwiegen Inventar- und Objekträtsel, wobei sich der Schwierigkeitsgrad im eher einfacheren Bereich bewegt. Gesteuert wird das Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive mit einem einfachen Point&Click-Interface. Neben einer Hotspot-Anzeige gibt es im Spiel auch ein kontextabhängiges Hilfesystem, das bei Bedarf mehrstufige Hinweise gibt. Insgesamt bietet das Adventure sehr gute Unterhaltung und nimmt aufgrund der 3D-Anaglyph-Technik, die bisher bei Adventurespielen noch nicht eingesetzt wurde, eine ganz besondere Stellung im Adventuregenre ein.

English Summary

Looking for a humorous adventure game offering easy-going and not too demanding entertainment “The Rockin’ Dead” might be a good choice. It takes about 8-10 hours to complete the game and within that time the player gets fully immersed in that fantastic setting. All graphics are lovingly done and especially the anaglyphic 3D technology, which is working amazingly well, makes playing that game and exploring the numerous locations an unique experience. Further there are quite many in-game video sequences, which provide further details on the story background. In the sound department the game offers great rock music along with atmospheric environment sounds and good German language voice acting for all characters. Most of the puzzles are inventory or object based and the overall level of difficulty is low. The main character Alyssa is controlled from 3rd person view using an easy to handle point&click interface. Besides a hotspot key the game also offers an integrated help system, which shows specific hints on each task, if activated. In summary the game provides quite well entertainment and the anaglyphic 3D technology makes it somehow special within the adventure genre, as it is the first point&click adventure game using that technology.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Grasland Production
Publisher bitComposer Games / Game Homepage
Plattform/Platform PC (DVD) mit 3D-Brille (anaglyph)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks mit Patch v1.01 getestet