Review zu "The Blackwell Deception"

Nach den Titeln „The Blackwell Legacy“, „Blackwell Unbound“ und „The Blackwell Convergence“ ist mit “The Blackwell Deception” nun der vierte Teil der Blackwell-Reihe von Wadjet Eye Games erschienen. Entwickelt wurde die Reihe im unverkennbaren Design unter der Leitung von Dave Gilbert auf dem bewährten Adventure Game Studio (AGS) und ist derzeit nur in englischer Sprache erhältlich. Diesmal beschäftigen sich Rosangela und Joey mit den mysteriösen Umständen des Todes von Jeremy Sams, einem ehemaligen Arbeitskollegen von Rosangela.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kann über die Homepage der Entwickler als Download bezogen werden. Dabei erhält man eine Installationsdatei mit etwa 316MB, die im Zuge der Installation dann ca. 583MB an Daten auf die Festplatte installiert. Hinweise zur Spielsteuerung können im Optionsmenü über „Help“ aufgerufen werden. Zudem verfügt das Spiel über eine integrierte Spieleinführung, die sich automatisch in der ersten Szene des Spieles meldet und sich der Erfahrung des Spielers anpasst. Ebenfalls im Optionsmenü können die Sprachausgaben und Untertitel ausgewählt werden. Zudem bietet das Spiel wieder umfangreiche Audiokommentare von Dave Gilbert und zusätzlich noch einige lustige Outtakes der Sprachaufnahmen. Die Kommentare und Outtakes können im Optionsmenü aktiviert werden, allerdings ist es durchaus empfehlenswert, das Spiel beim ersten Durchlauf ohne diese Kommentare zu spielen. Allerdings sollte man sich diese interessanten Hintergrundinfos auf keinen Fall entgehen lassen und allein dies rechtfertigt es, das Spiel mindestens noch ein zweites Mal durchzuspielen.

Story und Rätsel

Das Spiel beginnt mit einem kleinen Einführungskapitel, in dem aufgeklärt werden muss, warum sich eine Yacht nachts immer wie von Geisterhand aus ihrem Anlegeplatz bewegt. Schnell kommen Rosa und Joey der Ursache auf die Spur und Spieleinsteiger werden eingehend mit der Spielsteuerung vertraut gemacht. Danach startet die eigentliche Geschichte, in der Rosa vom ehemaligen Arbeitskollegen Jeremy Sams kontaktiert und um Hilfe bei einem Artikel gebeten wird. Rosa erstarrt, als sie in der Wohnung von Jeremy nur mehr dessen Geist begegnet, wobei Jeremy selber noch keine Ahnung hat, dass er bereits verstorben ist. Rosa und Joey lassen sich zunächst nichts anmerken und nehmen anhand der ersten Hinweise von Jeremy die Nachforschungen für den Artikel auf. Bald schon treffen sie auf weitere Geister, die alle in diesen Fall verwickelt zu sein scheinen. Zunehmend verdichten sich die Hinweise auf einen geheimnisvollen Mann namens Gavin. Den Kern der spannenden Story bilden die Ermittlungen in Bezug auf die mysteriösen Todesumstände der verschiedenen Geister. Natürlich aber helfen Rosa und Joey den Geistern dann auch beim Antritt ihrer letzten Reise. Der grundlegende Storyverlauf ist zwar linear, aber der Spieler hat durchaus auch Freiheiten in den parallelen Pfaden. Neben investigativen und mysteriösen Komponenten, bietet das Spiel auch emotionale Themen und lässt auch einen gewissen Humor nicht zu kurz kommen. Diese Ausgewogenheit in der Handlung wird auch durch viele gute Rätsel und Aufgaben ergänzt, bei denen der Schwierigkeitsgrad eher einfach ist und einen optimalen Spielfluss gewährt. Typisch sind objektbezogene Aufgaben, Dialogrätsel und Recherchen auf dem Smartphone. Ein wichtiger Teil des Gameplays ist die Nutzung der sich ergänzenden Fähigkeiten von Rosa und Joey zur Lösung diverser Herausforderungen. Über die Spieldauer von ca. 7-9 Stunden bietet „The Blackwell Deception“ sehr gute Unterhaltung bei einem moderaten Schwierigkeitsgrad.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Trotz der niedrigen Auflösung von 640x480 Bildpunkten sind die 2D-Hintergründe wieder sehr liebevoll und detailreich gestaltet. Neben nur einer bereits bekannten Location, nämlich der Wohnung von Rosangela, bietet das Spiel wieder viele neue Schauplätze. Verbessert wurden die Locations dahingehend, dass es nun auch verschiedene Beleuchtungseffekte, beispielsweise nach dem Einschalten des Lichtes gibt. Bei Dialogen werden Großaufnahmen der Köpfe der Charaktere gezeigt, die sehr detailreich umgesetzt sind und auch verschiedene Ausdrücke, abhängig vom jeweiligen Kontext, vermitteln. Insgesamt ist die grafische Gestaltung dank der liebevollen Umsetzung wieder sehr ansprechend und verleiht den Blackwell-Spielen ihren ganz eigenen Charakter. Ein wahres Highlight ist auch diesmal wieder der von Thomas Regin beigesteuerte Soundtrack. Die abwechslungsreichen Musikstücke haben teilweise Jazz-Einflüsse mit melancholischer Färbung, die perfekt mit der Story harmonieren und die Atmosphäre unterstreichen. Ebenfalls wichtiger Bestandteil der Atmosphäre sind die Hintergrundgeräusche, darunter auch die typischen Windgeräusche, wenn ein Geist bereit für seine letzte Reise ist. Nicht nur Soundtrack und Hintergrundgeräusche, sondern auch die Sprachausgaben sind von hervorragender Qualität und wirken im Vergleich zu den früheren Episoden technisch noch professioneller. Alle Sprecher sind handverlesen und arbeiteten ganz offensichtlich mit vollstem Engagement. Allen voran natürlich wieder Rebecca Whittaker und Abe Goldfarb in den Hauptrollen Rosangela Blackwell und Joey Mallone. Wenn man in den Spieloptionen die Entwicklerkommentare aktiviert, kann man sich auch einige witzige Outtakes aus den Sprachaufnahmen sowie Hintergrundinformationen von Dave Gilbert zu manchen der Sprecher zu Gemüte führen.


Gameplay

Gesteuert wird auch diese Episode wieder aus der 3rd-Person-Perspektive mit einer reinen Point&Click-Steuerung, wobei völlig frei zwischen Rosangela und Joey umgeschalten werden kann, da viele der Aufgaben nur gemeinsam gelöst werden können. Alle wichtigen Stichworte aus Dialogen werden automatisch im Notizbuch von Rosangela mitgeschrieben und können dort gezielt zu neuen Hinweisen kombiniert werden. Zudem müssen mehrere Fakten über Internetrecherche („oogle“) auf dem MyPhone von Rosangela ermittelt werden. Dieses Smartphone ist eine sinnvolle Verbesserung im Gameplay, da man für solche Recherchen nun nicht mehr wie früher laufend an den Computer in Rosangelas Wohnung zurückkehren muss. Eine weitere Neuerung sind die Inventarfunktionen für Joey, da man die Funktionen „Krawatte“ und „blasen“ jetzt gezielt über das Inventar anwenden muss. Zudem findet die Krawatte einen zusätzlichen Verwendungszweck und Joey hat jetzt auch Einfluss auf Babys (und wie man im Spielverlauf erfährt wohl auch auf ein „Babe“). Wer Lust hat, kann auch beispielsweise mal die Namen Dave Gilbert, Janet Gilbert, Chris Jones oder Ben Chandler in der oogle-Suche eingeben. Insgesamt bietet das Spiel ein sehr angenehmes und ausgewogenes Gameplay. Zudem funktionierte das Spiel technisch absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Hinsichtlich der spannenden Story, der Ausgewogenheit aller Spielkomponenten und der vergleichsweise hohen Spieldauer von etwa 7-9 Stunden ist „Blackwell Deception“ der bisher wohl beste Teil der Blackwell-Reihe. Die Grafiken sind trotz der niedrigen Auflösung wieder sehr liebevoll und detailreich gestaltet und bieten diesmal teilweise sogar verschiedene Beleuchtungseffekte. Musikalisch präsentiert sich das Spiel wie bereits auch seine Vorgänger wieder auf höchstem Niveau, sodass man eigentlich gar nicht genug vom Soundtrack zu hören bekommen kann. Auch sämtliche Sprecher sind wieder hervorragend besetzt, allen voran natürlich Rebecca Whittaker und Abe Goldfarb in den Hauptrollen Rosangela Blackwell und Joey Mallone. Rätseltechnisch zeigt sich das Spiel abwechslungsreich bei einem moderaten Schwierigkeitsgrad, der einen optimalen Spiel- und Storyfluss sicherstellt. Besonders gut gefallen die Aufgaben, bei denen die sich ergänzenden Fähigkeiten von Rosa und Joey zum Einsatz kommen. Technisch funktionierte das Spiel absolut einwandfrei, derzeit ist allerdings nur die englische Originalversion verfügbar. Wer die Blackwell-Reihe noch nicht gespielt hat, sollte dies unbedingt nachholen, bevor hoffentlich bald der nächste Teil dieser wundervollen Reihe erscheint.

English Summary

Considering the thrilling story, the perfect balance of all game components and the gameplay duration of about 7-9 hours “Blackwell Deception” is probably the best episode of the Blackwell series so far. Despite the low graphics resolution the backgrounds and the overall graphical design are very detailed and lovingly done, including some light effects on several locations. Regarding sound design and particularly the music the Blackwell series keeps up a high-class level, making one listen to the soundtrack(s) again and again. Furthermore also all the voice-actors did a superb job, especially Rebecca Whittaker and Abe Goldfarb filling the two main characters Rosangela Blackwell and Joey Mallone with “life”. In terms of puzzles and tasks the game shows a well balanced variety at a moderate level of difficulty, which ensures a perfect flow of both story and gameplay. Highlights in gameplay are the situations, where the player has to join the individual abilities of Rosa and Joey in order to solve a specific task. Technically the game worked perfectly well. All adventure gamers, who did not play the Blackwell series yet, should definitely do this, before the next episode of this wonderful series is (hopefully soon) released.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Wadjet Eye Games
Publisher Wadjet Eye Games
Plattform/Platform PC (DOWNLOAD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating keine Angabe
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich