Review zu "Der Fall John Yesterday"

Die Adventures der Pendulo Studios präsentieren sich in einem unverkennbaren Comic-Stil, bekannt aus der „Runaway“-Trilogie oder „The Next Big Thing“. Auch mit dem neuesten Titel „Der Fall John Yesterday“ bleiben die Entwickler diesem grundlegenden Grafikstil treu, wechseln thematisch aber von bisher eher humorbetonten Spielen zu einer absolut düsteren und mystischen Geschichte, in der es um eine brutale Mordserie an Obdachlosen in New York und eine darin verstrickte okkulte Vereinigung geht. Freigegeben ist dieser Titel ab 16 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt auf einer DVD, die voll bepackt mit Daten für eine Installation von satten 4GB auf die Festplatte sorgt. Die Grafikeinstellungen werden vom Spiel selber festgelegt und entsprechend gibt es, abgesehen von einem Lautstärkeregler, auch kein Optionsmenü im Spiel. Möchte man die Grafikauflösung anpassen, kann man dies über das separate Konfigurationsprogramm im Spielverzeichnis vornehmen. Alle nötigen Informationen zur sehr einfachen Spielsteuerung lassen sich direkt im Spiel aufrufen. Vor dem Start eines neuen Spieles muss man einen von vier freien Speicherslots aussuchen, in den später voll automatisch der aktuelle Spielstand gespeichert wird. Dies ist sehr komfortabel und fortschrittlich, da im Zuge der automatischen Speicherung viele einzelne Spielstände angelegt werden, wodurch man praktisch beliebig frühere Spielsituationen laden und erneut spielen kann. Dadurch muss man sich im Spielverlauf keinerlei Gedanken über das Abspeichern mehr machen.

Story und Rätsel

Von der lokalen Polizei wenig beachtet zeichnet sich in New York City eine brutale Verbrechensserie ab, in der Obdachlose in den unterirdischen Anlagen der Stadt regelrecht hingerichtet werden. Gegen seinen Willen rückt der an Amnesie leidende John Yesterday in den Mittelpunkt der Ereignisse und versucht, den Geschehnissen und seiner Verbindung damit auf den Grund zu gehen. In einer komplexen Erzählstruktur erlebt der Spieler eine spannende und wendungsreiche Geschichte. Schon nach dem Ende des ersten Spielabschnittes werden sich viele Spieler mit einer falschen Einschätzung der Situation konfrontiert sehen. Optimal in den Spielverlauf eingebettete Aufgaben und Rätsel mit einfachem bis mittlerem Schwierigkeitsgrad sorgen dafür, dass ein flüssiger Transport der sehr dynamischen Geschichte erfolgen kann. Schwerpunkte der Rätsel sind dabei objekt- und inventarbezogene Aufgaben, sowie gelegentlich zu führende Dialoge. Zugunsten des Spielflusses wurde gezielt auf harte Rätselnüsse verzichtet. Das Mitdenken des Spielers verlagert sich mehr auf die ansprechende und facettenreiche Story, was als sehr positiv zu werten ist. Obwohl die gesamte Spieldauer nur etwa 6-8 Stunden beträgt, hat man an Ende dennoch klar den Eindruck, sehr viel im Spiel erlebt zu haben.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, bleiben die Pendulo Studios ihrem unverkennbaren und erfolgreichen Comic-Stil treu, im Rahmen der Handlung des Titels jedoch etwas erwachsener und dem düsteren Setting angepasst. Manche Locations erscheinen zwar nicht ganz so detailreich gestaltet, dafür aber gibt es reichlich Abwechslung. Leider wurde mit den Hintergrundanimationen stark gespart, jedoch wird dies von zahlreichen teilanimierten Comicsequenzen, welche die Dynamik dies Spieles unterstreichen, wieder etwas ausgeglichen. Erwähnenswert ist zudem die Tatsache, dass es keine merkbaren Ladezeiten oder gar Ladebildschirme zwischen den stark verwobenen Spielabschnitten gibt und das Spiel von der Einleitung bis zum Abspann in einem Strom fließt, was durchaus zum Durchspielen in einem Stück verleitet. Hinsichtlich der musikalischen Untermalung und der Hintergrundgeräusche präsentiert sich das Spiel eher dezent, der Story und der Atmosphäre ist dies jedoch absolut entgegenkommend. Die Sprecher der deutschen Version des Spieles wurden sehr gut besetzt. Besonders hervorzuheben ist die Rolle des Erzählers, der mit bissigen und sarkastischen Kommentaren zu sehr vielen Situationen oder Kombinationen dem Spieler immer wieder auch ein Schmunzeln entlocken kann. Zudem sorgt der Erzähler auch für den nötigen Abstand zwischen dem Spieler und der jeweils gesteuerten Spielfigur, was im Gesamtkonzept des Spieles sehr stimmig erscheint.


Gameplay

Gesteuert werden die verschiedenen Charaktere aus der 3rd-Person-Perspektive, wobei eine Point&Click-Steuerung mit verschiedenen Neuerungen, durchaus auch an mobilen Geräten orientiert, zum Einsatz kommt. Zunächst kommt die Steuerung komplett mit der linken Maustaste aus, die rechte Maustaste dient lediglich zum Abbrechen von Funktionen. Beim Anklicken von Hotspots zeigt sich zunächst eine vergrößerte Darstellung des jeweiligen Bereiches, in der durch einen erneuten Klick auf das entsprechende Icon eine nähere Untersuchung oder eine Aktion möglich ist. Zunächst etwas ungewohnt ist auch die Verwendung von Gegenständen aus dem Inventar, die zunächst in den Spielbildschirm gezogen werden müssen, bevor sie auf Hotspots oder anderen Inventargegenständen angewendet werden können. Hier könnte man in Zukunft evtl. noch etwas nachbessern, da dies beim Kombinieren von Gegenständen innerhalb des Inventars unnötig umständlich erscheint. Trotz dieser Neuerungen und der kurzen Umgewöhnungsgzeit bewährt sich dieses vereinfachte Steuerungskonzept ganz gut. Abgerundet wird die Bedienung des Spiels von einer Hotspotanzeige, einer integrierten Hinweisfunktion und dem komfortablen Speichersystem. Technisch funktionierte das Spiel absolut einwandfrei und vorbildlich.


Zusammenfassung

Trotz einer Spieldauer von nur etwa 6-8 Stunden für erfahrene Adventurespieler bietet „Der Fall John Yesterday“ sehr gute und ansprechende Unterhaltung. Die spannende und wendungsreiche Story wird trotz einer komplexen Erzählstruktur sehr dynamisch und flüssig transportiert. Die optimal eingebetteten Aufgaben und Rätsel fügen sich dem vorrangigen Erlebnis der Erzählung und bewegen sich entsprechend im eher einfachen Bereich. Notfalls stehen aber auch eine Hotspotanzeige und eine integrierte Hinweisfunktion zur Verfügung. Grafisch präsentiert sich das Spiel im bewährten Comic-Stil der Pendulo Studios (bekannt mitunter durch die Runaway-Trilogie), allerdings dem Setting entsprechend deutlich erwachsener und düsterer. Die musikalische Untermalung und die Hintergrundgeräusche sind dezent gehalten, allerdings so der Atmosphäre absolut entgegenkommend. Sämtliche Sprecher, insbesondere aber auch der Erzähler, sind in der deutschsprachigen Version des Spiels sehr gut besetzt. Abgerundet wir das Spielerlebnis durch eine komfortable Steuerung mit mehreren Neuerungen. Technisch funktionierte das Spiel absolut einwandfrei.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Pendulo Studios
Publisher Crimson Cow
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK16
Anmerkungen/Remarks keine