Review zu "Mystery Case Files – Flucht aus Ravenhearst"

Aus der enormen Masse von Wimmelbildspielen stechen immer wieder mal Titel hervor, welche dem Adventure-Genre nahe kommen und so durchaus auch Adventurespieler ansprechen dürften. Dazu gehören mehrere Titel aus der offenen Reihe „Mystery Case Files“ von Big Fish Games, unter der auch „Flucht aus Ravenhearst“ erschienen ist. Zu diesem Spiel gibt es thematisch schon zwei vorausgehende Teile, nämlich „Ravenhearst“ und „Rückkehr nach Ravenhearst“, die schön den Wandel vom reinen Wimmelbildspiel hin zum Wimmelbild-Adventure aufzeichnen.

Verpackung, Handbuch und Installation

Verpackt ist das Spiel in einer DVD-Box, in der sich die Spiel-CD und das zweiseitige Beiblatt befinden. Letzteres gibt primär eigentlich nur Informationen zur Installation, alle weiteren Infos zur Handhabung des Spieles finden sich dann im Spiel selber. Zusätzlich findet sich noch eine Sammelkarte zum Spiel in der Verpackung. Die Installation verlief problemlos und es wurden ca. 1,2GB an Daten auf die Festplatte übertragen, was im Vergleich zu den vorangehenden Ravenhearst-Titeln schon eine deutliche Steigerung im Umfang erkennen lässt. Zusätzlich installiert sich (wie bei allen Big Fish Games) automatisch auch der Big Fish Games Manager, in dem alle installierten Spiele zentral verwaltet werden. Nach der Deinstallation des eigentlichen Spieles muss auch dieser Manager noch manuell deinstalliert werden, sofern man ihn nicht mehr für andere Titel dieser Firma nutzt. In den Spieloptionen können neben den verschiedenen Lautstärken (Musik, Umgebung, Effekte) und Grafikeinstellungen auch noch deutsche Untertitel eingestellt werden. Zudem findet sich dort auch eine kurze Anleitung zur Steuerung des Spieles. Der aktuelle Spielstand wird automatisch im jeweils aktiven Spielerprofil abgelegt, das man beim Start eines neuen Spiels anlegen kann.

Story und Rätsel

Im Mittelpunkt der Spiele „Ravenhearst“, „Rückkehr nach Ravenhearst“ und „Flucht aus Ravenhearst“ steht das alte Anwesen Ravenhearst-Manor, auf dem man in der Rolle eines Meisterdetektivs die dunklen Machenschaften von Charles Dalimar aufdecken muss, der die Seelen von Emma Ravenhearst, Rose Somerset und deren beiden kleinen Töchtern Gwendolyn und Charlotte gefangen hält. Durch das Erkunden des Anwesens und das Lösen von Aufgaben bzw. Rätseln offenbart sich nach und nach die düstere Geschichte. Im ersten Teil der Reihe überwiegt noch eindeutig die Wimmelbild-Komponente (ca. 32 Räume), ergänzt von mehreren relativ einfachen Rätseln zum Öffnen von Türen. Zwischendurch müssen dann Puzzleteile zusammengesetzt werden, um neue Tagebucheinträge freizuschalten und die Geschichte voranzutreiben. Das Spiel ist im Umfang noch relativ bescheiden und bietet weder Sprachausgaben, Zwischensequenzen oder weitergehende adventureähnliche Komponenten. Im zweiten Teil hingegen wird die Sache schon interessanter. Zwar sind auch hier die Wimmelbildspiele noch ein wesentlicher Bestandteil, es kommt allerdings ein Inventar hinzu und das Erforschen der Locations gewinnt an Bedeutung. Zudem präsentiert sich das Spiel hinsichtlich Grafik und Sound deutlich umfangreicher und ansprechender.


Nochmals einen deutlichen Schritt in Richtung Adventures macht jedoch der dritte Teil der Ravenhearst-Spiele, der ja auch im Mittelpunkt dieses Reviews steht. Die Wimmelbild-Einlagen dominieren jetzt nicht mehr, sondern vielmehr das Erforschen von Locations, das Lösen von Rätseln und das Auffinden und Anwenden von Gegenständen aus dem Inventar. Die wenigen verbleibenden Wimmelbild-Einlagen unterschieden sich zudem einfallsreich von den gewohnten Wimmelbildspielen. Früher mussten aus einer vorgegebenen Liste verschiedenste Objekte in einer Szene gefunden werden, die oftmals gar nicht in Verbindung mit dem Spielkontext standen. Im diesem Spiel hingegen müssen sogenannte „Chamäleon-Objekte“ auf dem Bildschirm gefunden werden, die sich zwar ständig, teilweise aber nur sehr unscheinbar, verändern. Im Spielkontext wird dies als Einfluss der Geister auf die reale Umgebung dargestellt, die den Meisterdetektiv so unterstützen oder auf eine bestimmte Spur bringen wollen. Dies ist allemal besser, als den Bildschirm nach irgendwelchen Objekten zu durchsuchen, die in keinem Zusammenhang mit der Handlung stehen. Der Schwierigkeitsgrad der abwechslungsreichen Aufgaben und Rätsel bewegt sich zwar im eher einfachen oder höchstens mittelschweren Bereich, trotzdem bietet das Spiel ausreichend Anspruch auch für Adventurespieler. Die Spieldauer allein des dritten Teiles „Flucht aus Ravenhearst“ beträgt für Spieler mit etwas Adventureerfahrung etwa 7 Stunden. Nimmt man die ersten beiden Teile hinzu, wobei der erste Teil wohlgemerkt eindeutig noch in Richtung Wimmelbildspiel tendiert, darf man eine Spieldauer von etwa knapp 20 Stunden erwarten.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Nachdem der noch stark wimmelbildlastige erste Teil der Ravenhearst-Spiele mit einem Datenumfang von insgesamt nur etwa 85MB leider ohne nennenswerte Zwischensequenzen und Sprachausgaben auskommen musste, zeigten sich im zweiten Teil mit ca. 350MB Datenumfang schon deutliche Verbesserungen in Form von Animationen, FMV-Sequenzen und Sprachausgaben. Den Höhepunkt der Reihe bildet jedoch klar der aktuelle Teil „Flucht aus Ravenhearst“, der in stolzen 1,2GB neben vielen schön gestalteten Locations ein sehr ansprechendes Intro-Video, häufige Zwischensequenzen (teils FMV-Charaktere) und eine umfangreiche Sprachausgabe (englisch mit deutschen Untertiteln) bietet. Zudem wird die dunkle Atmosphäre im Spiel durch eine gelungene Soundkulisse unterstützt.


Gameplay

Gesteuert wird in allen drei Teilen aus der 1st-Person-Perspetkive mit einer reinen und intuitiven Maussteuerung. Alle Teile beinhalten Wimmelbild-Einlagen, wobei diese im ersten Teil noch dominieren, im dritten Teil jedoch nur mehr eine eher untergeordnete Rolle spielen. Zudem kommt ab dem zweiten Teil ein Inventar hinzu, das die verfügbaren Gegenstände am unteren Bildschirmrand anzeigt, von wo aus sie auch entsprechend angewendet werden können. Sowohl für die Wimmelbilder als auch für die Rätsel stehen im Spiel integrierte Lösungshilfen zur Verfügung. Der Spielfortschritt und die gefundenen Informationen werden in einem Tagebuch mitgeschrieben und können jederzeit eingesehen werden. Der aktuelle Spielstand wird im aktiven Spielerprofil automatisch abgespeichert. Technisch funktionierten alle drei Teile absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Die Ravenhearst-Spiele zeigen schön eine Entwicklung von einem zunächst eher wimmelbildlastigen Titel zu einem Rätsel-Adventure mit Wimmelbildeinlagen auf. Nachdem der erste Teil noch klar als Wimmelbildspiel einzustufen ist, präsentieren sich der zweite und insbesondere der dritte Teil als für Adventurespieler durchaus interessante Kost, zumindest als Ergänzung zum Angebot von klassischen Point&Click-Adventures. Der aktuelle Teil ist bisher das Highlight und überzeugt mit einer ansprechenden Hintergrundgeschichte, abwechslungsreichen Rätseln und Aufgaben, sowie einer gelungenen grafischen und soundtechnischen Präsentation samt Sprachausgabe und FMV-Sequenzen. Die Spieldauer des dritten Teiles beträgt für Spieler mit etwas Adventureerfahrung etwa 7 Stunden. Nimmt man die ersten beiden Teile hinzu, kommt man auf eine Spieldauer von knapp 20 Stunden. Weitere für Adventurespieler interessante Titel aus der offenen Reihe „Mystery Case Files“ sind „Dire Grove“ und „13th Skull“, die allerdings nicht direkt in Verbindung mit der Ravenhearst-Story stehen.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Big Fish Games Studios
Publisher Astragon
Plattform/Platform PC (CD)
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks Wimmelbild-Adventure