Review zu "Resonance"

Mit Adventures wie „What Linus Bruckman sees when his eyes are closed“ und „Anna“ haben sich die Entwickler xii-Games unter der Leitung von Vince Twelve bereits einen Namen gemacht. Das erste kommerzielle Projekt ist nun „Resonance“, das in Zusammenarbeit mit Wadjet Eye Games entwickelt und veröffentlicht wurde. Der Science-Fiction-Thriller wird in Form eines klassischen Point&Click-Adventures präsentiert und ist optisch komplett im Retro-Stil gehalten. Im Gameplay verspricht der Titel interessante Features, die durchaus wegweisend sein könnten.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel ist sowohl in Form eines Downloads als auch auf Datenträger verfügbar, beispielsweise als „Collector´s Boxed Edition“ mit diversen Zugaben wie Poster und Soundtrack. Im Zuge dieses Reviews wurde die Download-Version des Spiels getestet. Der Download umfasst etwa 350MB und nach der Installation nimmt das Spiel etwa 1GB an Speicherplatz auf der Festplatte ein. Eine Anleitung zum Spiel findet sich direkt im Optionsmenü, entsprechend ist kein separates PDF-Handbuch vorhanden. Neben der Anleitung kann optional auch ein Tutorial zur Einführung aktiviert werden. In den Optionen findet sich auch die Auswahl „show commentary“, über die als Zugabe umfangreiche Kommentare der Entwickler und diverse Versprecher aus den Sprachaufnahmen in das Spiel eingebunden werden. Weiters enthält das Optionsmenü noch den Eintrag „Achievements“, wo man sich jederzeit ansehen kann, welche (teilweise nur optionalen) Ziele man im Spiel erreicht hat. Eine zusätzliche Herausforderung, die dazu motivieren soll, das Spiel mehrmals zu spielen. Erstellt wurde das Spiel mit dem AGS (Adventure Game Studio), dessen „Game Settings“ außerhalb des Spiels noch erweiterte Einstellungen zu Grafik und Sound zulassen.

Story und Rätsel

Als Einstieg in die Geschichte präsentieren sich dem Spieler „Breaking News“, die live von Anschlägen in vielen großen Städten rund um die Welt berichten. Momentan ist aber noch nicht bekannt, wer diese Anschläge verübt hat und mit welchen Waffen. Klar ist eigentlich nur, dass es sich nicht um konventionelle Waffen handeln kann. Dann kommt ein harter Schnitt, der den Spieler 60 Stunden vor diese Ereignisse versetzt. In der ersten Spielphase übernimmt der Spieler zunächst nacheinander die Kontrolle über vier verschiedene Charaktere, die ihren Alltag leben und zwischen denen es zunächst keinerlei Verbindung zu geben scheint. Bei den vier Personen handelt es sich im Detail um den jungen Mathematiker Tolstoy „Ed“ Eddings, die Ärztin Anna Castellanos, den Journalisten Raymond „Ray“ Abbot und den Bullen Detective Winston Bennet. Nachdem man die Charaktere näher kennen gelernt hat, steigt man tiefer in die Story ein und die Wege der Charaktere kreuzen sich. Im weiteren Spielverlauf kann dann auch frei zwischen allen Charakteren gewechselt werden und oftmals ist es nötig, in Kooperation Aufgaben zu lösen, wobei man Stärken und Schwächen der einzelnen Charaktere im Hinterkopf haben muss. Im Kern der Geschichte geht es um die Entdeckung eines brillanten Physikers, die in die falschen Hände gelangt und eine Bedrohung für die ganze Welt darstellt. Nur die vier Protagonisten können dies als Team verhindern. Mehr soll an dieser Stelle nicht von der Story verraten werden, nur eines vorweg, sie ist hochspannend, wendungsreich und vermittelt glaubwürdige Charaktere, die mitunter auch durch ausführliche Dialoge und ihre Gedanken an Tiefe gewinnen. Die Aufgaben im Spiel sind hervorragend eingebettet und besonders durch die freie Interaktion und Zusammenarbeit der verschiedenen Charaktere ergeben sich tolle Rätsel, die den Spieler durchaus herausfordern, trotzdem immer nachvollziehbar sind und fair bleiben. Ein weiteres tolles Feature sind das das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis, in denen wichtige Informationen im Spielverlauf „abgelegt“ werden können, um diese später aktiv in Dialogen oder beim Lösen von Rätseln einzusetzen. Klingt zunächst vielleicht etwas kompliziert, ist aber völlig naheliegend und entspricht eigentlich stark der natürlichen Herangehensweise an Aufgaben. Mehr zu diesem Feature im Abschnitt Gameplay. Über die Spieldauer von ca. 12-15 Stunden bietet Resonance hervorragende Unterhaltung, die von einer tollen Story, interessanten Charakteren, einer dichten Atmosphäre und anspruchsvollen Rätseln getragen wird.


Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel im Retro-Stil mit einer Auflösung von 640x480 Bildpunkten, wobei es verblüffend ist, wie viele Details trotz dieser eher niedrigen Auflösung in den liebevoll gestalteten Locations und Charakteren enthalten sind. Auch sämtliche Animationen wirken sehr detailreich und flüssig. Soundtechnisch glänzt das Spiel mit realistischen Hintergrundgeräuschen und einem tollen Soundtrack, der auch gesungene Titel wie „I Will Be There“ bietet. Überhaupt muss man feststellen, dass in Spielen die von oder zusammen mit Wadjet Eye Games entwickelt wurden, immer sehr großer Wert auf hochwertige Musik gelegt wird. Da können die Spiele mancher großer Entwickler mit wesentlich höheren Budgets oft nicht mithalten. Auch die englischen Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität. In den Spieloptionen kann man über „show commentary“ übrigens einstellen, dass man im Spiel Kommentare der Entwickler und verschiedene Versprecher und Outtakes der Sprachaufnahmen anhören kann. Ich empfehle aber, dies frühestens beim zweiten Durchspielen des Titels zu aktivieren. Insgesamt tragen die Grafik, die Hintergrundgeräusche und die Musik wesentlich zur einmaligen Atmosphäre im Spiel bei und alle Komponenten zeugen von sehr viel Liebe zum Detail und einem eingehenden Feinschliff des Spieles.


Gameplay

Gesteuert werden die vier Charaktere aus der 3rd-Person-Perspektive mit einer intuitiven Point&Click-Steuerung. Die linke Maustaste dient zum Ausführen von Aktionen und mit der rechten Maustaste kann untersucht werden. Lediglich zur Eingabe von Benutzernamen und Passwörtern muss die Tastatur hinzugezogen werden, aber das beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Szene. Aufgenommene Gegenstände wandern ins Inventar und können dort kombiniert oder von dort aus auf Hotspots oder in Dialogen angewendet werden. Ein innovatives Feature im Spiel sind das Langzeitgedächtnis und das Kurzzeitgedächtnis. Im Langzeitgedächtnis der einzelnen Charaktere werden automatisch wichtige Events und Informationen abgespeichert. Man kann dies im weitesten Sinne vielleicht mit einem Journal für wichtige Ereignisse vergleichen. Allerdings kann man sich die Daten im Langzeitgedächtnis in Form kurzer Flashbacks jederzeit ansehen und vor allem sind diese Einträge innerhalb des Spieles ähnlich wie Inventargegenstände frei anwendbar, besonders hilfreich in Dialogen. Bei Dialogen ist es nämlich so, dass es zwar feste Dialogzeilen gibt, aus denen man auswählen kann, diese Zeilen dienen aber eher dem Smalltalk. Die wichtigen Gesprächsthemen und Inhalte müssen aus dem Langzeitgedächtnis bzw. dem Kurzzeitgedächtnis in Dialoge eingebracht werden, um im Spiel weiter zu kommen oder wichtige Hintergrundinformationen zu erhalten. Das Kurzzeitgedächtnis muss im Gegensatz zum Langzeitgedächtnis vom Spieler selber mit Informationen gefüllt werden. Als Beispiel dafür kann man eine verschlossene Tür nehmen. Man zieht den Hotspot „verschlossene Tür“ einfach in sein Kurzzeitgedächtnis, um an anderer Stelle im Spiel eine Person darauf anzusprechen, mit dem Ziel etwa einen Schlüssel zu bekommen. Das mag vielleicht kompliziert klingen, ist aber völlig intuitiv und eine unglaubliche Bereicherung im Gameplay und bei den Rätseln. An manchen Stellen im Spiel kann man durch unüberlegte Aktionen auch sterben, allerdings ist dies im Spiel durch ein automatisches „Zurückspulen“ sehr clever gelöst. Hat man einen Fehler gemacht, spult das Spiel (sichtbar durch rückwärts laufende Animationen) auf den Zeitpunkt vor dem Fehler zurück, in der Regel nur ein paar Sekunden. Also keine Angst, wenn man eine ungünstige Entscheidung trifft, bemerkt man das unmittelbar danach und muss nicht komplette Abschnitte erneut spielen. Für manche Aufgaben im Spiel gibt es verschiedene Lösungsansätze und zudem ändern sich von Spiel zu Spiel manche Rätsel, beispielsweise die Benutzernamen und Passwörter eines Computers. Der Spielfortschritt wird in einem Punktesystem (ähnlich wie aus vielen Sierra-Spielen bekannt) festgehalten. Der aktuelle Spielstand kann zu fast jedem Zeitpunkt frei gespeichert werden und zudem bietet das Spiel noch eine automatische Speicherfunktion. Technisch funktionierte das Spiel absolut einwandfrei.


Zusammenfassung

Resonance macht alles richtig und ist unter den klassischen Point&Click-Adventures wohl einer der besten Titel der letzten Zeit, der mit 12-15 Stunden auch eine schöne Spieldauer bietet. Die spannende und wendungsreiche Story, glaubwürdige Charaktere, anspruchsvolle Rätsel und verschiedene Innovationen im Gameplay sind nur einige der Aspekte, die Resonance zu einem besonderen Titel machen, den sich kein Adventurespieler entgehen lassen sollte. Auch durch den Retro-Stil und die niedrige Auflösung sollte man sich auf keinen Fall abschrecken lassen. Im Gegenteil, es ist einfach bewundernswert, mit wie viel Liebe zum Detail die Entwickler hier wunderschöne Locations und Charaktere geschaffen haben. Realistische Hintergrundgeräusche und ein toller Soundtrack runden die einmalige Atmosphäre im Spiel ab. In das stimmige Gesamtbild fügen sich natürlich auch die einwandfreien Sprachausgaben mit teilweise bereits bekannten Sprechern ein. Derzeit ist das Spiel nur in englischer Sprache erhältlich, wer aber einigermaßen gut Englisch versteht (alle Dialoge werden übrigens auch als Text angezeigt), sollte schon jetzt zugreifen und sich den Titel nicht entgehen lassen. Falls es später mal eine lokalisierte Version im deutschsprachigen Raum geben sollte, bietet sich dieses Adventure-Juwel durchaus dazu an, es nochmals zu spielen. Es bleibt nur zu hoffen, dass – welcher Publisher es auch immer sein wird – eine diesem tollen Adventure würdige deutschsprachige Lokalisierung samt Sprachausgaben vorgenommen wird.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer xii Games
Publisher Wadjet Eye Games
Plattform/Platform PC (CD oder DOWNLOAD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating keine Angabe
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich