Review zu "Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin"

Im aktuellen Teil der Reihe von Frogwares jagt Sherlock Holmes jetzt den französischen Meisterdieb Arsène Lupin, der Holmes herausfordern will und angekündigt hat, in London innerhalb von fünf Tagen mehrere Schätze von nationaler Bedeutung entwenden zu wollen. Wie schon in den zuvor erschienenen Teilen der Reihe setzen Frogwares auch diesmal wieder auf die bewährte 3D-Umsetzung in der 1st-Person-Perspektive. Publisher für den deutschsprachigen Raum ist Deep Silver (Koch Media). Freigegeben ist das Krimi-Adventure laut USK-Kennzeichnung ab 6 Jahren.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einer einfachen DVD-Box, welche die Spiel-DVD und ein kleines Handbuch beinhaltet. In der limitierten Erstauflage des Spieles gibt es zusätzlich noch eine Video-DVD, welche drei Folgen einer Sherlock Holmes Serie beinhaltet. Das Handbuch erläutert auf 26 Seiten alle wichtigen Infos zum Spiel und leitet als kleine Einführung für Anfänger auch durch die ersten zehn Minuten des Adventures. Als Systemvoraussetzung ist ein Rechner mit 2GHz @ 1GB RAM mit einer 256MB Grafikkarte (DirectX 9) empfohlen. Die Installation verlief ohne Probleme und so wurden ca. 1,6GB Daten auf die Festplatte übertragen. In den Optionen können neben diversen Grafikdetails noch die Lautstärken, die Kameraführung und die Steuerung sehr flexibel eingestellt werden.

Story und Rätsel

Genau wie der weltbekannte Meisterdetektiv Sherlock Holmes entstammt auch Arsène Lupin der Literatur, allerdings steht dieser als französischer Meisterdieb auf der anderen Seite des Gesetzes und auch auf der anderen Seite des Ärmelkanals, was ein Aufeinandertreffen beider Charaktere wohl höchst interessant machen dürfte. Tatsächlich fordert Arsène Lupin den Meisterdetektiv heraus und kündigt an, in London innerhalb von fünf Tagen ebenso viele Schätze entwenden zu wollen. Bald wird klar, dass Lupin es nicht nur auf irgendwelche Wertgegenstände abgesehen hat, sondern in der National Gallery, im Tower von London oder auch im Britischen Museum verschiedene Gegenstände von nationaler Bedeutung stehlen will. Mit verschiedenen Hinweisen, zumeist in der Form von Versen, wird Sherlock Holmes und somit der Spieler von Lupin auf seine Fährte gelockt, aber der Meisterdieb ist natürlich immer einen Schritt voraus. Somit bleibt nur, die Tatorte gründlich zu untersuchen und Hinweise auf das nächste Verbrechen zu finden, um Lupin doch noch zuvor kommen zu können. Somit ergeben sich die hauptsächlichen Aufgaben für den Spieler, nämlich die Tatorte nach Beweisen und Hinweisen zu untersuchen und daraus zu kombinieren, was Lupin als nächsten Diebstahl vorhat.

Die grundsätzlich interessante und spannende Story hat durch das teilweise etwas langatmige Absuchen der sehr weitläufigen Locations ihre Längen, insbesondere weil manche Hotspots aus der Ego-Perspektive in den 3D-Locations nicht immer ganz leicht auszumachen sind. Hat man alle Gegenstände und Hinweise gefunden, gilt es in teils sehr anspruchsvollen Rätseln diese entsprechend zu kombinieren. An mancher Stelle werden auch Fragen gestellt, welche man durch die Eingabe von Text beantworten muss, um im Spiel weiterzukommen. Insgesamt sind aber alle Elemente für ein Kriminaladventure, in dem man in die Rolle des Meisterdetektivs Sherlock Holmes schlüpft, gut abgestimmt und erfüllen die Erwartungen. Gegen Ende der Geschichte gilt es dann noch eine wichtige Entscheidung zu treffen, welche über das jeweilige Ende des Abenteuers entscheiden wird.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch bietet das Spiel weitläufige Locations in ausgezeichneter und sehr detailreicher 3D-Umsetzung. Es wirkt alles sehr realistisch und auch Wetter- oder Tageszeitwechsel sind eindrucksvoll umgesetzt. Abgesehen von einer fehlenden Textur auf einer größeren Fläche an einer bestimmten Location im Spiel gab es keine nennenswerten Grafikfehler. Bei Dialogen und Zwischensequenzen wird meistens vorübergehend in die 3rd-Person-Perspektive gewechselt. Die Animation der Charaktere ist gelungen, auch hinsichtlich der Lippensynchronität. Die Gestik der Charaktere passt sehr gut zu den Dialogen, manchmal wirken jedoch die Bewegungen der Arme fast etwas übertrieben. Die Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität, lediglich für die Stimme von Sherlock Holmes selber könnte man sich etwas mehr Charakter und Dynamik wünschen. Als Hintergrundmusik wir meist Klassik geboten, wobei Piano und Violine dominieren. Jede Location hat dabei ihr eigenes musikalisches Thema, welches in einer Schleife immer wieder abgespielt wird. Wenn man irgendwo festhängt und sich so länger an einer Location aufhalten muss, kann das etwas eintönig werden, ansonsten ist die Musik aber sehr ansprechend und passend gewählt.


Gameplay

Gesteuert wird das Spiel aus der 1st-Person-Perspektive in einer 3D-Umgebung. Es gibt dabei keine Sprünge, sondern man bewegt sich flüssig und eigentlich sehr natürlich durch die teils sehr weitläufigen Locations. Obwohl eigentlich alles über die Maus gesteuert werden kann, bietet das Spiel zusätzlich eine Tastatursteuerung, die gelegentlich auch sehr praktisch ist. Neben Sherlock Holmes selber ist gelegentlich auch Watson zu spielen. Leider sind in der 3D-Umgebung und durch die 1st-Person-Perspektive nicht alle Hotspots immer leicht auszumachen und so gilt es trotz einer Karte teils doch etwas eintönige Laufarbeit zu absolvieren, insbesondere weil manche Locations relativ groß sind. Die Rätsel bewegen sich teilweise im Bereich der Mathematik und sind oftmals doch etwas anspruchsvoller, was aber gut so ist. Zudem müssen die Gedichte von Lupin entschlüsselt werden, da sie wichtige Hinweise über den jeweils nächsten Tatort enthalten. Aber auch einfache Puzzles, Inventarrätsel oder Kombinationsaufgaben sind zu bewältigen. An manchen Stellen werden dem Spieler zudem auch Fragen gestellt, welche durch eine Texteingabe zu beantworten sind, um im Spiel weiter zu kommen. Die Lösung dazu ergibt sich jeweils aus dem Spielverlauf bzw. aus den gesammelten Dokumenten. Insgesamt ist das Rätselpaket sehr stimmig, wenn auch etwas anspruchsvoller. Eine deutliche Schwäche im Gameplay ist das erforderliche Vermessen von Fußabdrücken. Es muss dabei ein Maßband über dem Abdruck ausgerollt werden, aber die Abfragen im Spiel sind sehr strikt, sodass man teilweise mehrmals versuchen muss, gelegentlich sogar den Verdacht hat, dass ein Abdruck gar nicht gemessen werden muss bzw. kann. Allerdings kommt man im Spielverlauf nicht weiter, wenn nicht alle nötigen Abdrücke vermessen wurden. Ansonsten lief das Spiel technisch absolut einwandfrei und bietet eine erfreulich hohe Spieldauer von etwa 20-25 Stunden.


Zusammenfassung

Mit „Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin“ ist Frogwares wieder ein ansprechendes Kriminaladventure gelungen. Die Story rund um den geistigen Wettkampf zwischen dem Meisterdetektiv und dem Meisterdieb ist interessant und spannend zugleich. In Bezug auf die Rätsel ist das Adventure sehr abwechslungsreich und auch anspruchsvoll, wobei die Rätsel in Menge und Schwierigkeitsgrad fast optimal dosiert wurden. Grafisch präsentiert sich das Spiel in detailreicher 3D-Umsetzung. Gesteuert wird dabei aus der 1st-Person-Perspektive, wobei zur komfortablen Maussteuerung optional auch noch die Tastatur hinzugezogen werden kann. Kleine Schwachstellen im Gameplay sind manche schwer auszumachende Hotspots und Probleme beim Vermessen von Fußabdrücken. Die Sprachausgaben sind einwandfrei und auch die Musik, überwiegend Klassik, ist stimmig. Das Spiel lief technisch einwandfrei und bietet eine Spieldauer von immerhin 20-25 Stunden. Besonders allen Freunden von Kriminaladventures im Allgemeinen und natürlich den Fans der Sherlock Holmes Reihe kann ich dieses Adventure uneingeschränkt empfehlen. Wer eher Action und eine schnell voranschreitende Geschichte in einem Spiel sehen möchte, ohne dabei noch viel nachdenken zu müssen, wir mit diesem Spiel weniger Freude haben.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Frogwares
Publisher Deep Silver / Koch Media
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 1st-Person
Steuerung/Control Point&Click + Tastatur
Altersfreigabe/Rating USK6
Anmerkungen/Remarks Tastatursteuerung optional