Review zu "Goin´ Downtown"

Nach den erfolgreichen Adventures „Simon – Chaos ist das halbe Leben“ und „Everlight“ haben The Games Company bzw. Silver Style Entertainment mit „Goin´ Downtown“ nun einen deutlich erwachseneren Titel veröffentlicht. Im düsteren New York der Zukunft müssen die Hintergründe des Verschwindens mehrerer Prostituierter aufgeklärt werden. In der Hauptrolle ein Cop, der eigentlich selber genug Probleme hat und versucht, sein Leben irgendwie wieder in den Griff zu bekommen. Eine Besonderheit dabei ist die Comic-Grafik, in der das Spiel durchgehend gehalten ist. Die Altersfreigabe liegt bei 12 Jahren (USK), wobei es dazu später noch weiterführende Anmerkungen gibt.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einer DVD-Box, welche die Spiel-DVD und das gedruckte Handbuch enthält. Darin werden auf knapp 25 Seiten alle wichtigen Infos zum Spiel vermittelt, darunter auch eine Anleitung für die ersten Minuten im Spiel, was für Genreeinsteiger hilfreich sein dürfte. Wie auf der Verpackung angekündigt, enthält das Spiel auch einen Reisegutschein in Wert von zwanzig Euro, der in Form eines Gutscheincodes im Handbuch abgedruckt ist. Übrigens wird dieses Online-Reisebüro neben einer Immobilienvermittlung auch direkt im Spiel beworben, was nicht unbedingt stört, aber auch nicht ganz unkritisch gesehen werden sollte. Davon abgesehen passen diese Reklamen nicht sonderlich gut in das Setting „New York“. Die Entwicklung „Computerspiele als Werbeplattform“ ist aber ein Thema für sich und würde den Rahmen dieses Reviews sprengen. Zurück zum Spiel, welches sich problemlos installieren ließ und die Festplatte mit ca. 1,79GB an Daten bereicherte. Beim Start des Spieles wird die DVD im Laufwerk geprüft und laut Handbuch sollte die DVD auch im gesamten Spielverlauf im Laufwerk verbleiben. Im Hauptmenü angelangt sollten zunächst die Spieloptionen angepasst werden. Neben diversen Grafikoptionen und den Lautstärken kann hier auch eingestellt werden, ob die Untertitel als normaler Text oder als comic-typische Sprechblasen ausgegeben werden sollen.

Story und Rätsel

Die Geschichte spielt im Jahr 2072 im düsteren New York der Zukunft und der Spieler schlüpft in die Rolle des Cops Jake McCorly. Nachdem seine Frau Anie bei einem Polizeieinsatz getötet wurde, stürzte Jake in ein tiefes Loch, wirft seither viele Medikamente ein und kommt weder beruflich noch privat wieder auf die Beine. Als sich eine junge Frau, welche er vor wenigen Stunden bewusstlos auf der Strasse aufgelesen hatte und in seiner Wohnung ausruhen ließ, durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben nimmt, gerät Jake einem tiefen Verbrechenssumpf auf die Spur. Bei seinen Nachforschungen stellt sich bald heraus, dass es sich bei der jungen Frau um eine Edelprostituierte handelte und ihre Verzweiflungstat offensichtlich in Verbindung mit dem Verschwinden anderer Prostituierter in der Stadt steht. Insgesamt bietet das Spiel eine unglaublich gut und fesselnd inszenierte Geschichte, die sich im Spielverlauf nach und nach zuspitzt und bis zum Ende absolut spannend bleibt. Durch den vom Spieler beeinflussbaren Wechsel zwischen Tag und Nacht bieten sich interessante Variationen der Spielumgebung. Im späteren Spielverlauf kommt auch ein sogenannter Realitätssimulator zum Einsatz, in dem praktisch die Vergangenheit detailgetreu nachgestellt wird und die Verbrechen unter Einbeziehung der Informationen der Gegenwart untersucht werden können. Die Rätsel im Spiel sind zumeist objekt- bzw. inventarbezogen und gelegentlich muss man geschickt Dialoge führen, um im Spielverlauf weiter zu kommen. Obwohl der flüssige Transport der spannenden Geschichte sicherlich davon profitiert, muss leider doch festgehalten werden, dass die Aufgaben im Spiel deutlich zu einfach sind und für erfahrene Adventurespieler wenig Herausforderung bieten. Darunter leidet letztendlich natürlich auch die Spieldauer und nach ca. 8-10 Stunden sieht man schon den Abspann. An dieser Stelle auch noch ein Hinweis auf die USK-Einstufung, die mit 12 Jahren doch sehr „nachsichtig“ ausgefallen ist. Fakt ist, dass sich trotz der Comic-Aufmachung das Spiel um Mord, Prostitution und Drogen dreht, was zumindest in den Dialogen deutlich und in entsprechender Wortwahl zum Ausdruck kommt.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Das Spiel präsentiert sich grafisch in einem besonderen Film Noir Comic-Stil, was technisch durch das sogenannte Cel-Shading (Toon-Shading) realisiert wurde. Dadurch bleiben bei den Charakteren beispielsweise die comic-typischen Konturen erhalten. Insgesamt wirkt die Grafik durchaus ansprechend, die Hintergründe sind schön gestaltet und enthalten auch einige Animationen. Besonders hervorzuheben sind jedoch die Körperanimationen von Jake, bei dem praktisch alle Aktionen (auch die Nicht-Standard-Aktionen) sehr detailreich und flüssig animiert sind. Die Personen im Hintergrund hingegen sind nur sehr einfach und eher schemenhaft dargestellt, was aber bei diesem Comic-Stil gut passt. In punkto Musik kann das Spiel mit einem stimmigen und umfangreichen Soundtrack aufwarten, der teilweise sogar Gesang beinhaltet. Auch in Bezug auf die Sprachausgaben wurde nicht gespart und so kommen beispielsweise die deutschen Synchronstimmen von Will Smith, Nicole Kidman, Jennifer Lopez oder George Clooney zum Einsatz.


Gameplay

Gesteuert wird Jake aus der 3rd-Person-Perspektive mittels einer denkbar einfachen und komfortablen Point&Click-Steuerung. Mit der linken Maustaste wird die vorgeschlagene Aktion ausgeführt und mit der rechten Maustaste ein Objekt oder eine Person näher untersucht. Sind mal etwas weitere Strecken innerhalb einer Location zu absolvieren, dann läuft Jake automatisch und über einen Doppelklick kann ein Ort schnell verlassen werden. Zudem kann man über eine direkt anwählbare Karte schnell die Locations wechseln. Das übersichtliche Inventar befindet sich am unteren Bildschirmrand, wo auch die Karte, der Tag-/Nachtwechsel und der PDA aktiviert werden können. Im PDA werden automatisch alle anstehenden Aufgaben mitgeschrieben. Wie schon aus den anderen Adventures dieses Entwicklers bekannt, können dort auch gleich bis zu drei Hilfestellungen zu einer Aufgabe angefordert werden, wenn man mal festhängt. Angesichts der durchwegs einfachen Rätsel und Aufgaben, wird diese Hilfe aber kaum zum Einsatz kommen, zumindest bei Spielern mit etwas Adventureerfahrung. Leider wurde der Spielspaß durch gelegentliche Abstürze des Spieles etwas getrübt, aber da sollte es hoffentlich auch bald einen ersten Patch geben, insbesondere weil mehrere Benutzer auch Probleme meldeten, das Spiel überhaupt zum Laufen zu bringen. Es ist daher stark zu empfehlen, dieses Thema im offiziellen Forum zum Spiel weiter zu verfolgen.


Zusammenfassung

Mit „Goin´ Downtown“ erlebt man einen düsteren und hochspannenden Sci-Fi-Thriller im New York der Zukunft, der in einem sehr ansprechenden Film Noir Comic-Stil mittels Cel-Shading-Technik umgesetzt wurde. Dieser Comic-Stil sollte aber keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass sich das Spiel um Mord, Prostitution und Drogen dreht. Obwohl dadurch ein flüssiger Transport der Geschichte sichergestellt wird, sind die Aufgaben und Rätsel leider doch allesamt sehr einfach ausgefallen und werden für Spieler mit etwas Adventureerfahrung keine nennenswerte Herausforderung darstellen. Dafür bietet das Spiel neben der besonderen Comic-Grafik einen stimmigen Soundtrack und Sprachausgaben vieler bekannter Synchronsprecher. Die Spieldauer beträgt bei etwas Adventureerfahrung etwa 8-10 Stunden. Leider wurde der Spielspaß durch gelegentliche Abstürze des Spieles etwas getrübt (Version 1.0 laut Spielmenü). Es ist jedoch stark davon auszugehen, dass es bald schon einen ersten Patch geben wird, da einige Benutzer im offiziellen Forum zum Spiel berichteten, das Spiel generell nicht zum Laufen bringen zu können.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Silver Style Entertainment
Publisher The Games Company
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective 3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks