Review zu "Still Life 2"

Knapp vier Jahre nach dem Erscheinen von Still Life, dessen Storyhintergründe damals leider keine vollständige Aufklärung fanden, wird die Geschichte um die FBI-Agentin Victoria McPherson nun fortgesetzt. Beim aktuellen Fall geht es wieder um einen Serienmörder, den von der Presse so genannten East-Coast-Killer. Allerdings soll im Spielverlauf auch auf die Handlung und Auflösung des ersten Teiles eingegangen werden. Statt der damals verwendeten 2D-Hintergründe mit 3D-Charakteren, wurde diesmal auf eine komplette 3D-Umsetzung in Echtzeit gebaut. Freigegeben ist das Spiel ab 16 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Still Life 2 kommt in einem flachen Karton mit Klappdeckel, der in seinen Farben bereits das düstere Szenario des Spieles ankündigt. Darin befindet sich die DVD-Box, in welcher sich neben der Spiel-DVD selber noch ein kleines Handbuch findet, in dem auf 12 Seiten alle wichtigen Informationen zum Spiel vermittelt werden. Besonders der Bereich mit der Spielsteuerung sollte aufmerksam gelesen werden, da es im Spielverlauf einige Möglichkeiten im Gameplay gibt. Die Installation des Spieles verlief problemlos und es wurden knapp 4GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Zusätzlich sollte gleich noch der aktuelle Patch installiert werden, der verschiedene kleine Fehler im Spiel behebt. In den Spieloptionen können neben den Grafikoptionen (Texturqualität, Antialiasing, Schattenqualität) auch getrennt die Lautstärken (Musik, Sprache, Hintergrundgeräusche) eingestellt werden. Es empfiehlt sich, die Hintergrundgeräusche in der Lautstärke etwas zurückzunehmen, da diese im Spiel oftmals übertrieben eingesetzt sind. Weiters können hier noch die Untertitel und das Hilfesystem aktiviert werden. Sobald man im Spielverlauf diverse Zwischensequenzen „erspielt“ hat, können diese über das Hauptmenü zu jedem Zeitpunkt erneut angesehen werden.

Story und Rätsel

Bereits seit mehreren Monaten verfolgt die FBI-Agentin Victoria McPherson den Serienmörder, der von der Presse bereits als der East-Coast-Killer bezeichnet wird und im Jahre 2006 mit einer Mordserie erstmals in Erscheinung trat. Dabei holen Victoria immer wieder die schrecklichen und schmerzlichen Erinnerungen an ihren Fall von 2005 ein, in dem sie auch einen Serienkiller jagte. Die Untersuchungen am aktuellen Fall werden zudem durch die Presse erschwert, insbesondere durch die rücksichtslose und aufdringliche Reporterin Paloma Fernandez. Als Fernandez aber selber vom Serienmörder entführt wird, nimmt das gemeinsame Schicksal der beiden Frauen seinen weiteren Lauf …

Der Spieler erlebt bzw. durchlebt die hochspannende Psycho-Story abwechselnd aus der Perspektive beider Frauen und kann somit tief in die Handlung eintauchen, da viele Zusammenhänge dadurch wesentlich klarer werden. Der aktuelle Fall nimmt zudem verschiedene unerwartete Wendungen und zusätzliche Spannung erhält das Spielgeschehen durch mehrere Rückblenden auf den ersten Serienmörder-Fall von Victoria, der immernoch ihre Gedanken beschwert. Diese kurzen Spielabschnitte sind aktiv spielbar und klären Schritt für Schritt die Handlung des ersten Teiles von Still Life praktisch vollständig auf. Rätseltechnisch werden dem Spieler viele unterschiedliche Herausforderungen geboten, die sich im Schwierigkeitsbereich mittelschwer bis teilweise einfach bewegen. Die durchwegs logischen Rätsel sind sehr gut in den Spielverlauf eingebettet und bremsen eigentlich niemals unnötig den Spielfluss. Der Schwerpunkt liegt bei Objekt- bzw. Inventarrätseln und einigen Code-Rätseln. Zudem gibt es mehrere zeitabhängige Aufgaben, die mit einem „Game Over“ enden können, wenn man sie nicht schafft. Allerdings sind alle diese Aufgaben als absolut fair einzustufen und nach wenigen Anläufen, manchmal sogar direkt, lösbar. Das Adventure bietet ein superspannendes und fesselndes Spielerlebnis von fast 20 Stunden, in denen man eigentlich ständig in Aktion ist, da es eigentlich keine harten Rätselnüsse gibt, die den Spielverlauf verzögern könnten. Obwohl der grundlegende Handlungsverlauf der Story linear ist, gibt es für die Lösung mancher Rätsel und Aufgaben durchaus verschiedene Ansätze und Lösungswege.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Im Gegensatz zum ersten Teil wurde diesmal auf eine komplette 3D-Umsetzung in Echtzeit gebaut, die soweit auch gut funktioniert. Der Detailgrad der Locations ist ansprechend, nur mehr Hintergrundanimationen wären wünschenswert. Abgesehen von den Rückblenden spielt sich der Hauptteil der Geschichte in einem bzw. um ein abgelegenes, altes Haus herum ab. Sämtliche Effekte wie Schattenwurf, Lichteinfälle oder Feuer wurden dabei einwandfrei umgesetzt. Was die Animation der Charaktere angeht, hätte das Spiel jedoch noch einigen Feinschliff vertragen können. Besonders störend fällt die kaum vorhandene Lippensynchronität auf. Manchmal bewegt sich die Spielfigur auch nicht exakt zu den angeklickten Stellen, was letztendlich zu einer unpräzisen Steuerung führt und gerade in den zeitabhängigen Sequenzen etwas unangenehm auffällt. Was an mancher Stelle auch störend auffiel, war der plötzliche Einbruch der Performance, wo die Spielfiguren extrem langsam wurden, praktisch wie in Zeitlupe. Abhilfe kann man sich in diesem Fall verschaffen, indem man über das Hauptmenü Grafikeinstellungen kurz ändert und wieder zurückstellt, dann läuft das Spiel wieder einwandfrei, auch bei höchsten Grafikoptionen. Ein wahrer Leckerbissen sind die hervorragend gestalteten Zwischensequenzen, welche in Form von vorgerenderten Videos den Spielverlauf auflockern. Über das Hauptmenü kann man sich alle erspielten Zwischensequenzen übrigens jederzeit wieder ansehen.

Unterstützt wird die Atmosphäre im Spiel durch stimmige Hintergrundmusik, wobei die Anzahl der Musikstücke zwar nicht üppig ausgefallen ist, aber ausreichend und passend eingesetzt. Mit den Hintergrundgeräuschen haben es die Entwickler wohl etwas zu gut gemeint und diese deutlich überzeichnet zum Einsatz gebracht. Hier empfiehlt es sich durchaus, den Lautstärkenregler für diese Geräusche etwas zurückzunehmen. Die Besetzung der deutschen Sprecher ist auch sehr gut gelungen, lediglich bei Victoria gibt es leider deutliche Abweichungen im Stimmbild. Bei einigen Kommentaren zu bestimmten Aktionen ist eine klare Abweichung in der Stimme herauszuhören. An mancher Stelle entstand sogar der Eindruck, dass diese Sätze erst nachträglich und von einer anderen Sprecherin aufgenommen wurden. Insgesamt aber hinterlässt das Spiel grafisch und soundtechnisch einen sehr guten Eindruck.

Gameplay

Gesteuert werden Victoria McPherson und Paloma Fernandez aus der 3rd-Person-Perspektive, mit einem reinen Point&Click-Interface, welches aber kleine Besonderheiten aufweist. Zunächst ist da das Inventar, welches wie bei den meisten Adventures nicht unbegrenzt Platz bietet, was ja irgendwie auch der Realität entspricht. Anstatt einer einfachen Einschränkung in der Anzahl der aufnehmbaren Gegenstände, hat man hier einen etwas anderen Weg gewählt. Das Inventar bietet Platz für 16 Felder in einer Anordnung 4x4. Abhängig von seiner Größe beansprucht jeder Gegenstand eine gewisse Anzahl und auch Form von Feldern. So nimmt beispielsweise ein Feuerlöscher ganze 8 Felder (2x4) ein und füllt somit gleich das halbe Inventar. Kleinere Gegenstände, wie etwa ein Mobiltelefon oder ein Schlüssel, nehmen jeweils nur ein Feld im Inventar ein. Um aber nicht alle gefundenen Objekte über alle Locations verstreut herumliegen lassen zu müssen, gibt es an manchen Stellen Schränke oder Regale, in denen die Gegenstände gelagert werden können. Hier stellt sich sicherlich die Frage, ob man dies wirklich so „realitätsnah“ umsetzen musste, allerdings ist es auch kein Beinbruch. Unnötig umständlich hingegen gestaltet sich das Kombinieren von Inventarobjekten, da man diese nicht einfach durch Aufeinanderziehen verbinden kann, sondern dies über separate kombinieren/trennen Icons erledigen muss. Abhängig von den gesammelten Objekten, erlangen die Spielfiguren zusätzliche Fähigkeiten, wie etwa Schlösser knacken, heilen oder zerstören. Eigentlich ergeben sich diese Fähigkeiten bereits aus den aufgenommenen Gegenständen und Werkzeugen, aber so werden sie eben zusätzlich noch mal angezeigt.

Das Spiel enthält auch manche Abschnitte, in denen Beweise aufgenommen und analysiert werden müssen, ähnlich wie man es etwa aus den CSI-Spielen kennt. Der Umfang dieser Aufgaben, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen, passen gerade noch in den Rahmen des Spieles, mehr davon hätten es allerdings nicht mehr sein dürfen. Daraus ergeben sich mitunter auch die vielen verschiedenen Mauszeiger-Symbole (insgesamt 15 mögliche Aktionen), da es auch für diese Beweisaufnahme an den verschiedenen Hotspots eigene Mauszeiger gibt. Alle entsprechenden Werkzeuge und Analysetools finden sich im sogenannten CSIA-Kit. Beide Charaktere haben jeweils auch ein elektronisches Gerät (Smartphone oder Diktiergerät), auf dem wichtige Hinweise und Dokumente gespeichert werden. Weiters werden in diesen Geräten auch die noch zu erledigenden Aufgaben in einer Liste mitgeführt. Wenn man einmal festhängen sollte, kann man sich zu jeder Aufgabe einen kleinen Hinweis geben lassen, eine Art Hilfesystem also. Allerdings muss festgehalten werden, dass diese Angaben nicht sehr konkret sind und wenn man beispielsweise bei einem Coderätsel selber nicht auf die Lösung kommt, ist diese Hilfe auch nicht sonderlich hilfreich. Zudem kann Victoria ihr Smartphone natürlich auch für Telefonate nutzen, was man gelegentlich tun sollte, um neue Infos von ihrer Freundin und Kollegin Claire zu erhalten.

Um das Spiel noch spannender zu gestalten, gibt es einige zeitabhängige Aufgaben, meistens wenn man sich aus einer gefährlichen Situation befreien muss. Diese Aufgaben erkennt man durch die Einblendung einer Zeitanzeige rechts oben und die veränderte Soundkulisse. Kann man die Aufgabe nicht in der vorgegebenen Zeit lösen, stirbt man und muss einen alten Spielstand laden. Darum empfiehlt sich ein regelmäßiges Speichern des Spielstandes. Vor den meisten gefährlichen Szenen wird zwar auch automatisch gespeichert, aber nicht unbedingt an allen. Leider ist das manuelle Speichern etwas umständlich (mehrere Klicks nötig) und eine Schnellspeicherfunktion wird im Spiel nicht geboten. Dafür bietet das Spiel uneingeschränkten Platz für Savegames, aber Vorsicht, die einzelnen Savegame-Files sind bis zu 11MB groß und schnell hat man 1GB und mehr an Savegames auf der Festplatte. Neben den zeitabhängigen Sequenzen kann man sich im Spiel auch verletzen, was durch eine rote Einfärbung des Bildschirmrandes erkennbar ist. In diesem Falle kann man eines der im Spiel aufzufindenden Medipacks anwenden, um sich wieder zu heilen. Hat man sich jedoch nicht geheilt und verletzt sich erneut, stirbt man ebenfalls und muss wieder einen alten Speicherstand laden. Allerdings sind sowohl die zeitabhängigen Aufgaben, als auch die Gefahr von Verletzungen, keine unüberwindbaren Herausforderungen und der Spielatmosphäre insgesamt auf jeden Fall zuträglich. Ein kleiner Schwachpunkt sind gelegentliche Fehler, bei denen man eigentlich geschlossene Türen trotzdem passieren kann oder an einer Stelle, wo man eigentlich verletzt werden müsste, ungeschoren davon kommt. Es entstanden daraus aber keine Folgefehler oder gar Sackgassen im Spiel, somit kann man darüber hinweg sehen.

Zusammenfassung

Still Life 2 überzeugt in erster Linie durch seine Atmosphäre und die extrem spannende Story, die im Spielverlauf verschiedene, unerwartete Wendungen nimmt. Die Sichtweise von zwei verschiedenen Charakteren, die abwechselnd gespielt werden, vertieft das Spielerlebnins, da man dadurch die Zusammenhänge wesentlich besser erkennt. Die grafische Umsetzung komplett in 3D ist absolut ansprechend und der Detailgrad angemessen. Lediglich der Mangel an Hintergrundanimationen trübt dein Gesamteindruck der Locations. Auch die Animation der Charaktere hätte mehr Feinarbeit vertragen, wobei die auffälligste Schwachstelle eindeutig die praktisch nicht vorhandene Lippensynchronität ist. Bezüglich Vertonung bietet das Spiel ansprechende Musikstücke, die nicht gerade in üppiger Zahl vorhanden sind, aber soweit ausreichend sind, um die Atmosphäre gut zu untermalen. Die Hintergrundgeräusche wurden wohl etwas übertrieben eingesetzt, aber das kann man über die getrennte Lautstärkenregelung ausgleichen. Technisch lief das Spiel mit dem installierten Patch soweit einwandfrei, lediglich einige Performance-Hänger waren zu verzeichnen. Mit einer Spieldauer von knapp 20 Stunden bei einer hochspannenden Story mit zahlreichen Aufgaben und Rätseln, sollte man sich dieses Adventure auf keinen Fall entgehen lassen, da zudem im Verlauf des Spieles auch das offene Ende des ersten Teils von Still Life aufgelöst wird.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Gameco Studios
Publisher Rondomedia
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK16
Anmerkungen/Remarks