Review zu "Diamonds in the Rough"

Entwickelt und veröffentlicht wurde dieses Independent-Adventure von den in Griechenland sitzenden Atropos Studios unter der Leitung von Alkis Polyrakis, der sich schon mit dem Freeware-Adventure „Other Worlds“ einen Namen in der Szene machte. Das auf dem Adventure Game Studio (AGS) erstellte Spiel steht ganz klar unter dem Motto „von Adventure-Fans für Adventure-Fans“ und orientiert sich an klassischen Adventures. Vorerst ist es nur in englischer Sprache erhältlich.

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einer einfachen DVD-Box, welche die Spiel-CD und ein kleines Beiblatt mit einführenden Worten des Entwicklers enthält. Dieses unscheinbare Beiblatt sollte man unbedingt aufheben, da es im späteren Spielverlauf noch zum Einsatz kommen wird (Kopierschutz wie aus alten Adventures bekannt). Die eigentliche Anleitung zum Spiel befindet sich als PDF-Datei auf der CD und vermittelt auf 19 Seiten alle wichtigen Infos zum Spiel. Da das Adventure interessante Besonderheiten im Gameplay aufweist ist es ratsam, diese Anleitung auch aufmerksam zu lesen. Die Installation des Spieles verlief problemlos und so wurden knapp 340MB auf die Festplatte übertragen. Einstellbare Optionen im Spiel selber gibt es keine. Darum kann man leider auch keine Lautstärken (Sprache/Musik) separat einstellen. Die grundlegenden Einstellungen des AGS können über die Datei „winsetup.exe“ im Spielverzeichnis geändert werden, wobei das Spiel mit den Voreinstellungen aber einwandfrei laufen sollte.


Story und Rätsel

Der Einstieg in das Spiel ist etwas ungewöhnlich, da er den unabwendbaren Tod des Protagonisten, nicht aber den vollständigen Ausgang der Geschichte, vorwegnimmt. Jason Hart, ein 20-jähriger junger Mann aus Amerika, hat starkes Gift zu sich genommen, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Während er dem Tod entgegen sieht, erzählt er in Rückblenden seine unglaubliche Geschichte und was ihn dazu bewegte, sich das Leben zu nehmen. Alles begann, als Jason von einem älteren Mann angesprochen wurde und ein interessantes Angebot für einen Job erhielt. Bis dahin war Jason, der die Highschool abgebrochen hatte, nicht sonderlich erfolgreich im Leben und arbeitet als Hilfskraft in einem Büro. Der ältere Herr behauptete, dass Jason über besondere geistige Fähigkeiten verfüge und diese von seiner Einrichtung namens „Diamonds in the Rough“ untersucht und gefördert würden. Dafür bekommt Jason ein sattes Gehalt und auch eine ansprechende Wohngelegenheit. Allerdings gibt es auch drei nicht unwesentliche Bedingungen im Vertrag: die Laufzeit beträgt 5 Jahre und in dieser Zeit darf Jason das Gelände der Einrichtung nicht verlassen und auch keinerlei Kontakt zur „Außenwelt“ unterhalten. Da Jason ohnehin keinen aussichtsreichen Job hatte und kaum soziale Kontakte pflegte, willigte er nach kurzem Zögern schließlich ein und nahm das Angebot an. Schon kurz darauf wurde er auf das Gelände von „Diamonds in the Rough“ gebraucht, wobei streng darauf geachtet wurde, dass Jason nicht mitbekommt, wo sich dieses befindet. Die erste Zeit verlief völlig reibungslos. Alles war so, wie von Mr. Hungerton damals versprochen und Jason musste lediglich manche Untersuchungen oder Tests über sich ergehen lassen. Neben Jason gab es noch weitere junge Menschen dort, die allesamt auch über irgendwelche besonderen Fähigkeiten verfügten und hier angestellt waren. Schon bald konnte Jason erste Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen. Alles schien perfekt, bis Jason eines Tages eine verwirrende und zugleich erschreckende Entdeckung in seinem Haus machte …

Wie es in der hochspannenden Geschichte weitergeht soll hier auf keinen Fall, nicht einmal andeutungsweise, verraten werden, da es einfach eine Schande wäre, etwas davon vorwegzunehmen. Nur wenige Adventures der letzten Jahre hatten eine derart tiefgehende, interessante und fesselnde Geschichte, die zugleich aber auch nicht unnötig komplex ist. Unterstützt wird die Geschichte von stimmigen Rätseln, die durchaus anspruchsvoll, aber immer fair sind. Der Schwerpunkt liegt bei Objekt- und Inventarrätseln, aber auch Codes müssen gelegentlich geknackt werden. Neben dem klassischen Inventar gibt es noch ein Inventar mit den Gedanken von Jason, die mit anderen Gedanken, Objekten oder Personen kombiniert wieder neue Erkenntnisse bringen. Insgesamt bietet das Spiel eine hervorragende Geschichte und anspruchsvolle Rätsel, eigentlich die zwei wichtigsten Zutaten zu einem guten Adventure-Spiel. Die Spieldauer sollte je nach Spielerfahrung bei mindestens 10 Stunden liegen. Das Spiel ist komplett in Englisch, verfügt über vollständige Untertitel und sehr deutliche gesprochene Sprachausgaben. Trotzdem sollte man als Spieler über gute Englischkenntnisse verfügen, um das Spiel auch voll verfolgen zu können.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel eher schlicht, wobei die Hintergrundgrafiken grundsätzlich sehr schön gestaltet sind, wie die Screenshots zeigen. Leider aber gibt es praktisch keine Hintergrundanimationen oder Grafikeffekte. Auch die Animation der Charaktere ist eher grobmotorisch, lediglich die Gesichtsausdrücke von Jason im Intro wirken ausgefeilt und vermitteln sehr gut sein Befinden. Insgesamt also ist die Grafik eher schwach, was aber angesichts der tollen Story leicht zu verschmerzen ist. Davon abgesehen entschädigt auch die Musik, die mit mehreren abwechslungsreichen Musikstücken von Nikolas Sideris die Atmosphäre im Spiel toll unterstützt. Auch die englischen Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität und in sehr gut verständlichem Englisch eingesprochen.


Gameplay

Gesteuert wird Jason aus der 3rd-Person-Perspektive mit einer reinen Point&Click-Steuerung. Über die rechte Maustaste werden dabei die möglichen Aktionen (gehen, betrachten, nehmen, sprechen, benutzen) durchgeschalten und mit der linken Maustaste aktiviert. An mancher Stelle erschien das Durchklicken der Aktionen etwas umständlich, aber das ist kein wesentliches Problem. Über zwei Icons am oberen Bildschirmrand können das Objektinventar und das Gedankeninventar aufgerufen werden. Die dort ausgewählten Objekte/Gedanken können dann mit anderen Objekten, Gedanken, Personen oder Hotspots kombiniert werden. Etwas unpraktisch ist die Textanzeige zu den Hotspots, welche nicht an der Stelle der Hotspots bzw. des Mauscursors, sondern immer nur in der rechten oberen Bildschirmecke angezeigt wird. Sehr praktisch hingegen ist die Verwendung des Mausrades, mit dem alle Gedanken direkt durchgescrollt werden können, um sie mit anderen Personen schnell besprechen zu können. Der aktuelle Spielfortschritt wird anhand von Punkten, wie beispielsweise in alten Sierra-Adventures, angezeigt und man kann sich grob orientieren, wie weit man bereits ist. Im Spielverlauf kann frei gespeichert und geladen werden, was sehr komfortabel über die entsprechenden Icons am oberen Bildschirmrand erfolgt.


Zusammenfassung

Besonders hinsichtlich der Story und der Rätsel ist „Diamonds in the Rough“ ein hervorragendes Adventure, welches man auch unbedingt spielen sollte, sofern man die dafür nötigen Englischkenntnisse mitbringt und hauptsächlich eine fesselnde Story bei einem Adventure wichtig findet. Grafisch ist dieses Independent-Adventure nämlich eher schwach ausgefallen. Obwohl die Hintergründe ansich gut gestaltet sind, fehlen doch die Hintergrundanimationen und auch die grobmotorischen Bewegungen der Charaktere hinterlassen keinen besonderen Eindruck. Musikalisch kann das Spiel hingegen mit abwechslungsreichen und stimmigen Musikstücken wieder punkten. Auch die Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität und in sehr deutlichem Englisch eingesprochen. Bei teilweise anspruchsvollen, aber immer fairen Rätseln, kann man ein tiefgehendes Spielerlebnis von mindestens 10 Stunden erwarten.

English Summary

The interesting story and puzzles make „Diamonds in the Rough“ an excellent adventure game, which I strongly recommend anyone to play, who considers story and puzzles the most important component in an adventure game. In terms of graphics this independent game unfortunately cannot compete with actual games. The backgrounds actually are nicely designed, however there are no background animations and also the rough animation of the characters does not leave a good impression. The musical scores on the other hand are working well and come in big variety. Also the voice-overs are of high quality and the English spoken is very clear and easy to be understood. The game has several demanding puzzles, which always keep fair though. It takes about 10 hours upwards to finish this adventure game and you can expect a lasting gaming experience.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Atropos Studios
Game Homepage
Diamonds in the Rough
Plattform/Platform PC (CD)
Perspektive/Perspective
3rd-Person
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating  
Anmerkungen/Remarks derzeit nur in Englisch erhältlich