Review zu "Experience 112"

Die Entwickler Lexis Numérique sind spätestens nach den beiden Teilen von „In Memoriam“ bekannt für außergewöhnliche Adventure-Titel und auch ihr neuestes Werk verspricht ein besonderes Erlebnis. Die Zielsetzung der Entwickler ist es, den Spieler aktiv und selber in das Spielgeschehen mit einzubeziehen und ihm nicht einfach nur eine Geschichte vorzuspielen, bei der er nur Charaktere steuert. Ob dies mit diesem Adventure auch wirklich wieder gelingt, soll dieses Review aufzeigen. Freigegeben ist das Spiel ab 12 Jahren (USK).

Verpackung, Handbuch und Installation

Das Spiel kommt in einer entsprechend dem Spiel eher ungewöhnlichen, aber sehr ansprechenden Verpackung. In einer festen Kartonhülle befindet sich eine faltbare DVD-Box, welche die Spiel-DVD sowie das Handbuch enthält. Auf etwa 20 Seiten werden darin sehr ausführlich und interessant geschrieben alle wichtigen Informationen zum Spiel vermittelt, sodass man gleich richtig gespannt auf das Spiel ist. Die Installation verlief völlig problemlos und so wurden ca. 1.37GB an Daten auf die Festplatte übertragen. Die Systemanforderungen sind durch die Echtzeit-3D-Grafiken relativ hoch, wodurch man mindestens ein System mit 2GHz @ 1GB RAM mit einer 128MB-Grafikkarte (DirectX 9.0c) haben sollte. Beim Starten des Spieles wird die DVD im Laufwerk abgefragt, bevor man in das Hauptmenü gelangt. Dort können dann auch die Grafik- und Spieloptionen eingestellt werden. Leider sind die Menüs dafür etwas unübersichtlich und somit gewöhnungsbedürftig.

Story und Rätsel

Das Intro zum Spiel zeigt ein Forschungsschiff, welches anscheinend verlassen und teilweise bereits von Pflanzen überwuchert an der Küste einer kleinen Insel festliegt. Aber der Schein trügt, denn an Bord des Schiffes befindet sich noch mindestens eine Person. Über eine Kamera beobachten wir Lea Nichols, eine junge Forscherin, die gerade aus einem langen Schlaf erwacht und zunächst keine Ahnung hat, was mit dem Schiff und ihren Kollegen geschehen ist. Bald schon bemerkt sie, dass wir sie über die Kamera beobachten und sie versucht Kontakt mit uns aufzunehmen. Nach und nach führt sie uns in die Funktionen des Computersystems auf dem Schiff ein und wir übernehmen die Kontrolle und führen Lea, um die Geschehnisse aufzuklären und sie aus dem Schiff zu befreien. Durch das gezielte Ein- und Ausschalten von verschiedenen Lichtquellen über das Computersystem, führt der Spieler Lea durch das Schiff und beobachtet sie dabei über die unzähligen Kameras, wobei Lea manchmal durchaus auch ihren eigenen Kopf hat. Zudem erhält man nach und nach Zugriff auf Dateien und Mails der anderen Mitglieder des Forschungsteams, welche wichtige Informationen über die Ereignisse auf dem Schiff enthalten und neue Kennwörter preisgeben, mit denen wiederum weitere Funktionen aktiviert oder Informationen freigeschalten werden können. Die Hauptaufgabe liegt also dabei, Lea durch das Schiff und später weitere Locations zu lotsen, versteckte Hinweise zu finden und verschlüsselte Informationen zu dekodieren, um damit nach und nach Licht in ihre Vergangenheit zu bringen. Insgesamt beginnt die Geschichte zunächst sehr spannend und es ist auch sehr interessant, das Schiff zu erkunden. Leider aber entwickelt sich das Ganze aber dann zu stark in eine Fantasy-Richtung und wird einfach zu utopisch und absurd. Erschwerend kommt hinzu, dass das zunächst eigentlich interessante Gameplaykonzept dann doch eintönig und ermüdend wird, weil man natürlich keine direkten Interaktionsmöglichkeiten hat und Lea sich nur sehr gemächlich bewegt. Auch der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben ist nicht sonderlich hoch, wobei sich die Lösungen oft direkt aus den vielen zu lesenden Dokumenten und Mails ergeben.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Grafisch präsentiert sich das Spiel wie ein Computer-Desktop, auf dem die Fenster beliebig angeordnet werden können. Zunächst sind da die Fenster für den Zugriff auf die Computersysteme auf dem Schiff, die eigentlich unspektakulär nur Texte und vereinfachte Karten darstellen. Ergänzt werden diese durch die Kamerafenster, über welche man das Bild von bis zu 3 verschiedenen Kameras auf dem Schiff und weiteren Locations gleichzeitig beobachten kann. Hier kommt eine Echtzeit-3D-Grafik zum Einsatz, die ihren Zweck ganz gut erfüllt, aber auch nicht wirklich besticht, wie die Screenshots zeigen. Durch diverse Software-Updates, die man im Spielverlauf erhält, können die Kamera-Funktionen erweitert werden, sodass u.a. auch Infrarot-Bilder, Schärfe oder Zoom möglich sind. Im letzten Spielabschnitt hat Lea dann auch eine Kamera auf ihrer Schulter, über welche man ihre Aktionen noch direkter verfolgen kann. Aufgelockert wird der Spielverlauf durch mehrere vorgerenderte Zwischensequenzen, die als eine Art Rückblick oder Erinnerung von Lea umgesetzt sind. Der Soundtrack zum Spiel ist abwechslungsreich und passt sehr gut zum Setting und zu den Locations. Auch die Sprachausgaben, zumeist ist ja nur Lea zu hören, sind von einwandfreier Qualität. Ein kleiner Hinweis für Lost-Fans: Lea Nichols hat die deutsche Stimme von Kate.


Gameplay

Direkt gesteuert wird in diesem Spiel eigentlich nicht, es werden Lea Nichols eher Hinweise bzw. Hilfestellungen über das Computersystem des Schiffes gegeben. Primäre Aufgaben dabei sind das Ein- und Ausschalten von Lichtquellen, um ihr den Weg zu weisen. Über die Daten im Computersystem können wichtige Hinweise und neue Kennwörter gefunden werden, mit denen diverse Maschinen aktiviert oder neue Informationen freigeschalten werden können. Mache dieser Daten sind verschlüsselt, allerdings lassen sich alle Entschlüsselungsmethoden durch sorgfältiges Lesen der Dokumente einfach herausfinden. Gelegentlich sind auch Maschinen direkt zu steuern, wie beispielsweise ein kleiner Roboter oder ein riesiger Kran. Alle diese Aufgaben werden im Spielverlauf klar erläutert und stellen kein Problem dar. Nur eine Sequenz, bei der mit einer Tauchkapsel navigiert werden muss, lässt den Spieler etwas im Stich, aber auch dieser Abschnitt ist mit etwas Geduld zu bewältigen. Alle Aufgabenstellungen werden in einem Audioprotokoll festgehalten und bei Bedarf kann sich der Spieler auch über einen Hilfe-Button helfen lassen. Generell ist der Spielverlauf sehr schleppend und wird mit zunehmenden Spieldauer immer eintöniger, was bei etwa 20 Stunden Spieldauer schon ermüdend sein kann. Da auch die Story nicht unbedingt fesselnd ist, eignet sich der Titel bestens zum Spielen über mehrere Wochen hinweg in kleinen Stücken. Leider sieht die Speicher- und Ladefunktion neben einem Autosave-Slot nur 7 Slots zum freien Speichern von Spielständen vor, was einfach zu wenig ist und nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht. Schön hingegen ist die Tatsache, dass Lea mit einem entsprechenden Kommentar kommt, wenn man länger nicht gespielt hat und einen Spielstand lädt, sie quasi längere Zeit alleine gelassen hat.


Zusammenfassung

Experience112 ist sicherlich ein interessanter Titel, der allerdings über die gesamte Spieldauer (ca. 20 Stunden) schnell eintönig werden kann, da einfach aufgrund des Settings die Interaktionsmöglichkeiten und somit die Vielfalt für Aufgaben und Rätsel fehlen. Durch die vielen verschiedenen kleinen Fenster auf dem Bildschirm ist das Handling des Spieles zumindest anfangs doch sehr gewöhnungsbedürftig. Auch die zunächst eigentlich spannende Story entwickelt sich leider zu stark in Richtung Science-Fiction oder Fantasy. Die Echtzeit-3D-Grafik im Spiel ist schön gestaltet und erfüllt ganz gut ihren Zweck, mehr aber auch nicht. Der Soundtrack zum Spiel ist abwechslungsreich und passend zum Setting und den Locations. Die Sprachausgaben sind von einwandfreier Qualität, wobei überwiegend ohnehin nur Lea Nichols zu hören ist. Insgesamt ist das Spiel nur eingeschränkt zu empfehlen. Wer sich für ein ungewöhnliches Spiel interessiert und dafür einen schleppenden Spielverlauf mit eingeschränkten Interaktionsmöglichkeiten in Kauf nimmt, der sollte dieses Adventure aber durchaus ausprobieren. Die Entwickler haben mit diesem Titel auf jeden Fall wieder ein innovatives Spiel geschaffen, das aber sicher nicht an die beiden Teile von „In Memoriam“ herankommt und auch nicht unbedingt für die breite Masse der Adventure-Spieler tauglich ist.

Spiel-Datenblatt / Game-Datasheet

Entwickler/Developer Lexis Numérique
Publisher Xider Games / Game Homepage
Plattform/Platform PC (DVD)
Perspektive/Perspective
siehe Gameplay
Steuerung/Control Point&Click
Altersfreigabe/Rating USK12
Anmerkungen/Remarks