Demo-Episode der Casebook-Reihe getestet

Bei der Casebook-Reihe handelt es sich um ein Casual-Adventure (also ein einfaches Adventure für Gelegenheitsspieler) mit FMV-Technik (full motion video). Hauptaugenmerk liegt dabei sicherlich in der Erzählung von interessanten Kriminalfällen im Episodenformat, wie man dies auch aus diversen Fernsehserien kennt. In der kostenlosen Demo-Episode kann man sich das Spielprinzip ansehen und einen kurzen Fall rund um eine verschwundene Urne durchspielen. Diese Demo-Episode kann auf der Casebook-Homepage kostenlos heruntergeladen werden. Der Download umfasst knapp 400MB und durch die Ausführung des Installationsfiles werden dann ca. 465MB an Spieldaten auf die Festplatte installiert. Ein separates Handbuch in Form einer Datei ist nicht vorhanden, da alle wichtigen Infos später direkt im Spiel vermittelt werden bzw. über eine Hilfetaste dort aufgerufen werden können. Im sehr übersichtlichen Hauptmenü können über die Optionen die englischen Untertitel und die Empfindlichkeit der Maus (entspricht später auch der Drehgeschwindigkeit in der 1st-Person-Ansicht) eingestellt werden. Bevor man sich in den Mini-Fall stürzen kann, muss über das Menü noch ein Spielerprofil angelegt werden, auf dem später automatisch der aktuelle Spielstand gespeichert wird. Diese Profile werden übrigens global angelegt und in den Folgeepisoden dann automatisch übernommen.

Story und Rätsel

In der Casebook-Reihe schlüpft der Spieler in die Rolle eines forensischen Ermittlers, der unter der Leitung von Detective James Burton bei der Aufklärung verschiedener Kriminalfälle mitwirkt. Der aktuelle Fall mit dem Titel „The Missing Urn“ spielt sich im Hause von Burtons Tanten Maggie und Elaine ab. Die Urne mit der Asche von Maggies verstorbenen Mann ist verschwunden und muss wieder gefunden werden. Wie gesagt, es handelt sich hierbei nur um eine Demo-Episode. In den folgenden Episoden geht es dann um „richtige“ Kriminalfälle, wie etwa Entführungen oder Mord. Der eigentliche Hauptcharakter in Casebook ist Detective James Burton, der uns als leitender Ermittler mehr oder weniger klare Anweisungen gibt. Er ist es auch, der später die Gespräche mit den Zeugen und Verdächtigen führt, was wir eher passiv verfolgen müssen. Grundsätzlich ist der Aufbau des Spieles sehr linear.

Unsere Aufgabe besteht hauptsächlich darin, den Keller des Hauses genauestens zu untersuchen und diverse forensische Analysen der gefundenen Spuren durchzuführen. Das Aufsuchen der Spuren erfolgt ausschließlich mit Hilfe einer Kamera, über deren Sucher und Zoomfunktion der Schauplatz genauestens abgesucht werden muss. Hat man einen interessanten Gegenstand oder eine Spur gefunden, kann man abdrücken. Nicht ganz realistisch, da insbesondere DNA-Spuren ja wirklich vor Ort aufgenommen werden müssen und ein Bild dazu nicht ausreichend ist. Die Kamera bietet zudem nur Platz für 8 Bilder, danach muss man in das mobile Labor, um die Bilder auszuwerten. Weitere Analysen erfolgen dann auch dort. Die gefundenen Hinweise werden in einem Ordner verwaltet und können dort untereinander verknüpft werden, sofern es Zusammenhänge bei den Spuren gibt. Danach wiederholt sich der Vorgang im Prinzip, man macht also weitere 8 Bilder am Schauplatz mit seiner Kamera, kehrt wieder zum mobilen Labor zurück und wertet diese aus. Abhängig davon, welche Beweise und Verknüpfungen man bereits gefunden hat, wird die Geschichte Stück für Stück weiter vorangetrieben. Adventuretypische Herausforderungen wie Inventar und Rätsel fehlen, trotzdem fühlt man sich durch seine Aufgaben und den permanenten Austausch mit James Burton durchaus als Teil des Geschehens. Durch seinen starken Casual-Game-Einfluss bietet die Demo-Episode praktisch keine Herausforderungen für den Spieler und innerhalb von höchstens 1,5 Stunden hat man den Fall auch schon gelöst.

Grafik, Sound und Sprachausgabe

Es ist sehr erfreulich, wieder einmal ein FMV-Adventure auf dem Markt zu sehen, welches zudem hinsichtlich der Videos ansprechend umgesetzt wurde. Die Schauspieler sind alle überzeugend besetzt. Manche der Videos nehmen fest den ganzen Bildschirm ein, aber es gibt auch Sequenzen, die in etwas kleineren Fenstern dargestellt werden. Dafür kann man in diesen Fenstern dann selber über die Maus den Blickwinkel der Kamera leicht verändern, was einen irgendwie noch etwas näher an das Spielgeschehen rücken lässt. Auch die fotorealistische Grafik im Keller mit flüssiger 360° Rundumsicht wurde mittels der eigens entwickelten Areograph-Technik eindrucksvoll umgesetzt. Die Charaktere sprechen eigentlich ein sehr gut verständliches Englisch und wer sprachlich nicht ganz sattelfest ist, kann sich zusätzlich auch die optionalen Untertitel einblenden.

Gameplay

Gesteuert wird aus der 1st-Person-Perspektive und es gibt nur zwei grundlegende Tätigkeiten, nämlich das Aufnehmen der Spuren mit seiner Kamera und später das Analysieren der gefundenen Hinweise. Dazu pendelt man praktisch immer zwischen dem Keller und dem mobilen Labor, welches sich ein einem Kleintransporter vor dem Haus befindet. Nach dem Intro des Spiels befindet man sich im Keller. Dort sollen mittels Kamera die ersten Spuren aufgenommen werden. Das Spiel bietet ein automatisches Tutorial, welches den Spieler durch die ersten Minuten des Spieles führt, was sehr effizient funktioniert. Später kann man jederzeit über die F1-Taste Hilfe zur aktuellen Aufgabe aufrufen. Innerhalb der Location kann man sich entweder mit reiner Maussteuerung oder alternativ zusätzlich mit Tastatursteuerung (WASD) umsehen. Sobald man etwas von Interesse gefunden hat, wird die Kamera aktiviert und über den Sucher mit Zoomfunktion wird das Objekt bzw. die Spur angepeilt. Dabei muss beachtet werden, dass man sich nicht zu nahe und auch nicht zu weit entfernt befindet, sonst sind manche Spuren erst gar nicht sichtbar oder die Aufnahme ist unbrauchbar und wird verworfen. Dadurch ist man dazu angehalten, sich innerhalb des Kellers zu bewegen und ihn aus verschiedenen Perspektiven zu durchsuchen. Wenn man alles sorgfältig durchsucht hat, aber trotzdem nicht mehr weiterkommt, kann man die sogenannte Intuitions-Taste (I) drücken, die einem hilft, eventuell übersehene Spuren oder Objekte zu lokalisieren. Hat man 8 Bilder mit der Kamera geschossen, ist diese leider auch schon wieder voll und man muss zwangsläufig in das mobile Labor, um die Bilder auf den Computer zu übertragen und dort auszuwerten.

Zum Auswerten der Bilder werden diese der Reihe nach im Computer gesichtet, wobei unwichtige Bilder automatisch vernichtet werden. Alle relevanten Bilder können dann weiter analysiert werden, wozu ein paar kleine Minispiele zum Einsatz kommen. Beispielsweise müssen DNA-Stränge separiert, eine chemische Probe erhitzt, Fingerabdrücke ausgewertet oder eine Zentrifuge gedreht werden. Alle diese Tätigkeiten sind sehr einfach, laufen immer nach dem gleichen Schema ab und wiederholen sich häufig. Dadurch fehlen sowohl die Abwechslung als auch die Herausforderung für den Spieler. Nach abgeschlossener Analyse werden die erhaltenen Fakten in Form von Bildern auf einen Stapel übertragen. Von dort können die Bilder dann einzeln in das Ermittlungsbuch gezogen und dort frei arrangiert werden. Gesammelte Spuren, die eine mögliche Verbindung zu anderen Hinweisen haben, werden durch ein Ketten-Symbol gekennzeichnet. Bringt man zwei solche Hinweise übereinander, wird die Verbindung automatisch hergestellt. Da es immer nur wenige Möglichkeiten gibt, kommt hier die Trial&Error-Methode zum Einsatz, wodurch auch diese Tätigkeit keine Herausforderung darstellt.


Um den Überblick über den aktuellen Ermittlungsstand zu behalten, kann man über die Leertaste ein Logbuch aufrufen. Dort sieht man die bisherigen Videoclips der involvierten Personen, eine Karte des Schauplatzes und die noch ausstehenden Beweise. Die Aufgaben sind halbwegs klar dargestellt und man gezielt nach den jeweiligen Spuren suchen. Man muss sich dabei auch keine großartigen Gedanken machen, da man eigentlich keine Fehler machen kann. Erst wenn man alle relevanten Beweise gefunden und ausgewertet hat, geht es in der Handlung weiter. Aus diesem Grund gibt es wohl auch keine separate Speicherfunktion. Es wird automatisch immer der letzte Ermittlungsstand im Profil abgespeichert.

Zusammenfassung

Insgesamt vermittelt die Demo-Episode der Casebook-Reihe nur einen guten Vorgeschmack, was mit diesem neuen Konzept eines „Casual-FMV-Adventures“ möglich ist. Natürlich wird der Erfolg stark von der Tiefe und Spannung in den einzelnen Kriminalfällen abhängen. Zudem sind erweiterte Gameplay-Funktionen und Herausforderungen wünschenswert, um wirklich auch Adventurespieler nachhaltig anzusprechen zu können.